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Lampedusa: Forderungen und die Faust im Sack

Die Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa bewegt auch in der Schweiz - rund 400 Personen demonstrierten in Zürich. Matthias Fässler fasst die Forderungen zusammen, Eren Baglar fotografierte.

Von  Matthias Fässler , 

Gabriele del Grande, italienischer Blogger (fortress europe) und Aktivist, schrieb vor einiger Zeit, dass wir unseren Enkeln nicht werden erzählen können, dass wir von der Flüchtlingstragödie, die sich tagtäglich im Mittelmeer abspielt, nichts gewusst hätten. Seine Aussage hat nach dem Tod von mehr als 311 Personen vor den Küsten von Lampedusa vor zwei Wochen erneut an Aktualität und Sprengkraft dazugewonnen.

Für den 19. Oktober hatten in Zürich Asylorganisationen und Parteien unter dem Titel «Lampedusa – unser internationaler Kampf» zur Kundgebung aufgerufen und wollten so ein Zeichen setzen. Dabei spielte Lampedusa nicht nur als realer Schicksals-Ort vieler Migrantinnen und Migranten eine wichtige Rolle, sondern auch als symbolischer Platzhalter für die europäische Migrationspolitik.

Das Mittelmeer ist hier
Dass in der Schweiz von bürgerlicher Seite stets versucht wird, Distanz zur Flüchtlingspolitik rund ums Mittelmeer herzustellen, und man sich vor der eigenen Verantwortung drückt, hat Tradition. Dabei brandet auch in Zürich und in Andwil – metaphorisch gesprochen – das Mittelmeer an unsere Türen. Es geht um uns, weil wir uns auf politischer Ebene, unter anderem mit dem Dublin-Abkommen aus unserer Verantwortung stehlen. Es geht um uns, weil wir den Geschehnissen im Mittelmeer seit Jahrzehnten mit einer erschreckenden Teilnahmslosigkeit gegenüberstehen. Und es geht schliesslich auch um uns, weil der Umgang einer Gesellschaft mit Minderheiten und sozial Schwächeren sehr viel über ihr Verständnis von Demokratie, Mitbestimmung und Solidarität aussagt.

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Die Demo stand denn auch im Zeichen der internationalen Solidarität. 400 Leute hatten sich um 19 Uhr am Helvetiaplatz in Zürich zusammengefunden und gedachten zuerst still mit Kerzen der Verstorbenen in Lampedusa. Doch die Stille war trügerisch – Wut und Unverständnis waren zu spüren. Die Demo wurde darum im Verlauf des Abends und auf dem Umzug durch die Strassen Zürichs auch zunehmend lauter und energischer. Die Forderungen nach Bleiberecht für alle und der Regularisierung von Sans-Papiers vermischten sich dabei mit der Kritik an einem Kapitalismus, der Migrantinnen und Migranten zum Spielball von ökonomischen Interessen degradiert.

Forderungen und Haltungen
Der Tenor des Protests: Die Geschehnisse im Mittelmeer sind keine Unglücke. Es hat nichts mit Pech zu tun, wenn dort Menschen ums Leben kommen. Es war voraussehbar und wir hätten es verhindern können. Keine Machtlosigkeit, keine metaphysischen Einflüsse. Realpolitik, Punkt.

So diffus und vielfältig die verschiedenen Stimmen an der Kundgebung waren, so explizit waren die Forderungen – neben der allgemeinen Forderung nach einem humanitären und fairen Umgang mit Flüchtlingen:

1) Botschaftsasyl wieder einführen

2) Nothilfe-Regime abschaffen

3) Dublin-Vertrag überwinden

4) Fremdenfeindliche Initiativen verbieten

Doch neben den politischen Veränderungen muss auch ein grundlegender Mentalitätswandel stattfinden. Es sind nicht nur die physischen Mauern, die um Europa errichtet werden, sondern es muss auch eine Auseinandersetzung mit unseren «inneren» Mauern stattfinden. Noch immer prägt ein europäisches Gefühl der rationalen und moralischen Überlegenheit gegenüber «dem Süden» das Denken breiter Bevölkerungsschichten. Noch immer werden Migrantinnen und Migranten als unmündige Opfer stigmatisiert.

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Dabei wäre ein Blick über den Tellerrand hin zu einem offenen und interkulturellen Umgang mit Migration endlich angebracht. Ein Blick, der die Migrantinnen und Migranten als Menschen mit Wünschen, Hoffnungen und Plänen ins Zentrum stellt.

Die Kundgebung endete, wie sie begonnen hatte: in andächtiger Ruhe und mit der Faust im Sack. Der Abend hat Hoffnung gemacht, ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit und für eine fortschrittliche Migrationspolitik gesetzt. Aber er hat auch erneut vor Augen geführt, dass wir nicht nur für das verantwortlich sind, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen. Und momentan tun wir wenig und nehmen vieles hin.

Matthias Fässler war Mitglied des Ostschweizer Komitees gegen die Asylgesetzverschärfung und Mitorganisator von «Nachtasyl».

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
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Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

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Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

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Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

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Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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