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Frauenarchiv – für die Zukunft

Die Stadt St.Gallen vergibt ihren Anerkennungspreis 2015 an das Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte. Seine Anfänge liegen in den frauenbewegten Achtzigerjahren – doch die Arbeit geht nicht aus, sagt Geschäftsführerin Marina Widmer.
Von  Peter Surber

Der mit 20’000 Franken dotierte Anerkennungspreis wird jährlich an Personen oder Institutionen vergeben, die sich mit ihrem kulturellen Wirken besondere Verdienste um die Stadt und ihre Bevölkerung erworben haben. Den Hauptpreis bekommt das Frauenarchiv (im Titelbild ein Archivbild von ungebrochener Aktualität: Demonstration für Lohngleichheit in St.Gallen in den 70er-Jahren, Fotograf: Raniero Fratini).

Daneben vergibt die Stadt mit je 10’000 dotierte Förderungspreise – sie gehen an Claudia Roemmel für ihr tänzerisches und choreografisches Schaffen, an den Autor Heinrich Kuhn, die Künstlerin Andrea Vogel sowie Anita Zimmermann für ihr Engagement als Kulturvermittlerin – zuletzt hat ihr «geiler Block» Aufsehen erregt. Die Feier findet am 9. November statt.

«Fundorte für Zukünftiges»

«Sind Archivarinnen die Totengräberinnen dessen, was einmal für Anstoss gesorgt und Veränderung bewirkt hat? Oder: Sind Frauenarchive Teil einer neuen Art von Frauenbewegung, die projektorientiert, professionell, netzwerkend und im Bewusstsein einer eigenen Geschichte ans Werk geht?» Diese Fragen hat Renate Bräuninger im Oktober 2000 in Saiten gestellt, in jener Ausgabe zur «Neuen Frauenbewegung», die Sabin Schreiber und das Archiv für Frauen- und Geschlechtergeschichte mitgestaltet haben. Die Antwort fiel erwartungsgemäss positiv aus: Frauen- und Geschlechtergeschichte wolle keine «Entsorgungsanlagen für Ausgedientes» schaffen. Sondern: «Fundorte für Zukünftiges».

Plakat zum zehnjährigen Bestehen des Frauenhauses St.Gallen, 1990, Gestaltung: Anita Zimmermann

Das war vor fünfzehn Jahren, und das erst im Jahr zuvor institutionalisierte Frauenarchiv hat seither mit einer Vielzahl von Aktivitäten seine Unverzichtbarkeit bestätigt. 2003 erschien zum Kantonsjubiläum das Buch Blütenweiss bis rabenschwarz – St.Galler Frauen – 200 Porträts. Rund um den Sticker-Roman von Elisabeth Gerter organisierte das Archiv mehrmals Lesekampagnen, einen Schreibwettbewerb und die Neuausgabe des Buchs. 2011 erschien der Quellenband Frauensache, es gab Projekte mit Migrantinnen, Vorträge in der Erfreulichen Universität und Begleitanlässe zu Ausstellungen.

Im Archiv (heute mit dem Namenszusatz «… und Sozialgeschichte») befinden sich rund 110 Archivbestände von Organisationen und Gruppen, vorwiegend Archivalien der Alten und Neuen Frauenbewegung sowie verschiedener Berufsverbände und sozialer Bewegungen in der Ostschweiz. Das Archiv besitzt Vor- und Nachlässe von Frauen und Männern, Oral-History-Dokumente (Interviews zum Leben von Frauen und Männern auf CD, DVD und Tonbändern, die teilweise transkribiert sind), Fotos, Plakate und andere Bilddokumente sowie eine Datenbank «Bibliografie zur Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz».

Das Archiv, so die Würdigung zum Anerkennungspreis, «sammelt, sichert und erschliesst die Lebensspuren von und über Frauen der Ostschweiz seit bald dreissig Jahren». Am Anfang stand die Gründung der Frauenbibliothek Wyborada 1986; ab 1990 bauten Mechthilf Kunath, Ruth Rothenberger, Marina Widmer und Renate Bräuninger die Dokumentationsstelle zur Geschichte der Frauen in der Ostschweiz (doku) auf, die schliesslich in die Gründung des Archivs mündete.

Warum es ein Archiv braucht, brachten Sabin Schreiber und Marina Widmer damals im Saitenheft vom Oktober 2000 kurz und knapp auf den Punkt: «Archive sind Herrschaftsinstrumente.»

Anni Brunner, Antifaschistin und Opfer der «politischen Psychiatrie» in den 1930er-Jahren.

«Migrationsgeschichte wird immer wichtiger» – Fragen an Marina Widmer, Geschäftsführerin des Frauenarchivs

Saiten: Wofür braucht es das Frauenarchiv?

Marina Widmer: Unsere selbstauferlegte Aufgabe ist das Sichern, Speichern, Erforschen und Vermitteln von Dokumenten zur Frauen- und Geschlechtergeschichte der Ostschweiz und zur Geschichte der sozialen Bewegungen. Speziell daran ist, dass wir nicht abwarten, was auf uns zukommt, sondern aktiv Unterlagen acquirieren und auf Institutionen und Personen zugehen – jüngst etwa bei der Schliessung der Casa latinamericana. Ein weiterer und wachsender Schwerpunkt ist es, die Migration einzubeziehen.

Was ist die dringlichste Zukunftsaufgabe?

Marina Widmer: Was ich eben genannt habe, die Sozialgeschichte der Migration: Darum kümmert sich ausser uns niemand, da gibt es noch zahllose Lücken. Und das zu ändern ist umso wichtiger, als sich die Erinnerungskulturen stark unterscheiden. Es ist etwas anderes, ob sich ein Schweizer erinnert oder eine Kurdin. Und diese unterschiedlichen Erinnerungen sollen alle Platz haben, in der Gesellschaft wie in unserem Archiv.

Was steht als nächstes Projekt an?

Marina Widmer: Neben der Forschung geht es uns immer auch um die Vermittlung von Geschichte. Im Februar/März  zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem Museum im Lagerhaus eine Ausstellung zum internationalen Holocaust-Gedenktag – ein Termin, der in der St.Galler Agenda betrüblicherweise nicht vorkommt, ausser beim italienischen Centro socioculturale und bei uns. Und ab März 2016 ist die Ausstellung zur italienischen Migration nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen, als vorläufiger Abschluss einer seit längerem dauernden Forschungs- und Sammeltätigkeit.

Ich kenne als Mann das Frauenarchiv nicht aus eigener Anschauung. Bloss mein Fehler? Oder ein Zeichen, dass sich das Archiv öffnen müsste?

Marina Widmer: Ich lade gern zu einer Führung ein. Aber das Archiv hat sich schon vor Jahren geöffnet, Geschichten von Männern etwa fanden in die Ausstellung zum «lungo addio» Eingang oder in das Oral-History-Projekt. Vernetzung mit anderen Institutionen ist uns ungeheuer wichtig, beispielhaft dafür ist der Verein Pantograph oder das Palace mit seiner Erfreulichen Universität.

Musiktheater

Auf See im Park­haus

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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

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Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

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Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5