Kategorie
Autor:innen
Jahr

Bei sich die Wörter

Am 25. Mai ist der St.Galler Lehrer, Dichter und Leser Christian Mägerle gestorben. Heute, an seinem Geburtstag, findet ein Gedenkanlass statt. von Rainer Stöckli
Von  Gastbeitrag

Jahrzehnte lang hat man Christian Mägerle mit, neben und unter seiner Leselampe erleben können. Sie hatte ihren Standort in Mägerles Wohnung «öber em Bäumli», in der Bücherstube, deren Fenster über die St.Galler Schmiedgasse weg Richtung Klosterplatz schauen. Wann immer Mägerle Gäste zur Lesung in die Kellerbühne geladen und dort zum Gespräch willkommen geheissen hat, stand die Lampe auf der Bühne beim Gastgeber-Tischchen und tat mit drei milden Scheinwerfern Dienst. Dutzende Male. Hundert Geladene. Früher dreivierfünf Zeitgenossen am selben Abend. Voraussetzung, sie hatten Belletristisches geschrieben und waren willens, darüber Auskunft zu geben.

Was des Wortes ist

Nach dem Übergang von der Alten zur Neuen Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur (GdSL) wechselte Mägerles Lampe in den Ruhestand. Beiden, dem Eigentümer und der verchromten Stange mit Tellerfuss und den drei Spots, mutete man ein längerhin geruhsames Dasein zu. Seit Ende Mai weilte nur noch eins von beiden in der Bücherstube «öber em Bäumli».

Vor drei Jahren, November 2011, haben Freunde (Butz, Hochuli, Ledergerber, Stöckli, Überschlag) und hat die Stadt St.Gallen Christian Mägerle gewürdigt: unsererseits – aus Anlass seines 65. Geburtstages – mit dem Druck Was des Wortes ist und mit einer brahmsverzierten Feierstunde; von Seiten der Stadt mit Verleihung eines Ehrenpreises – zu verstehen sowohl als Danksumme für kulturelle Verdienste wie auch als Ermunterungsgeld für fernere Literaturschöpfung und -vermittlung. Mägerle schien da noch unermüdbar.

Vor bald fünf Monaten, Sonntagnachmittag, den 25. Mai, zwischen 16 und 19 Uhr, ist Christian Mägerle aus dem Stadtbild verschwunden. Achtundsechzigjährig. Und Tage darauf – keiner seiner Freunde hat davon gewusst – ist er vollends zum Verschwinden gebracht worden. Man hat die Nachricht von seinem Tod erst am 25. Juni lesen können. Eine Täuschung – Mägerle war nicht in Wien gewesen. Eine Enttäuschung. Jedoch gute Ursache dafür, jetzt am 16. Oktober, an Mägerles Geburtstag seiner zu gedenken nah am Quartier, wo er aufgewachsen ist. Und bester Grund auch schon für den Plan, kommendes Jahr pünktlich an seinen Todestag zu erinnern.

Eigensinniger Leser

«Dem Worte geben, was des Wortes ist»: So lautete vor drei Jahren der Ganztitel der mustergültig gestalteten 2011er-Broschur. Sie enthält ein paar «Zuschreibungen» und einen Schölly-Aufsatz, hat in erster Linie aber einen Gedichte-Längsschnitt vorlegen, überhaupt Mägerles Schreiben und Wirken verzeichnen wollen. Auf der Einladungskarte zur Vernissage sowie auf der rückwärtigen Decke des Umschlags ist der Geehrte mit halbem, oberem Gesicht konterfeit: wach-skeptischer Blick durch Brillengläser über die Oberkante einer Lektüre hinweg in die Kamera. (Frappant ähnlich hatte sich der nobelpreisnominierte Jannis Ritsos porträtieren lassen: Titelfoto auf Heft 3/1994 der Zeitschrift «Akzente».)

So haben manche von uns Christian Mägerle erlebt. So hat er in der zweiten Hälfte seines Lebensganges die Wirklichkeit rezipiert: vor sich ein Buch, bei sich die Wörter, in Sinn und Gedächtnis die Vorlieben für den und für jene, welche/r Wörter zu brauchen wussten, und aussen vor die Welt.

Wie anders wärs zu machen gewesen, dass einer Jahrzehnte lang ständig mit Vorfahren (Vorschreibern), mit verabschiedeten Schriftstellerinnen, aber auch mit zeitgenössischen Lyrikern befasst gewesen und umgegangen ist? – Auf ein anderes Blatt zu schreiben wäre, wie eigensinnig Mägerle Partei genommen hat, ohne freilich anders dichtenden Literaten die Bedeutung abzugraben.

Dichten, Deuten, Dienen

Ich sehe als Glücksfall an, dass die Sankt Galler Verlagsgenossenschaft (VSG) und die GdSL sich mehr als ein Mal für Christian Mägerle und seine Poesie gerührt haben. Im Bücherzimmer «öber em Bäumli» haben sich von seinen Privatdrucken und Veröffentlichungen teils ein paar wenige, teils recht viele zurückgelegte Exemplare finden lassen. Wir bringen sie, wie das oben erwähnte Nobelheft, an die heutige Gedenkfeierstunde.

Auch damit glauben wir, suggerieren zu dürfen, da sei einer unvergessen – insbesondere seine heutzutage vielleicht selten gewordenen Dreifaltigkeit, bestehend aus Dichten, Deuten und Dienen.

Gedenkanlässe für Christian Mägerle: 16. Oktober 2014, 19 Uhr, Evangelisches Kirchgemeindehaus Lachen St.Gallen / 26. Mai 2015, 20 Uhr, Kultbau St.Gallen

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2