Es wird gehämmert und gesägt, gekocht und gebacken, geschminkt, gemalt und getanzt: Auf der Brache Lachen ist an diesem Wochenende viel los. Mit einem zweitägigen Fest startet die Brache in ihren dritten Sommer.
Sie ist ein wahres Paradies für Kinder, ein kunterbunter Abenteuer-Spielplatz. Es gibt Bäume zum Klettern und Bretter zum Bemalen, Holzhütten zumAusbauen und Beete zum Gärtnern. Die Brache Lachen ist ein Ort, an dem sich so manch ein Erwachsener wünscht, wieder Kind zu sein.
Alle sind willkommen
Angefangen hat alles vor über drei Jahren, als die Verantwortlichen des Kinderlokals tiRumpel von der Stadt St.Gallen angefragt wurden, eine Parzelle an der Schönaustrasse zwischenzunutzen. Auf dieser rund 1000 Quadratmeter grossen Fläche standen früher Wohnbaracken, die als Sozialwohnungen dienten und mittlerweile abgerissen wurden. «Dieses Angebot kam uns sehr gelegen», sagt Kathrin Rieser, die zusammen mit Peter Olibet das Kinderlokal tiRumpel leitet. «Zu jener Zeit durften wir den alten Werkhof nutzen, wussten aber, dass er abgebrochen wird und wir raus müssen.»
Schon länger schwebte den beiden die Idee vor, mitten im multikulturellen Lachen-Quartier einen Ort im Freien zu schaffen, wo sich Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationen begegnen und austauschen konnten. Schnell waren weitere Gleichgesinnte gefunden, und zusammen mit dem Verein Gartenkind, mit dem Hilfswerk HEKS Neue Gärten Ostschweiz und dem dezentralen Wohnen der Valida gründete das Kinderlokal tiRumpel die IG Brache Lachen.
«An Eigenverantwortung appellieren»
Seither wird von Frühling bis Herbst auf der Brache Lachen gebaut und gegärtnert, gespielt, gelacht, gebastelt – und sogar Pizza gebacken. Der Pizzaofen ist als Gemeinschaftswerk zusammen mit den Kindern gebaut worden. Nutzen dürfen ihn alle. Aufräumen und Sorge tragen müssen ebenfalls alle. Das gilt für das ganze Areal, für Kinder wie für Erwachsene. «Wir appellieren an die Eigenverantwortung jedes einzelnen», sagt Kathrin Rieser. «Auf der Brache soll Gemeinschaft gelebt werden.»
Das tut sie, und zwar ziemlich gut, trotz oder gerade wegen der unterschiedlichen Kulturen und Generationen, die auf der Brache aufeinandertreffen. Und es gibt Regeln. Eine davon besagt, dass Kinder nur in Begleitung von Erwachsenen auf das Gelände dürfen. Aus Sicherheitsgründen.
Bis zu 20 Kinder hämmern und schaufeln jeweils am Samstagnachmittag auf der Kinderbaustelle. «In den Ferien sind es sogar bis zu 50 Mädchen und Buben», sagt Peter Olibet, und Kathrin Rieser fügt an: «Am monatlichen Mittagstisch nehmen manchmal bis zu 70 Personen teil, vom Kleinkind über die Hausfrau bis hin zum Pensionär. Es wird gemeinsam gekocht und abgewaschen. Es funktioniert. Man muss den Menschen die Eigenverantwortung auch zutrauen.»
Auf Spenden angewiesen
Lärmklagen, andere Beschwerden oder sonstige Probleme habe es bisher keine gegeben, sagt Peter Olibet. «Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit dem Quartierpolizisten, und der stellt uns ein gutes Zeugnis aus.» Das liege vor allem auch daran, dass «wir mit unserem Projekt kein kommerzielles Ziel verfolgen: Wir wollen kein Geld verdienen».
Obwohl für vieles auf der Brache nichts bezahlt werden muss oder wenn, dann nur freiwillig, so ganz ohne finanzielle Hilfe geht es trotzdem nicht. In erster Linie ist die IG auf Spenden angewiesen. Im vergangenen Jahr gab es einen schönen Zustupf von der St.Galler Kantonalbank, die anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums die Brache Lachen als eines von 40 Projekten unterstützte. Mit dem Geld konnten unter anderem verschiedene Workshops angeboten, ein Mittagstisch eingerichtet und Werkzeuge gekauft werden. Zudem wurde auf dem Bauwagen, der mitten auf dem Areal steht und als Abstellhäuschen dient, eine Solaranlage montiert sowie ein Unterstand angebaut.
Kathrin Rieser und Peter Olibet stecken viel Energie und Leidenschaft in die Brache Lachen. Aber sie wissen: Das Projekt hat ein Ende. Wann die IG ihren Spielplatz, ihre Gärten und ihren Pizzaofen räumen muss, ist noch ungewiss. «Zu Beginn war von einer Zwischennutzung von fünf Jahren die Rede», sagt Peter Olibet, der auch für die SP im St.Galler Stadtparlament sitzt. Wird es dabeibleiben, ist in etwa zwei Jahren Schluss.
Eigentlich schade, denn die Brache Lachen ist alles andere als ein brach liegendes Areal. Es lebt – von und mit Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Kulturen. Und das Miteinander funktioniert. Das hat das kleine Festival einmal mehr gezeigt.
Bilder: Marion Loher
Infos: brachelachen.ch
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