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Ein anderes Sufo ist möglich

Seit zehn Jahren bereits wird am Ostschweizer Sozial- und Umweltforum (Sufo) über eine andere, eine bessere Welt nachgedacht. Höchste Zeit, auch über das Sufo nachzudenken.
Von  Corinne Riedener , 

Das OK kann auch im zehnten Sufo-Jahr auf ein gelungenes Wochenende zurückblicken. Gut 1500 Besucherinnen und Besucher sind nach St.Gallen gekommen, etwa 600 haben sich für die über 40 Workshops eingetragen, acht davon für den Jubiläums-Workshop in der Käsehalle – zu wenig für die beiden Veranstalterinnen und ehemaligen OK-Mitglieder Deborah Buess und Eva Schürmann. Es sei an der Zeit, Bilanz zu ziehen, das Sufo hinterfragen und in die Zukunft schauen, sagen sie. «Enttäuschend, dass nicht mehr gekommen sind, wo es doch angeblich einige Unzufriedene geben soll.»

Nachwuchs gesucht!

Kritische Stimmen sind schon länger zu hören: Es mangle an politischem Profil, sagt etwa eine Aktivistin, «die Tanz- oder Bastel-Workshops sind überflüssig». «Das Sufo ist mir zu links», findet wiederum ein junger Student. Zwei langjährige Besucherinnen fragen sich Anfang Mai, ob ein solches Forum noch zeitgemäss sei angesichts des Zerfalls der Anti-Globalisierungsbewegung, und auch das OK kämpft mit Problemen. «Wir brauchen dringend Nachwuchs, wenn das Sufo weiterhin stattfinden soll», klagt es einhellig.

«Zeit und Kraft werden von Jahr zu Jahr knapper», darin ist sich das 10-köpfige Komitee einig, anders als in Sachen Politik: «Das Sufo muss sich klarer positionieren», kritisieren einzelne aus dem OK. «Ein Workshop zum Thema Kapital von Mitgliedern bürgerlicher Jungparteien hat am Sufo einfach nichts verloren.» Stattgefunden hat er trotzdem, angeblich ohne grosse Diskussionen intern. Es war das erste Mal, dass Bürgerliche einen Workshop leiten durften, jedoch ohne Verweis auf ihre Parteizugehörigkeit. Simon Scherrer von den Jungfreisinnigen und Dominique Baumgartner, Junge SVP, sind an diesem Tag nur ganz normale «Bürger des Kantons St.Gallen».

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Ausschnitt der vielfältigen Sufo-Trägerschaft

Grundsätze gesucht?

Wer kommen darf und wer nicht, ist eine der Standardfragen bem Sufo-OK. Verständlich, denn ausser «Gewaltfreiheit», was ganz zu Anfang definiert wurde, existieren weiter keine verbindlichen Grundsätze was Trägerschaft oder Workshop-Leitung angeht. «Die Diskussion muss stets von neuem geführt werden», sagt Sufo-Gründungsmitglied Phillipe Hangartner in der Käsehalle und nennt einige Beispiele aus der Vergangenheit, darunter auch skurrile, wie dieser Fall des «Pharaos von Neu-Ägypten»:

Parzival Ta-o-Ra, so nennt er sich, hatte 2005 zum «Kampf gegen Mutanten-Polarlichter und Mobiltelefonie» aufgerufen, dieser sei nämlich viel wichtiger als der Irak-Krieg. Ta-o-Ra wurde wieder ausgeladen und seither auch alle anderen vermeintlichen und nachweislichen Verschwörungstheoretiker, ebenso wie gewaltbereite Gruppierungen, undurchsichtige Organisationen und religiöse Fundamentalisten jeglicher Ausprägung.

Utopie gesucht!

Erinnerungen an Occupy werden wach. Hat Vielfalt Grenzen? Wo endet Toleranz und wo beginnt sie? Was unterscheidet Ideologie und Profil? Gibt es so etwas überhaupt in einem radikal demokratischen Gebilde? – Die Workshop-Zeit ist naturgemäss zu knapp für Grundsatzdiskussionen, aber sie reicht immerhin, um gemeinsam Fragen an die Adresse des OK zu formulieren: Braucht das Sufo ein Grundsatzpapier? Oder reichen gepflegte Diskussionen? Braucht es frische Strukturen, andere Schwerpunkte, weniger Workshops, andere Workshops? Könnten diese auch nach Formen, zum Beispiel «Hintergrund», «Debatte» oder «Aktion», geordnet sein statt wie bisher nach Themen? Wäre eine Erweiterung des politischen Spektrums wichtig beim Hinterfragen der eigenen Positionen? Und am wichtigsten: Wie rekrutiert man motivierten OK-Nachwuchs?

Es braucht frischen Wind, wenn der Sufo-Schnuuf nicht ausgehen soll, betonen Deborah Buess und Eva Schürmann. «Und wie früher einen Pioniergeist», fügt Hangartner an, «eine gemeinsame Idee, eine Utopie». Diese muss allerdings gar nicht unbedingt das Ziel sein, wenn es nach den Podiumsgästen vom Vorabend in der Grabenhalle geht, sondern der Fixpunkt am Horizont, eine Art Kompass, ein Wegweiser.

Es reicht demnach, liebes Sufo, wenn du dich weiter auf den Weg machst, nur anhalten sollst du nicht.

 

Neben dem Workshop beherbergte die Käsehalle auch eine kleine Jubiläumsausstellung mit Fotos, Plakaten, Artikeln und besonders unterhaltsam: Interviews mit Sufo-Fans von früher und heute. Saiten hat einige abstauben können, danke Pia Fehle, und zum Nachhören online gestellt, darunter ein aktuelles Ok-Mitglied und ein ehemaliges, verschiedene Statements von Teilnehmenden und die Erinnerungen des ältesten Friedensaktivisten von St.Gallen. 

 

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Die Ausstellung in der Käsehalle, zusammengestellt von ehemaligen OK-Mitgliedern

Bilder: Adrian Dörig

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von Karsten Redmann,
Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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