Joachim Bitter, sind die Autoren-Namen am Wortlaut-Festival Ihre persönliche Wahl?
Wir haben natürlich über die Namen gesprochen. Jens Steiner zum Beispiel wurde von Richi Küttel vorgeschlagen – dass er danach mit «Carambole» gleich den Schweizer Buchpreis gewinnen würde, war ein Glück. Oder Marion Poschmann: Auch sie hatten wir schon im Juni engagiert, bevor sie es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat und schliesslich den Wilhelm-Raabe-Preis gewonnen hat.
Sind Ihnen solche Preise wichtig?
Es ist schon wichtig, Autorinnen und Autoren mit Renommee am Festival zu haben, weil das Programm insgesamt sehr gemischt ist, mit Spoken Word, Slam und Comics. Deshalb die Programmschiene mit dem Titel «Luise»: Sie bietet klassische Autorenlesungen, Literaturpreisträger und Entdeckungen. Zu den letzteren zählt etwa Bettina Spoerri mit ihrem Erstling «Konzert für die Unerschrockenen». Sie ist als Journalistin und Organisatorin eine bekannte Figur. «Wortlaut» braucht solche Persönlichkeiten.
Jagoda Marinić
Wie international will «Wortlaut» sein?
Schwerpunkt ist die Schweiz, daneben die deutschsprachige Literatur. Wir sind nicht die LitCologne, die einfach so noch drei Amerikaner einladen kann. Dazu fehlen uns die Mittel, Berlin oder Wien sind das Maximum. Aber es gibt auch so viele Autorinnen und Autoren zu entdecken. Markus Ohrts etwa mit seinen virtuosen Storys liest zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz. Oder Jagoda Marinić, die kroatisch-deutsche Autorin von «Hotel Dalmatia».
Keine Qual der Wahl bei den vielen guten neuen Büchern?
Doch – am Ende versuche ich das Programm so zu bündeln, dass es «funktioniert». Das heisst vor allem: Wir suchen Texte, die sich für eine Präsentation in einer Dreiviertelstunde eignen. Zoë Jenny zum Beispiel schreibt kurze flirrende Texte, Christoph Keller hat mit «Übers Meer» einen sehr politischen Roman geschrieben, oder Silke Scheuermann: Das ist eine reine Lyriklesung. Hinzu kommt ein weiteres Kriterium: Die Autorinnen und Autoren müssen bühnentauglich sein.
Was heisst das?
Wer ungern öffentlich auftritt, ist für einen solchen Anlass nicht geeignet. Früher hätte man vielleicht gesagt: Das ist alles bloss Show, wichtig sind die Texte. Heute sehen das auch die Verlage anders. Die Bereiche Marketing und Lektorat sind in Verlagen heute fast gleich wichtig. Autoren müssen das ganze Jahr über im Gespräch bleiben.
Lukas Bärfuss
Finden Sie diese Entwicklung gut?
Literarische Seite und Verkaufsseite: Das wird ein Dauerkonflikt bleiben. Aber es wäre aus meiner Sicht falsch, Marketing bloss zu verteufeln. Die beiden Pole müssen ausbalanciert werden – das gilt nicht nur für Verlage, sondern auch für ein Festival wie «Wortlaut». Es gibt im Programm Lautes und Leises – natürlich profitieren auch wir vom Medienecho und von der Prominenz von Autoren wie Lukas Bärfuss oder Alex Capus.
Ostschweizer Stimmen finden sich, abgesehen von Dorothee Elmiger, nicht im Hauptprogramm, sondern «nur» in der Kurzlesereihe «Open Mic». Warum?
«Wortlaut» kann nur Bücher präsentieren, die aktuell auf dem Markt sind. Am liebsten hätten wir natürlich zwei, drei Elmiger im Programm – aber ausser ihr hat sich aus der Ostschweiz niemand angeboten.
Es gäbe schon hiesige Autorinnen mit aktuellen Büchern: Andrea Gerster, Lisa Elsässer, Helen Meier, Erica Engeler…
Das war zum Teil im Zeitpunkt des Programmierens noch nicht bekannt. Wir wollen auf jeden Fall auch die einheimische Literatur pflegen. Das Literaturnetz Ostschweiz der Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur (GdSL) ist dafür eine gute Plattform, ebenso das «Open Mic» am «Wortlaut»-Samstag in der «Stickerei» – ich finde das einen sehr attraktiven Ort. Aber wir können nicht Autorinnen oder Autoren lesen lassen, nur weil sie aus der Ostschweiz kommen – sondern sie müssen etwas Aktuelles zu bieten haben.
Joachim Bitter
Was sind Ihre Favoriten im Programm?
Marion Poschmann oder Silke Scheuermann, Bärfuss oder Capus: Was ich hier in Händen habe, ist literarische Topqualität, die man auch in Leipzig oder an anderen grossen Festivals hören kann. In den fünf Jahren zuvor hat «Wortlaut» sicher zum Teil auch Superveranstaltungen geboten, daneben aber auch allerhand Beliebigkeit. Das wäre auf Dauer nicht tragfähig gewesen. Der Neuanfang mit einem kuratierten Programm war für uns alle ein Abenteuer – ich bin zuversichtlich, dass der Weg richtig ist.
28. bis 30. März, diverse Orte in St.Gallen
wortlautsg.ch
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.