In der «WoZ» stehts. Zumindest die Hälfte der Geschichte. Gemeint ist das im Vorblogg schon behandelte Hüppi-Interview. Es ist erhellend. Man kann es aber auch als politischen Druckversuch lesen. Die öffentliche Hand soll wieder einmal zahlen. Nicht gestellt wird die Frage, wieso der FC St.Gallen eigentlich zu wenig Geld hat, um wie andere Klubs die Sicherheitskosten bezahlen zu können.
Dafür muss man in den Dezember 2009 zurückblenden. Gleich zwei Ereignisse spielen eine Rolle: Der FC St.Gallen qualifiziert sich mit einem Auswärtssieg in Luzern für den Cup-Halbfinal. Ein Sieg im Heimspiel gegen den Challenge League Verein Lausanne und man wäre im Final.
Mit der Herausgabe von Aktien sammelte der FC St.Gallen etwas über 2 Mio. Franken und kann damit einen Konkurs abwenden. Die Summe ist allerdings nur die Hälfte der erhofften 5 Mio. Franken, aber genug, um das Minimalziel zu erreichen.
Kurz darauf beschliesst der FC St.Gallen eine «Vorwärtsstrategie». Auf welcher Grundlage ist nicht bekannt. Offensichtlich kann wieder investiert werden:
Der FC St.Gallen verpflichtete mit Germano Vailati einen dritten Goalie. Je nach Quelle wurden Sion 250’000 oder 300’000 Franken überwiesen. Dazu kommt der Lohn, der zu den höchsten Spielergehältern zählen dürfte. Die gesamte Lohnsumme, die bereits höher liegt, als beispielsweise in der Saison 2005 für die Mannschaft mit Aguirre, Alex, Gelabert, Gjasula und Razzetti, steigt weiter.
Der FC St.Gallen verpflichtete den Kameruner Brice Owonoa. Ob Transfergelder geflossen sind, ist nicht bekannt. Die Lohnsumme steigt weiter.
Am 4. April 2010 verlor der FC St.Gallen mit Vailati das Cupspiel gegen Lausanne. Einnahmen von rund einer halben Mio. Franken wurden verspielt. Zwei Tage später gab Hüppi das Choreo-Verbot bekannt. Eine Woche später sagte er der WoZ, dass der FC St.Gallen eine halbe Million Franken an Sicherheitskosten nicht bezahlen kann.
Doch das ist immer noch höchstens die Hälfte der Geschichte. Die Sicherheitskosten bezahlt nämlich gar nicht der FCSG. Die Rechnungen der Stadtpolizei muss die Betriebs AG (BAG) begleichen. Dorthin fliessen auch alle Einnahmen aus dem Ticketverkauf und dem Marketing. Hüppi ist in der BAG nicht einmal im Verwaltungsrat. Darin sitzen Dieter Froehlich, Rainer Sigrist oder Hans Hurni. Geschäftsführer ist Bill Mistura.
Die Betriebs AG hat wohl schon die zweite Generalversammlung hinter sich. Das Betriebsergebnis wird nicht bekannt gegeben. Wer Aktionär ist auch nicht. Die Betriebs AG ist eine Fehlkonstruktion. Sie ist wie ein Schiff, dass komplett überladen wurde: Eine kleine Welle und schon droht der Untergang. Dazu nur soviel: Der Betriebs AG wurde von der Stadion AG den ganzen Innenausbau der Arena aufgeladen. Dafür mussten ohne Sicherheiten sehr teure Kredite aufgenommen werden. Geld, mit dem die Sicherheitskosten problemlos bezahlt werden könnten.
Dazu kommt, die BAG generiert zu wenig Einnahmen. Stand Dezember 2009 war, dass nicht alle Logen und Business-Seats verkauft waren. Hüppi forderte damals, dass die Einnahmen der BAG mittelfristig um 2 Mio. Franken pro Jahr steigen müssen. Wahrscheinlich zeigt der Trend in die Gegenrichtung. In der Arena gibt es weiterhin keine grossen Anlässe, keine Springsteen-Konzerte, keine Schwingerfeste. Die Zuschauerzahlen sinken im Vergleich zur Vorrunde deutlich. Vermutlich, weil der FCSG bei Minustemperaturen nicht das gleiche ist wie der CF Barcelona im Fernsehsessel.
Fassen wir zusammen: Die BAG ist eine Fehlkonstruktion, ihr wurden zu viele Kosten aufgebürdet und sie generiert zu wenige Einnahmen. Der FCSG beschliesst ohne finanzielle Grundlage eine Vorwärtsstrategie. Die Herren, die bei der BAG verantwortlich sind, bleiben im Schatten. Vorgeschickt wird er kommunikative Hüppi. Geredet wird nur von den Sicherheitskosten. Die Botschaft ist: Schuld sind die anderen.
Verantwortung übernimmt niemand, die Fehler soll einmal mehr die öffentliche Hand ausbügeln.
Was hat das alles mit dem Choreo-Verbot zu tun?
Nichts und alles.
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