An der Resedastrasse 1 – blumige Adresse, wie hier oben in St.Gallens Nobelviertel üblich – wird gehämmert, ausgemessen, gewerkt (im Bild der Künstler Thomas Stüssi). Auf dem Blog lassen sich die Arbeiten mitverfolgen. Am 12. Juni geht der «geile Block» auf, für drei Wochenende, bis Ende Juni.
Ein Glücksfall, sagt Leila Bock, die St.Galler Künstlerin mit dem in Wirklichkeit etwas anderen Namen. Sie hatte schon länger nach einem leerstehenden Lokal für eine vorübergehende Ausstellung gesucht, hatte vergeblich bei der Migros angeklopft für das Uniongebäude oder einen Raum im Neumarkt. Über eine Bekannte wurde sie auf das leerstehende Wohnhaus aufmerksam, sie ging hin und war hin und weg: So ein geiler Block…!
Familientraum mit 7-Zimmer-Wohnungen
1969 erstellt, ein zeittypisch sachlicher Betonbau mit untypischem Innerem: Leila Bock schwärmt von den 7-Zimmer-Wohnungen, absolute Rarität in St.Gallen, mit grosszügigen Grundrissen samt Cheminée im Wohnzimmer. Undichte Stellen im Dach haben dem Haus allerdings zugesetzt, es gibt Schimmel und Wasserschäden, vor sieben Jahren wurde allen Mietern gekündigt, Neubaupläne verzögerten sich – Ende Jahr aber soll der Block definitiv abgerissen werden. Doch vorher zieht die Kunst ein. Die heutigen Besitzer seien ihr gegenüber sehr grosszügig gewesen, sagt Leila Bock. Zum Dank prangt jetzt an einem der Balkone die Aufschrift: «Schöne Aussicht».
«Er thront über der Uni SG und ist durch seine Klotzigkeit absolut attraktiv»: Mit diesem Werbeslogan hat sich Leila Bock in einem Brief an ihr bekannte Kunstschaffende gewendet und sie eingeladen, für eines der vielen Zimmer eine möglichst neue Arbeit zu schaffen. 33 Namen sind es insgesamt geworden, «mein Netzwerk, Leute, die ich mag», sagt Leila. Die Liste liest sich wie ein Who is who der hiesigen Kunstszene, samt Zuzügerinnen aus Zürich, Berlin und anderswo.
In alphabetischer Reihenfolge sind dabei und bespielen je einen Raum in den 7- und 2-Zimmer-Wohnungen, die für das Kunstprojekt zur Verfügung stehen: Agatha Zobrist, Alex Hanimann, Andrea Vogel, Anita Zimmermann, Beatrice Dörig, Birgit Widmer, Chantal Hoefs, Christl Mudrak, Elisabeth Nembrini, Elke Graalfs, Frank Keller, Fridolin Schoch, Georgette Maag, Germann/Lorenzi, Josef Felix Müller, Karin Karinna Bühler, Katalin Deer, Marianne Rinderknecht, Marlies Pekarek, Peter Dew, Roland Iselin, Rolf Graf, Sandra Kühne, Silke Toss, Stefan Inauen, Stefan Rohner, Susanne Hofer, Sven Bösiger, Teresa Peverelli, Thomas Stüssi, Vera Ida Müller, Werner Widmer, Zeljka Marusic.
Ersatz für fehlende Jahresausstellung
«Das ist so wichtig wie die Biennale», lacht Leila. «Jeder Künstler hat seinen eigenen ‚Länderpavillon’.» Und dann wird sie grundsätzlich: «Der geile Block, das ist die Jahresausstellung, die wir seit zwanzig Jahren fordern.» Am Heimspiel, dem alle drei Jahre stattfindenden jurierten Grossanlass der Ostschweizer Kunst von AI, AR, SG, TG bis FL, kämen nur die wenigsten St.Galler Kunstschaffenden in die Endausscheidung.
Hier nun, im «geilen Block», sollen sie ihren Platz haben – und Leila Bock, die Kuratorin (im Bild auf einem der Balkone, Foto: Katalin Déer) sagt mit einem weiteren Lachen: Sie merke dabei einmal mehr, was für ein «schönes Aufgäblein» das Kuratieren und Vermitteln sei. Kein Wunder, aber trotzdem ein Jammer sei es deshalb, dass im Kunstbetrieb zunehmend die Kulturvermittlerinnen und -manager eine zentrale Rolle spielten – und nicht mehr die Kunst selber.
Am 12. Juni geht es los im geilen Block. Die Kunst soll im Zentrum stehen, Geld gibt es keines für die Mitwirkenden, das Ganze ist ein Nonprofit-Projekt. Dafür findet es möglicherweise eine Fortsetzung in Berlin, wo Leila ab August mit einem Atelierstipendium der Stadt arbeitet. Einen so geilen Block wie in St.Gallen wird sie allerdings dort kaum finden.
Geiler Block: Vernissage Freitag 12. Juni 18 Uhr, Ausstellung: 12.-14. Juni, 19.-21. Juni, 26.-28. Juni, Fr und Sa 18-24 Uhr, So 10-18 Uhr, alle Daten hier.
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