«Was hat sie da in der Hand?» fragt mein Sitznachbar an der Preisverleihung des «Goldigen Törgga» im Kulturraum Jung Rhy in Altstätten. «Einen Maiskolben. Das ist jetzt eben der Törgga.»
Bei der zweiten Idee, dem «Goldige Törgga», blieb die Kulturstiftung dann. Der drückt was Reifes aus. Josef Ebnöthers Einwände, «der Name sei zu wenig international, das verstehe ja keiner von ausserhalb», die will Köppel noch nicht zählen lassen. Erst einmal wollen sie mit dem Preis in der Deutschschweiz bekannt werden. – Mein ratloser Sitznachbar stammt aus Basel.
Türken heisst im Rheintal Mais – aber nicht nur hier. Der Name ist viel internationaler, als von Ebnöther und Köppel wohl gedacht. Auch die Österreicher, von Tirol bis in den Vorarlberg, sagen dem Mais Türken (eine Wiki-Schnellbleiche dazu unter Benennung).
Ob das politisch einwandfrei ist? Die Wahl der ersten Preisträgerin ist es jedenfalls. Ausgezeichnet wurde Jolanda Spirig, die unermüdliche, stille Schafferin, die sich beständig den Frauen annimmt. Von Frauen zweiter Klasse, die keine Rechte aber viele Pflichten besassen, die schafften und schafften und kaum je Anerkennung, geschweige denn einen gesellschaftlich akzeptablen Stand erhielten – von ihnen handeln ihre Bücher. Das neuste von ihr, «Schürzennäherinnen» ist eben erschienen. Wir haben es im November-«Saiten» besprochen). Kathrin Hilber trägt freudig die Laudatio vor, vielleicht mit ein bisschen zu viel Elan gar, die gestandene Rednerin verhaspelt sich mehrfach.
«Valley of Chances» heisst das letzte Lied, dass die Brüder Lenzin, die für den musikalischen Teil des Abends sorgten, vor der Preisübergabe spielten. Köppel reagiert augenblicklich: «Da hätten wir unsere Internationalität!» Joseph Ebnöther in der ersten Reihe biegt lachend seine Augen zu Halbmonden und zeigt seine Zahnlücke.
Die ehemalige Kirche ist voll mit Leuten. «Das gibt mir Boden» freut sich die wache Spirig und nimmt den gebratenen Maiskolben und das goldene Couvert mit den 15‘000 Franken Preisgeld entgegen. Egal ob der Name des Rheintaler Kulturpreises nun ein guter Griff war oder nicht – gut platziert ist er jedenfalls.
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht