Ein Gastbeitrag von Christina Genova.
Nein, Willi Oertig ist kein brotloser Künstler. Stolz sagt er: «Ich lebe gut von meinen Bildern.» Seit er Anfang der siebziger Jahre zu malen begonnen hat, verkaufte er um die tausend Werke. Doch woher kommt dieser Erfolg? «Ich bin ein Verkaufsgenie», lautet Willi Oertigs ganz und gar unbescheidene Antwort. Seit 1994 lebt und arbeitet er im thurgauischen Kradolf. Wahr ist, dass er unermüdlich die Werbetrommel in eigener Sache rührt, Einladungen zu seinen Ausstellungen verschickt, Leute ohne Scheu persönlich anspricht. Doch das ist nicht das Geheimnis Willi Oertigs.
Sind es vielleicht die Motive, die er für seine Bilder wählt? Der Künstler malt Landschaften, selten ein Stilleben oder ein Interieur. Es sind keine gefälligen Idyllen, die er auf die Leinwand bringt, sondern die hässlichen Seiten der Ostschweiz – den Schiessstand Bernrain, einen Fabrikturm bei Kradolf, Stromleitungen, die Aral-Tankstelle bei Erlen und immer wieder Bahnhöfe. Doch bei Willi Oertig leuchten diese Unorte von innen heraus. Orte an denen man sonst achtlos vorbeigeht, bekommen eine eigene Schönheit. Willi Oertigs Geheimnis ist, dass er es versteht, eine Saite in uns Provinzlern zum Klingen zu bringen. Er findet Bilder für das Gefühl der Melancholie und Verlorenheit, den Blues, der uns packt, wenn wir in der Dämmerung alleine auf den Zug warten, Abends an die verlassene Tankstelle fahren oder bei klirrender Kälte am Ufer der Thur spazieren gehen. Das geschieht nicht mit Bedacht oder mit Schielen auf Trends, sondern Willi Oertig malt das, was er malen muss. Er kann nicht anders, denn die Traurigkeit seiner Landschaften sitzt tief in ihm drin. Im Thurgauer Kunstmuseum hat man noch bis am 1. April Gelegenheit, der Faszination seiner Bilder zu ergründen.
«Willi Oertig. Wenn ich etwas bin, dann bin ich ein Indianer» Kunstmuseum Thurgau
Zur Ausstellung ist beim Benteli-Verlag eine empfehlenswerte Publikation erschienen.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.