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Narben und Quoten

Das prächtige Rorschacher «Heft» porträtiert starke Frauen aus der Region Rorschach. Zum Jubiläum 50 Jahre Frauenstimmrecht gibt es auch sonst Lesenswertes. Ein Blick in neue Publikationen.
Von  Peter Surber
Die Strassenaktion vom Juni 2019 in Rorschach. (Bild: Anita Mattes)

In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 2019 verändert sich das Strassenbild von Rorschach: Die roten Strassenschilder tragen statt männlichen plötzlich weibliche Namen. «Iris von Roten» ist eine der Gassen beschriftet, sie und andere Frauen bekommen vorübergehend einen Ehrenplatz im Stadtbild.

Die Aktion bleibt symbolisch – dabei gäbe es tatsächlich zahlreiche Kandidatinnen für ein Strassenschild. Den Beweis liefert das neue, vom Kulturhistorischen Verein herausgegebene Rorschacher Heft No 6. Es ist aus aktuellem Anlass den «starken Frauen» der Stadt gewidmet.

Prominente und «namenlose» Frauen

Zum Beispiel Hedwig Stolz, 1972 zur ersten Stadträtin und überhaupt ersten Frau in einem Exekutivamt im Kanton gewählt. Oder Flüchtlingshelferin Gertrud Küng. Krankenschwester Olga Wieber, die in Lambarene beim «Urwalddoktor» Albert Schweitzer die Fäden in der Hand hatte. Juristin Hannelore Fuchs, Kämpferin gegen sture Innerrhoder Männer und für die Rechte von Geflüchteten. Oder Margrith Bigler-Eggenberger, erste Schweizer Bundesrichterin, deren Bedeutung mit jener der US-Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg zu vergleichen sei, wie Marcel Elsener in seinem Porträt der «Bundesrichterin aus der Blockwohnung» schreibt. Ihrer Wahl 1974 musste gemäss damals geltendem Familienrecht offiziell noch ihr Mann zustimmen, und im Vorfeld titelte die «Ostschweiz», weil sich Bigler-Eggenberger für den straffreien Schwangerschaftsabbruch einsetzte: «Eine Mörderin ins Bundesgericht». Lange her? Gerade einmal knapp fünfzig Jahre.

Margrith Bigler-Eggenberger. (Bild: Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz AFGO.060)

Nicht zu kurz kommt im Heft auch die Kultur. Tanzlehrerin Wanda Bentele, Uferlos-Gründerin Esther Widmer, Tänzerin Nicole Meier, Sängerin Elsa Cavelti oder Lyrikerin Elisabeth Heck werden in Porträts gewürdigt. Das Heft, bilderreich wie stets, erinnert aber auch an wenig bekannte oder «namenlose» Frauen, an die Wäscherinnen auf dem Kurplatz, an die Klosterfrauen, die am Spital Rorschach oder im Stella Maris wirkten, an die Arbeiterinnen in der Feldmühle, der Roco oder der Alcan.

Wäscherinnen auf dem Kurplatz am See in Rorschach.

Von «Narben» könnten wohl die meisten dieser Frauen erzählen – Narben ist der Titel der 1989 erschienenen Autobiographie von Frieda Köchli, deren hartes Schicksal Richard Lehner nacherzählt.

Frieda Köchli 1989, anlässlich der Veröffentlichung ihres Buchs Narben. (Bild: Familienarchiv)

 

Diese starken Frauen. Heft No 6, November 2020, hrsg. vom Kulturhistorischen Verein Region Rorschach. rorschachergeschichten.ch

 

In der Küche brodelt es nach wie vor

Der Buchtitel tönt harmlos: Gruss aus der Küche. Aber die darin  versammelten Texte haben zum Teil scharf geschliffene Kanten und Ecken. Zum Beispiel Stefanie Grobs Litanei aller Länder von Äquatorialguinea bis Singapur, die es «vor üs gha hei»: das Frauenstimmrecht. Oder Irena Breznas sarkastischer «Gruss in die Küche», der den Spiess umkehrt und das Männerstimmrecht verweigert.

Weiter im Buch finden sich Texte zur nicht bezahlten Care-Arbeit, zu den Pionierinnen von damals und den Baustellen von heute, Thesen gegen die weiterhin dominierende Optik, «den Menschen als weissen heterosexuellen Mann zu denken», oder ein schlagend argumentiertes Plädoyer von Fabienne Amlinger für Frauenquoten in der Politik und gegen die «Männerquote, die schon seit einigen Jahrhunderten existiert und gar nicht als solche wahrgenommen wird».

Die Journalistinnen Rita Jost und Heidi Kronenberg haben die Texte zum Frauenstimmrecht gesammelt und herausgegeben, Nora Ryser hat sie illustriert. «In der Küche brodelt es nach wie vor», steht in der Einleitung.

 

Rita Jost/Heidi Kronenberg: Gruss aus der Küche, Texte zum Frauenstimmrecht, Rotpunktverlag Zürich 2020, Fr. 26.-

 

Die «junge Demokratie»

Etwas weniger brodelnd geht es im andern Sammelband zum Jubiläum zu und her. Die Herausgeberinnen Isabel Rohner und Irène Schäppi versammeln in 50 Jahre Frauenstimmrecht Stimmen von «bekannten und einflussreichen Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit». Ehemalige und amtierende Bundesrätinnen sind darunter, Elisabeth Kopp und Viola Amherd, die frühere Bundesrichterin Margrith Bigler-Eggenberger, Filmemacherin Petra Volpe, Unternehmerin Bea Knecht, Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi, Fernsehfrau Katja Stauber, Politologin Regula Stämpfli und viele mehr.

Man erfährt vieles über den langen Weg zum Frauenstimmrecht, auch in der Westschweiz, und über die heutigen Errungenschaften und Defizite der Geschlechter-Gleichstellung. Mit subtiler Ironie schreiben die Herausgeberinnen: das Buch wolle Leserinnen und Leser «für unsere junge Demokratie begeistern».

Isabel Rohner/Irène Schäppi: 50 Jahre Frauenstimmrecht. 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung, Limmat Verlag Zürich 2020, Fr. 35.90

(Bild: Richard Lehner, aus dem Rorschacher «Heft»)

Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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Das Schö­ne an der Pro­vinz

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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah