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Es war in Charleston, S.C.

Der rassistische Mord von Charleston im US-Bundesstaat South Carolina vor zwei Wochen erschüttert weiterhin. Und er hat seine Geschichte - daran erinnert der St.Galler Sklavereiforscher Hans Fässler im Namen des Transatlantischen Komitees «Démonter Louis Agassiz». Nachstehend die Presse-Erklärung im Wortlaut.
Von  Redaktion Saiten , 

Im Zusammenhang mit der Bluttat von Charleston, bei der am 17. Juni 2015 der weisse Rassist Dylan Roof in der «Emanuel African Methodist Episcopal Church» in Charleston, South Carolina, neun schwarze Kirchgängerinnen und Kirchgänger erschossen hat, scheint es angebracht, auf einige historische Zusammenhänge hinzuweisen:

  • Einer der Gründer der «Emanuel African Methodist Episcopal Church» war der Sklave Denmark Vesey, welcher im Jahre 1822 – inspiriert durch die erfolgreiche Befreiungsbewegung in Haiti – den grössten Sklavenaufstand in der Geschichte der USA plante. Vesey wurde verraten, zusammen mit 34 anderen gehängt und die «Emanuel African Methodist Episcopal Church» niedergebrannt.
  • Es war in Charleston, S.C., wo der Schweizer Louis Agassiz 1847 in einem öffentlichen Vortrag verkündete: «The brain of the Negro is that of the imperfect brain of a seven months‘ infant in the womb of a White.»
  • Es war in South Carolina, wo Louis Agassiz in der Umgebung von Charleston die Plantagen seiner wissenschaftlichen Kollegen und Freunde besuchte, die Sklaven bei der Arbeit beobachtete und 1850 auf der Plantage von Benjamin Franklin Taylor bei Columbia (Hauptstadt von South Carolina) Daguerrotypien von Sklavinnen und Sklaven anfertigen liess, um die Minderwertigkeit der «schwarzen Rasse» zu beweisen.
  • Es war in Charleston, S.C., wo Louis Agassiz 1850 in einer Vorlesung erklärte, schwarze und weisse Amerikaner bewohnten unterschiedliche «zoologische Provinzen» und gehörten kaum der gleichen Spezies an.
  • Es waren jene sklavenhaltenden Südstaaten, deren Flagge das Nummernschild des Amokschützen Dylan Roof zierte und mit der er im Internet posierte, welche durch die rassistischen Theorien von Agassiz intellektuelle Schützenhilfe (Wortspiel beabsichtigt!) bekamen.
  • Es war jenes Apartheidregime von Südafrika, dessen Flagge ebenfalls auf Dylan Roofs schwarzer Jacke aufgenäht war, das die Ideen von Louis Agassiz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am konsequentesten umgesetzt hat.
  • Es waren rechtsextreme Websites wie «Stormfront» und «Vanguard News Network» (welche das Gedankengut von Dylan Roof pflegen und verbreiten und seine Tat heute relativieren), deren Leser vor fünf Jahren zustimmend die Nachricht kommentierten, dass die drei Gemeinden Grindelwald, Guttannen und Fieschertal die Umbenennung des Agassizhorns abgelehnt hatten.
  • Am 10. August 2015 jährt sich zum 175. Mal die Benennung des Agassizhorns durch Louis Agassiz und seine Expedition ins Unteraargebiet (BE).

 

Nach den Stationen Grindelwald, Eggishorn, Grimsel und Teufen ist die Ausstellung «Gletscherforscher, Rassist: Louis Agassiz (1807-2015)» vom 28. August bis 23. September in der Eingangshalle Lämmlisbrunnenstrasse der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen zu sehen. Vernissage: 28. August, 17.30 Uhr. Infos hier.

Bild: Gedenkgottesdienst für die Opfer in der Emanuel African Methodist Episcopal Church am 19. Juni 2015. (Bild: NBC News)

 

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