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Literarischer Blick auf die Freimaurerei

Doppeladler, Malzerschaufeln und der älteste Schädel der Menschheit: Gion Mathias Caveltys Legende Innozenz und der jüngst erschienene Roman Lucifer.
Von  Florian Vetsch , 
«Ein rätselhafter Autor, der die Schweizer Literatur auf den Kopf stellt», sagt der SRF-Literaturclub. (Bild: pd)

Der Schriftsteller Gion Mathias Cavelty (*1974 in Chur, lebt in Zürich) macht aus seiner Mitgliedschaft bei den Freimaurern kein Geheimnis. Er erlangte die drei Grade der blauen Johannismaurerei – Lehrling, Geselle und Meister – und trat dann in das Hochgradsystem des AASR ein, des Alten Angenommenen Schottischen Ritus. In demselben wurde er zum Ritter vom Osten und Westen (17°), zum Ritter vom Rosenkreuz (18°) sowie zum Ritter Kadosch (30°) geschlagen und schliesslich zum Meister des Königlichen Geheimnisses (32°) berufen. Der 32. Grad bildet den Schlussstein des Lehrgebäudes vom AASR.

Freimaurer arbeiten mit Symbolen, jeder Grad hat seine eigenen. Diese Symbole werden seit der Aufklärung, jener Epoche, in der die moderne Freimaurerei 1717 in London gegründet wurde, verwendet. Sie reichen aber bis in die mittelalterlichen Zünfte der Steinmetze zurück, greifen auch Elemente aus der Alchemie, der Kabbala, der Gnosis sowie den Erzählungen um die Tempelritter auf. Es sind dies Symbole wie Zirkel und Winkelmass, Meissel und Fäustling, die Wasserwaage, das Senkblei, Sonne und Mond, die Rose, der Pelikan, der Doppeladler oder das verlorene Wort…

Gion Mathias Cavelty im Freimaurerornat. (Bild: pd)

Diese und viele weitere Symbole kommen in den Freimaurerlogen in Initiationsritualen zum Zug, welche, wie Jan Assmann in seiner Studie «Religio duplex – Ägyptische Mysterien und europäische Aufklärung» nachgewiesen hat, Momente aus den mithräischen, griechischen und altägyptischen Mysterien wachhalten.

Auf den Spuren des Inquisitors

Ein Tummelfeld und eine Spielwiese muss dieses masonische Paralleluniversum einem gewieften Autor wie Gion Mathias Cavelty bieten, der seine ironische Kraft und ungezügelte Fabulierlust bereits mit dem augenzwinkernden Ratgeber Endlich Nichtleser (2020) oder dem verblüffenden Roman Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete (2017) unter Beweis gestellt hat. Caveltys Diptychon Innozenz (2020) und Lucifer (2022) ergänzen sich wie die weissen und schwarzen Quadrate auf einem musivischen Pflaster.

Die Legende Innozenz beginnt mit dem weissesten Weiss, das man sich vorstellen kann, mit einem unbeschriebenen «Buch, in dem NICHTS steht», mit der reinen Unschuld, der totalen Unbeflecktheit, und endet mit 22 schwarzen Seiten, auf denen «ALLES steht. Also alle Lügen. So deutlich, dass auch der Blinde sie lesen kann.»

 

In der Tat hat Cavelty diese Legende aus der Perspektive eines Buches geschrieben, das den Odilianer Innozenz begleitet, einen Inquisitor und Anbeter der Heiligen Odilie (660–720; ein Wunder soll der Blindgeborenen das Augenlicht geschenkt haben), und zwar auf seiner vom Papst angeregten Quest nach Adams Schädel, dem ältesten Schädel der Menschheit.

Don Promillo und der goldene Ritter

Der Weg des Antihelden Nogg aus Lucifer hingegen beginnt am «11. November 1111» (Zahlenmystik!) im düsteren Chur, wo er, einem Nöck gleich, im Wasser vom Martinsbrunnen geboren wird. Der rüde Besitzer der Calanda-Brauerei, der «Piarkönig (Bierkönig) Don Promillo», fischt das Knäblein aus dem Wasser und beschliesst, es nicht zu verzehren (!), sondern «als künftige Gratis-Arbeitskraft» seinem Betrieb einzuverleiben. Dort wird Nogg, herangewachsen, von den anderen Lehrlingen fürchterlich geplagt:

Das begann schon um 6 Uhr in der Früh, indem sie ihn zum Zmorga (Frühstück) mit literweise Bier abfüllten; dann prügelten sie ihn mit Maischkrücken und Malzerschaufeln windelweich und walzten ihn mit Fässern platt (…). Auch in der Nacht gönnten sie ihrem Opfer keine Ruhe und spritzten es auf seiner Pritsche im Massenschlag regelmässig mit Bierschaum voll. / Was sollte Nogg anderes machen, als sich zu sagen: «Da muss es noch etwas Grösseres geben!»

Gion Mathias Cavelty: Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete – Ein höchst fiktiver Roman. Lectorbooks. Zürich 2017

Gion Mathias Cavelty: Endlich Nichtleser. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000

Gion Mathias Cavelty: Innozenz – Legende. Lectorbooks, Zürich 2020

Gion Mathias Cavelty: Lucifer – Roman. Lectorbooks, Zürich 2022

Ja – da muss es doch noch etwas Besseres geben, freilich! So macht sich Nogg, inspiriert von der Erscheinung eines «goldenen Ritters», auf nach Jerusalem. Dort tritt er dem Orden der Tempelritter als «Lichtputzer» bei. Seine Aufgabe ist es, die Lichter im Tempel zu regeln. Später mutiert Nogg zum Ritter Ard de Saint Martin, der nach der verlorenen Silbe des Weltalphabets sucht, ohne die «das Himmlische Jerusalem nicht entstehen kann». Er endet, nach der Überwindung der digitalen Welt von «Cyber-Jerusalem», im blendenden Licht eines allverzehrenden Feuers: «Und jetzt: Brenne, unerschrockener Tempelritter! (…) / Denn das ist dein Name: ARDEBO! / Das bedeutet: ICH WERDE BRENNEN.»

Gion Mathias Caveltys Roman Lucifer durchmisst Zeiten und Räume, lagert sie oft im selben Satz übereinander, sprachschöpferisch und äusserst fantasiereich. Die sich überstürzende Handlung wird in kurzen süffigen Kapiteln voller Aberwitz erzählt. «Lucifer» ist eine Art Monti-Python-Persiflage auf das freimaurerische Hochgradsystem des AASR und zugleich der Ausdruck einer genauen Kenntnis desselben – und seiner Mitglieder. Auf letztere wird ein liebevoller, aber durchaus nicht unkritischer Blick geworfen. Eine unterhaltsame und zugleich lohnende Lektüre!

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Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Senf

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In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

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Stimmrecht

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Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover