«Als ich in den Kindergarten kam, konnte ich einzig Ja und Nein sagen», erinnert sich Mehmet Yildirimli. Doch schnell lernte der sprachbegabte Mehmet St.Gallerdeutsch und dank seiner Mutter, die darauf beharrte, dass die Kinder ihre Muttersprache nicht vergessen, beherrscht er auch ein gepflegtes Türkisch. Mit viel Disziplin und Ehrgeiz lernte Mehmet noch Spanisch, schloss seinen Bachelor in Marketingkommunikation ab und schloss noch einen Master in Ökonomie an.
Durch den Migrationshintergrund seiner Eltern wurde er für kulturelle Unterschiede sensibilisiert. Heute leitet er die Swiss Business Hub und hilft Schweizer Firmen mit seinem kulturellen Know-how, ihre Produkte in der Türkei zu vermarkten
Gaby Fierz, Ethnologin und Kuratorin des Projekts «yolda» möchte mit der Ausstellung das Augenmerk auf die transkulturellen Übersetzungsleistungen richten. Migration sei zwar in aller Munde, werde aber oft nur als Problem gesehen. Vergessen gehe dabei, dass viele gesellschaftliche und ökonomische Transformationen ohne Migration gar nicht möglich gewesen wären. Der mobile Video-Kiosk mit zehn Flatscreens und Kopfhörern bezweckt, die Migrantinnen und Migranten selbst zu Wort kommen zu lassen. Was bedeutet es für sie, zwischen den Welten unterwegs zu sein?
Wohnungssuche mit Hindernissen
Müjde Tönbekici, in Istanbul geboren, verbrachte ihre Kindheit in Birrfeld bei Windisch. Schliesslich zogen die Eltern nach mehrmaligem Hin und Her zurück in die Türkei, wo Müjde ihre Jugend verbrachte. Durch ihre Sozialisation in zwei Ländern habe sie gelernt, auch schwierige Veränderungen zu akzeptieren und sich nicht entmutigen zu lassen.
Das kam ihr bei der Wohnungssuche in der Türkei zugute, als sie als junge Frau mit ihrem Freund zusammenziehen wollte. In der Türkei habe man ihr regelmässig die Türen vor der Nase zugeschlagen, allzu modern und ungewohnt war Müjdes revolutionärer Entscheid in den 80er-Jahren. Also log sie den Vermietern einfach vor, dass sie mit zwei Studentinnen einziehen wolle. Noch heute erzählen ihre Kolleginnen aus der Studienzeit, wie Müjde ihnen imponiert habe; sie sei als emanzipierte und gebildete Frau ein Vorbild gewesen. Heute führt die studierte Ingenieurin, die einen international erfolgreichen Reiseführer verfasst hat, eine nachhaltige Hotelanlage in der Westtürkei.
Die Video-Biographien zeigenMenschen, die nicht nur einem Land, einer Kultur oder einer Heimat angehören. Sie alle haben sich Sprachen, Werte und Kompetenzen angeeignet und wurden dadurch zu interkulturellen Übersetzern zwischen der Türkei und der Schweiz. Dadurch habe sich auch ihr eigenes Selbstverständnis verändert. Die transkulturellen Aneignungs- und Übersetzungsleistungen haben zu mehr Flexibilität und Offenheit geführt.
Durch das Pendeln zwischen den Ländern hätten vor allem menschliche Beziehungen an Wert gewonnen. «Man hat nicht nur eine Heimat, sondern man hat mehrere Heimaten», erklärt etwa Atilay Ileri, der mit seiner Tochter eine Olivenölfabrik in der Türkei führt und nostalgisch von seinen Spaziergängen mit Freunden am Zugersee schwärmt.
Die Tour ist vorerst zuende
Die Ausstellung präsentiert aber nicht nur die Geschichten von elf Menschen mit mehreren Heimaten, sondern ist selbst Produkt einer kulturellen Aneignungsleistung. Das Wort «Kiosk» stammt nämlich aus dem Türkischen und wurde im Zuge der «Orientschwärmerei» übernommen. «Köşk» war ein nach mehreren Seiten offenstehender Pavillon in Parkanlagen des Osmanischen Reiches.
Der mobile Kiosk ist nun nach einer langen Ausstellungsreise von Istanbul bis nach Basel vorläufig am letzten Standort angekommen. Was ursprünglich nur für 12Tage geplant war, wird verlängert: ab kommenden Mittwoch ist der «Köşk» im Foyer des Museums zu sehen, bis 8. Januar. Zu hoffen bleibt, dass das Projekt auch danach weitergeführt wird und dass «yolda» unterwegs bleibt.
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.