Kategorie
Autor:innen
Jahr

Im Block zieht die Kunst ein

Es ist wirklich ein «geiler Block», wenn auch marode: das Beton-Mehrfamilienhaus auf dem Rosenberg, nahe bei der Endstation Rotmonten. Jetzt wird es vor dem Abbruch zum Kunst-Block.
Von  Peter Surber , 

block6 An der Resedastrasse 1 – blumige Adresse, wie hier oben in St.Gallens Nobelviertel üblich – wird gehämmert, ausgemessen, gewerkt (im Bild der Künstler Thomas Stüssi). Auf dem Blog lassen sich die Arbeiten mitverfolgen. Am 12. Juni geht der «geile Block» auf, für drei Wochenende, bis Ende Juni.

Ein Glücksfall, sagt Leila Bock, die St.Galler Künstlerin mit dem in Wirklichkeit etwas anderen Namen. Sie hatte schon länger nach einem leerstehenden Lokal für eine vorübergehende Ausstellung gesucht, hatte vergeblich bei der Migros angeklopft für das Uniongebäude oder einen Raum im Neumarkt. Über eine Bekannte wurde sie auf das leerstehende Wohnhaus aufmerksam, sie ging hin und war hin und weg: So ein geiler Block…!

block3Familientraum mit 7-Zimmer-Wohnungen

1969 erstellt, ein zeittypisch sachlicher Betonbau mit untypischem Innerem: Leila Bock schwärmt von den 7-Zimmer-Wohnungen, absolute Rarität in St.Gallen, mit grosszügigen Grundrissen samt Cheminée im Wohnzimmer. Undichte Stellen im Dach haben dem Haus allerdings zugesetzt, es gibt Schimmel und Wasserschäden, vor sieben Jahren wurde allen Mietern gekündigt, Neubaupläne verzögerten sich – Ende Jahr aber soll der Block definitiv abgerissen werden. Doch vorher zieht die Kunst ein. Die heutigen Besitzer seien ihr gegenüber sehr grosszügig gewesen, sagt Leila Bock. Zum Dank prangt jetzt an einem der Balkone die Aufschrift: «Schöne Aussicht».

«Er thront über der Uni SG und ist durch seine Klotzigkeit absolut attraktiv»: Mit diesem Werbeslogan hat sich Leila Bock in einem Brief an ihr bekannte Kunstschaffende gewendet und sie eingeladen, für eines der vielen Zimmer eine möglichst neue Arbeit zu schaffen. 33 Namen sind es insgesamt geworden, «mein Netzwerk, Leute, die ich mag», sagt Leila. Die Liste liest sich wie ein Who is who der hiesigen Kunstszene, samt Zuzügerinnen aus Zürich, Berlin und anderswo.

In alphabetischer Reihenfolge sind dabei und bespielen je einen Raum in den 7- und 2-Zimmer-Wohnungen, die für das Kunstprojekt zur Verfügung stehen: Agatha Zobrist, Alex Hanimann, Andrea Vogel, Anita Zimmermann, Beatrice Dörig, Birgit Widmer, Chantal Hoefs, Christl Mudrak, Elisabeth Nembrini, Elke Graalfs, Frank Keller, Fridolin Schoch, Georgette Maag, Germann/Lorenzi, Josef Felix Müller, Karin Karinna Bühler, Katalin Deer, Marianne Rinderknecht, Marlies Pekarek, Peter Dew, Roland Iselin, Rolf Graf, Sandra Kühne, Silke Toss, Stefan Inauen, Stefan Rohner, Susanne Hofer, Sven Bösiger, Teresa Peverelli, Thomas Stüssi, Vera Ida Müller, Werner Widmer, Zeljka Marusic.

block2Ersatz für fehlende Jahresausstellung

«Das ist so wichtig wie die Biennale», lacht Leila. «Jeder Künstler hat seinen eigenen ‚Länderpavillon’.» Und dann wird sie grundsätzlich: «Der geile Block, das ist die Jahresausstellung, die wir seit zwanzig Jahren fordern.» Am Heimspiel, dem alle drei Jahre stattfindenden jurierten Grossanlass der Ostschweizer Kunst von AI, AR, SG, TG bis FL, kämen nur die wenigsten St.Galler Kunstschaffenden in die Endausscheidung.

Hier nun, im «geilen Block», sollen sie ihren Platz haben – und Leila Bock, die Kuratorin (im Bild auf einem der Balkone, Foto: Katalin Déer) sagt mit einem weiteren Lachen: Sie merke dabei einmal mehr, was für ein «schönes Aufgäblein» das Kuratieren und Vermitteln sei. Kein Wunder, aber trotzdem ein Jammer sei es deshalb, dass im Kunstbetrieb zunehmend die Kulturvermittlerinnen und -manager eine zentrale Rolle spielten – und nicht mehr die Kunst selber.

block1Am 12. Juni geht es los im geilen Block. Die Kunst soll im Zentrum stehen, Geld gibt es keines für die Mitwirkenden, das Ganze ist ein Nonprofit-Projekt. Dafür findet es möglicherweise eine Fortsetzung in Berlin, wo Leila ab August mit einem Atelierstipendium der Stadt arbeitet. Einen so geilen Block wie in St.Gallen wird sie allerdings dort kaum finden.

Geiler Block: Vernissage Freitag 12. Juni 18 Uhr, Ausstellung: 12.-14. Juni, 19.-21. Juni, 26.-28. Juni, Fr und Sa 18-24 Uhr, So 10-18 Uhr, alle Daten hier.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz