Kategorie
Autor:innen
Jahr

Fahndungspannen, seltsame Communiqués, reduzierte Strafen

Rund um die AFG-Arena hat sich die Situation entspannt. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft sorgt aber weiterhin für Kritik an der Verhältnismässigkeit. Beispielsweise bei den Verfahren gegen eine Gruppe von YB-Fans.
Von  Andreas Kneubühler

In St.Gallen hat sich die Situation rund um die Fussballspiele des FCSG schon länger beruhigt. Verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich. Unter anderem: Die Fanarbeit. Die Abschreckungswirkung des rigiden Vorgehens der Staatsanwaltschaft. Die Entpolitisierung des Themas nach dem Wechsel von Karin Keller-Sutter in den Ständerat. Das neue Konzept des FCSG bei den Eingangskontrollen.

Weiterhin stellen sich zwei Fragen:

Ist das Vorgehen der Staatsanwaltschaft verhältnismässig? (Oder richtet es sich vor allem deshalb gegen Fussballfans, weil diese im medialen Scheinwerferlicht stehen und keine Lobby haben?)

Und: Halten die Strafbefehle der Überprüfung durch Gerichtsverfahren stand?

Eine Zwischenbilanz der Verfahren gegen eine Gruppe von YB-Fans zeigt, dass in einigen Fällen die Strafbefehle deutlich nach unten korrigiert wurden. Die Entscheide sind allerdings noch nicht rechtskräftig.

Am 4. Mai 2013 war es vor dem Spiel des FC St.Gallen gegen die Young Boys zu Ausschreitungen gekommen. In der Folge wurden Verfahren gegen knapp 40 Personen eröffnet. Einige haben ihre Strafbefehle schon länger erhalten, ein Teil hat sie akzeptiert, andere haben dagegen rekurriert.

Die Geschichte mit der Internetfahndung ist bekannt.

Es gab noch andere Besonderheiten:

Am 16. August veröffentlichte die «Schweiz am Sonntag» unter den Titel «Wie eine Terrorfahndung» einen Bericht über die Verfahren. Darin wurde der Fall eines YB-Fans geschildert, der in Bern in der Schule von zwei zivilen Fahndern abgeholt wurde. Danach wurde er von ihnen nach Hause begleitet. Dort warteten drei weitere Polizisten, die eine Hausdurchsuchung durchführten und unter anderem den Computer beschlagnahmten. Anschliessend wurde er im Polizeiwagen nach St. Gallen gefahren. Dort stellte sich dann heraus, dass auf Fotos und Videoaufnahmen eine andere Person zu sehen war.

Der Sachverhalt wurde gegenüber den Medien von zwei Sprechern der Staatsanwaltschaft bestätigt. Beide betonten, dass der Einsatz verhältnismässig gewesen sei und dass es bei jeder Fahndung zu Fehlern kommen könne.

Als die Geschichte von Medien in der Ostschweiz aufgenommen wurde, verschickte die Staatsanwaltschaft ein ausführliches Communiqué samt Fotos von demolierten WC-Anlagen. Der ganze Fall vom Mai 2013 wurde nochmals geschildert. Ungewöhnlich war, dass darin ganze Passagen aus dem Vernehmungsprotokoll wörtlich zitiert wurden.

Am 8. September stand dann eine erste Gruppe von YB-Fans vor dem Kreisgericht St.Gallen, die alle gegen die Strafbefehle rekurriert hatten.

Drei Anhängern wurde vorgeworfen, sich in einem Pulk befunden zu haben, der im Eingangsbereich gegen einen Notausgang angerannt war und die Türen mit Tritten traktiert hatte. Dabei waren sie mit Schals oder Sturmhauben vermummt.

Ein weiterer Fan war vermummt im Pulk dabei, verhielt sich aber nicht weiter aktiv.

Bei einem YB-Fan aus dieser Gruppe ging es um die Frage, ob er überhaupt beim Spiel dabei gewesen war. Die Verteidigerin bat ihn, aufzustehen. Er sei 1.92 Meter gross, sagte sie. Die Person auf den Bilder war hingegen höchstens durchschnittlich gross. Der Richter verglich die Fotos, bat den Anhänger, sein Gesicht ins Profil zu drehen. Danach sprach er ihn frei.

Bei den drei andern Fans wurde das Strafmass reduziert. Vor Gericht hatten sie zugegeben, dabei gewesen zu sein. Sie wurden wegen Landfriedensbruch und Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot verurteilt und erhielten dafür bedingte Geldstrafen sowie eine Busse. Zusätzlich hatten sie bereits Stadionverbote erhalten.

Wenn man weglässt, dass die Geldstrafen bedingt waren, könnte man die Unterschiede zwischen dem Strafbefehl und Gerichtsurteil betragsmässig folgendermassen aufzeigen: Der Fan, der sich innerhalb der Gruppe befunden und sich nur vermummt hatte, hätte nach der Staatsanwaltschaft 20’000 Franken bezahlen müssen. Im Gerichtsurteil waren es noch 7000 Franken. Eine Rolle spielte dabei allerdings auch die unterschiedliche Bewertung der finanziellen Verhältnisse bei der Höhe der Tagessätze.

Konkret sah der Unterschied so aus: 60 Tagessätze zu 100 Franken als bedingte Geldstrafe, dazu eine Busse von 1000 Franken für die Vermummung – statt 90 Tagessätze zu 200 Franken als bedingte Geldstrafe sowie eine Busse von 2000 Franken.

Die Staatsanwaltschaft hatte den YB-Fans mit einer Weisung auch noch Rayonverbote von zwei bis drei Jahren auferlegt. Die Rayonverbote kommen im Urteil des Kreisgerichts nicht mehr vor.

Anfangs Oktober finden in St.Gallen weitere Verfahren gegen YB-Fans statt.

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von  Pius Frey  und  David Gadze
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von  Mia Nägeli

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von  Vera Zatti
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01