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Die Feldmühle belebt sich

Die Feldmühle Rorschach wird zur Kulturhalle – für einen guten Monat. Das Programm ist intelligent ortsbezogen. Und Co-Veranstalter Richard Lehner hofft auf Nachahmer.
Von  Peter Surber , 

«nebelfrei». So heisst das Rorschacher Kulturbüro von Richard Lehner und Maria Schnellmann. Zusammen mit weiteren Initianten haben die beiden den langen Kulturmonat ins Leben gerufen. Nebelfrei muss es dabei vom 17. August bis zum 27. September nicht zwingend sein: Der Ort des Geschehens ist überdacht, es ist die riesige Halle, die zuerst für Stickmaschinen, später als Lagerhalle und für andere industrielle Zwecke genutzt wurde.

Fabrikgeschichte im Film

Die wechselhafte Geschichte der Feldmühle kommt im Kulturprogramm ausführlich zur Geltung. Am 22. August ist der Film Das Menschlein Matthias zu sehen, nach dem Roman von Paul Ilg und mit diversen Rorschacher Schauplätzen. Noch näher an die einstige Fabrikrealität führt der Dokumentarfilm Fabrikleben von Felix Karrer heran. Der 1984 im Schweizer Fernsehen ausgestrahlte Film zeigt das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter, erinnert an die Streiks und dokumentiert, wie Richard Lehner sagt, auch die einstige «Zucht und Ordnung», die nicht nur in der Fabrik, sondern auch im Quartier geherrscht habe. Karrer, selber in Rorschach aufgewachsen, wird vor dem Film Auskunft geben, Termin ist der 13. September.

Zum dritten schliesslich ein Filmklassiker: Siamo italiani von Alexander J. Seiler wird am 30. August gezeigt, und eine weitere Reverenz an die «Gastarbeiter» von damals ist der sardische Markt vom 7. September.

Kultur in der Feldmühle, 17. August bis 27. September

nebelfrei-rorschach.ch

Dazu kommt ein vielfältiges Musikprogramm mit Sänger Silvan Kuntz solo am Eröffnungsabend, experimenteller «Musik im Industrieraum», einem Jazzabend samt Jazzfilm und Chorauftritten. Micha Stuhlmann und René Schmalz zeigen eine ortsspezifische Performance, Schriftsteller Peter Bichsel liest und spricht mit Literaturkritikerin Sieglinde Geisel, und ein Politpodium diskutiert über Wohnen und Arbeiten im Rorschach von heute. Die dreigeteilte Halle lässt flexible Nutzungen zu, auch eine Bar hat Platz.

Offen für Zwischennutzungen

Geschichte und Gegenwart soll das Veranstaltungsprogramm miteinander verknüpfen, sagt Richard Lehner. Und die Zukunft wird auch mitbedacht: «Die Zwischennutzung soll aufzeigen, was in dieser Halle möglich ist.» Zwar ist auf dem Feldmühleareal eine umfangreiche Neunutzung für Wohnen und Gewerbe geplant, der Architekturwettbewerb ist entschieden und einzelne Gebäude würden wohl im kommenden Jahr abgebrochen. Aber die Halle bleibe stehen – und von Seiten der Investoren seien Zwischennutzungen willkommen, sagt der Initiant.

Rorschach zeigt sich zumindest in Sachen Feldmühle-Belebung nicht nur nebelfrei, sondern wolkenlos.

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