Überall diese Gräben und Spaltungen, allerorts nur in sich geschlossene Szenen und Filterblasen. Kaum mehr Dialog. Kulturzerfall. Untergang der Demokratie. Und diese sozialen Medien erst!
Während die einen eine Pandemie und einige kleine Einschränkungen in ihrem Alltag brauchten, um zu erkennen: «Die Gesellschaft ist gespalten!!!», vermuteten andere schon etwas länger, dass eine Gesellschaft der Ungleichheit immer auch exklusive Räume schafft, in denen sich die Menschen tendenziell eher weniger begegnen. Doch halt, Kulturpessimismus hat hier niemand gesagt. Vielmehr: Auseinandersetzungen und Dialog muss immer wieder hergestellt, notfalls auch erstritten, werden.
Dem würde auch der französische Soziologe Henri Lefebvre zustimmen, der in den 1960er-Jahren ein «Recht auf Stadt» proklamierte. Er schrieb: «Das Städtische definiert sich als der Ort, an dem die Menschen sich gegenseitig auf die Füsse treten, (…) Situationen derart miteinander verwirren, dass unvorhergesehene Situationen entstehen.»
Das Recht auf Stadt ist ein Anspruch und Versprechen, das die neoliberale Stadtentwicklung nie einlösen konnte und qua Ideologie auch nicht kann: Hier werden Räume segregiert, funktionalisiert, hier stören unverhoffte Begegnungen und Konflikte den reibungslosen Arbeitsablauf.
Kubik & Fässler: 21. Oktober,20 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
grabenhalle.ch
Kubik & Fässler möchten genau solch unvorhersehbare und ungeplante Begegnungen schaffen, zumindest an einem Abend. Es geht also um nichts mehr weniger als die Rettung der urbanen Demokratie, würde die «Republik» schreiben. Wie stapeln hier bei Saiten etwas tiefer, aber nicht minder anspruchsvoll:
Seien Sie eingeladen zu einem unterhaltsamen Abend mit Gästen aus ganz unterschiedlichen Welten, die alle etwas zu erzählen haben und sich bei uns bei einem Glas Rotwein auf die Füsse treten. Hier trifft die HSG auf den Genossenschaftsbuchladen, der Trap-Musiker auf den Polizeikommandanten, die Lokalpolitikerin auf die ausserparlamentarische Aktivistin. Wo lauert unerwarteter Konsens? Wo Unstimmigkeit?
Moderiert von der Künstlerin Julia Kubik und dem Historiker Matthias Fässler geben sich pro Abend vier Gäste die Ehre, unterstützt von Saiten. Am ersten Abend sind dies: Andrea Scheck (Präsidentin SP Kanton St.Gallen), Lukas Görtler (Fussballer FC St.Gallen), Christa Binswanger (Professorin für Gender-Studies) und Reto Voneschen (Journalist St.Galler-Tagblatt).
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.