Samstäglicher Einkaufsrummel am Bärenplatz – mitten im Getümmel taucht ein massiver Sockel aus Gips auf, mit der Aufschrift «An die Migrantinnen und Migranten». Auf Rollen aus Kunststoff transportieren rund dreissig Freiwillige den Sockel durch die Innenstadt.
Schnell wird man vom Sog mitgerissen, plötzlich hält man selbst eine Rolle in der Hand, gibt sie weiter. Jemand gibt Anweisungen auf Italienisch, jemand wiederholt sie auf Deutsch. Immer wieder wird kurz innegehalten, um das Fundament neu auszurichten. Gespräche entstehen, es wird gelacht. «Eine tolle Idee!», meint eine ehemalige Schulkameradin, welcher ich zufällig begegne.
Die künstlerische Aktion, welche ein Podest durch die St.Galler Innenstadt migrieren lässt, soll zum Denken und Handeln anregen. Vor dem Hintergrund der politischen Aktualität ein starkes Konzept. Wer nicht gerade mithilft, unterhält sich über die Abstimmung zur Durchsetzungsinitiative; Passanten halten einen Moment inne und beobachten die Prozedur aus der Ferne.
«Das Historische und Völkerkundemuseum hat mich für das Projekt überraschend angefragt», sagt Davide Tisato (im Bild oben mit Schal), welcher zusammen mit Alexander Übelhör das Konzept entwickelt hat. Tisato ist mit dem Thema persönlich vertraut: In Italien geboren und im ausserrhodischen Heiden aufgewachsen, studierte er zuerst in Spanien und jetzt in Frankreich. Im Rahmen der Ausstellung «Ricordi e stima» – welche ab kommenden Freitag Fotografien und Geschichten zur italienischen Migration in der Schweiz präsentiert – wurden die beiden eingeladen, eine künstlerische Aktion umzusetzen.
«Bei der Idee mit dem Monument war es mir wichtig, dass jeder Migrant, jede Migrantin und ihre Geschichten ins Kunstprojekt integriert werden können», sagt Tisato und verweist auf den Sockel ohne Skulptur. Auf das Podest aus Styropor und Gips haben verschiedenste Personen bereits mit Edding Nachrichten, Gedanken und Stories geschrieben, auf Deutsch, Italienisch oder auch Arabisch.
Nach dem Start am Bahnhof und dem Transport durch die Innenstadt erreicht das Monument schliesslich das Waaghaus, wo es auf einen kleinen Transporter geladen und zum Museum transportiert wird. Die kleine Menschenmenge verharrt einen Augenblick, ehe Tisato und das Historische und Völkerkundemuseum zum Apéro einladen.
Die Kunstaktion hat alle Ziele erreicht. Sie hat zum Denken und zum Handeln angeregt, sie hat Fremde zusammengebracht, Gespräche und Diskussionen entfacht. Und die Überzeugung durch die Stadt transportiert: Migration ist wichtiges Thema, welches man gemeinsam angehen muss. Das Monumento Migrante ist vielleicht nur einer von vielen Anfängen. Aber ein gutes Fundament für den Zusammenhalt.
«Ricordi e Stima. Fotografien und Geschichten zur Italienischen Migration in der Schweiz», Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen, 5. März bis 29. Mai. Vernissage: 4. März 18.30 Uhr
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.