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Mobil für die Stauerei

Charles Pfahlbauer jr. über die Staustadt St.Gallen und die Gehilfinnen, mit denen er sein Braunauge bezirzt: Arnika Angehrn, Bronchita Brülisauer und Herpes Hüttenmoser.
Von  Charles Pfahlbauer jr.

Januarloch, Januarröhre, Januarsack. Alle Glieder dieser Stadt eingeschlafen, und dann plötzlich diese Zuckung: Nein zur Saustadt! Tatsächlich hatte ich die Plakate bei erster Sichtung in der Bahnhofunterführung ohne «t» gelesen, und das war wohlgemerkt Stunden vor dem Zürigschnetzlets und dem Halben Roten plus Grappa und Bieren in der prima Falballabeiz hinter den Geleisen.

Einen Moment lang dachte ich an eine zwangsbeglückende Fusion mit der benachbarten Appenzeller Halbstadt Herisau, um Himmels willen, da muss wirklich ein Nein sein, kein Schritt hin zu dieser Saustadt, die nie eine sein wollte und wo doch dieses Merzmännchen haust. Die einzige Herisauerin, die ich kenne und schätze, wohnt schon lange nicht mehr dort. Aber eben, falscher Alarm, die Appensaustadt wieder vergessen, es geht da um unsere Gallensaustadt, nicht um ihre Olmasäuli und nicht um eine Kampagne ihres superoriginellen Entsorgungsamtes, sondern um ihre Sauerei mit t, also Stauerei, Stäuli, Stau.

Januarstau? Kein Problem, bitte, könnt ihr haben, mach ich jederzeit noch so gern mit. Habe mir ja eine neue Altkiste zugetan, nachdem mein Opa Astra erst 17-jährig quickfidel hingerichtet wurde, wegen dem bisschen Rost, unerbittlicher Schweizer Standard, hält die Autowirtschaft in Gang.

Schwamm drüber, ich holte beim Albaner einen Franzosen, vom Typ Renault Mégane, ein anthrazittriges Bekenntnis zum angeschlagenen Trikolornachbarland. War keine grosse Sache, obwohl ich anfänglich in der Garage noch etwas maulte, von wegen Scheissmoderne und zu viel Elektronik und ich will einen richtigen Schlüssel und Scheiben zum Selberkurbeln. Aber mein Berater Oskar schüttelte nur den Kopf: Dann musst du einen Oldtimer suchen, aber solo, gell. Jetzt habe ich einen 2009er mit Chipkarte und Klimaanlage und sehr viel Elektronik, der fast alles von allein macht, wahrscheinlich hat er sogar einen Tempomat.

Egal, bin also wieder mobil und mit Motorherz dabei, wenn es überfallsartig rammbockend aus allen Quersträsschen gegen die einfallenden AR-Horden beispielsweise auf der Teufenerstrasse geht, die den Anschluss in der Stadt suchen. Ein fettes Nein zur Staustadt ist mir wahrlich ein dringliches Einwohneranliegen, als einer, der zweimal in der Woche ausfährt, am liebsten gen Grossen Pfahlbauersee. Nein zur barrierenfreien Fahrt der Agglomerianer, fröhliches Ja zum Januar- und Jedenmonatstau, wenn unser aller Standortförderer-Chinese Scheit Lin nicht endlich unserer uralten Forderung nach einer happigen Innenstadtmaut nachkommt. Ernsthaft jetzt.

Dachte ich so, doch dann kam der grosse Schnee, nichts mehr mit Franzosenfahren und Stauteilnahme. Und mit dem Schnee kam eine fürchterliche Bronchitis und bald ging gar nichts mehr; ach der Charlie und seine Krankenschleimspuren, hör mir auf. Ich atmete schwer und schleppte mich vom Bett zum Sofa und zurück; ein altertümelnd taumelnder Bronchosaurus, mit eingesackter Lunge und klopfender Stirn; ich war so hundeaffenmüde, dass ich nicht mal lesen konnte.

Alles was ich noch tat, war Suppen kochen und The Wire schauen, endlich mal alle fünf Staffeln an einem Stück, ein atemloses Underdogleben in Baltimore, was als wochenlanges Ritual unter ständigem Zufluss von heavy Bronchialsirup zu psychedelischen Vorstellungen führte, nämlich dass ich zeitweise meinte, wahlweise als McNulty, Lester Freamon, The Bunk oder Proposition Joe herumzustolpern, nur leider nie als Omar oder einer der bösen Griechen.

Was ich auch noch tat, war blödsinnig auf der Schneewehe vor dem Stubenfenster mit meinen Echsen und Sauriern zu spielen, eisige Konferenz der Tiere mit Fachthema bronchitische Pfiffkonversation. Braunauge besuchte mich und fands weniger lustig. Immerhin grinste sie gnädig, als ich sie mit medikamentösen Frauennamen umgarnte: Arnika Angehrn, Kamilla Keller, Eukalypta Eugster, was hättest du denn gern. Wir erfanden immer mehr, auch von der härteren Sorte: Asthma Angst, Angina Allenspach, Bronchita Brülisauer. Oder: Rheuma Deubelbeiss. Und Herpes Hüttenmoser. Kurz bevor wir komplett verblödeten, war dann die Bronchitis doch endlich vorbei.

Jetzt bin ich wieder mobil und zu allen Stauschandtaten bereit. Wie ein junger Flugsaurier! Aber einen weiteren dringenden Wunsch an Scheit Lins Gallenleitungsteam hätt ich diesen kurzen Winter noch: Reisst endlich diese blöde Villa Wiesental ab! Und pflanzt dort ein echtes Stück nostalgische Sozialromantik: einen Nachbau jener Jugendstilhäuser, die ihr so schmählich auf Kosten der Leopardbüroknastbauten geopfert habt. Meinetwegen von der Generalrundumbaufirma Harrass. Wenn die das hinkriegen. Wir sehen uns im Februarstau, hinterm französischen Steuerrad.

Charles Pfahlbauer jr.

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
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Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
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Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

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03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

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Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von Peter Surber,
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von Vera Zatti,
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von Judith Schuck,
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek