Kategorie
Autor:innen
Jahr

1000m² Zukunft

Auch Rorschach entdeckt das Glück der Zwischennutzung – dank der Architektin Isa Stürm.
Von  Peter Surber , 

Es ist eine unscheinbare Ecke; wer Rorschach nicht so gut kennt, wird das Areal kaum im Kopf haben. Aber das kann sich ändern: Für rund drei Jahre ist hier ein Zwischennutzungs-Projekt geplant, «aufgegleist» würde auch gut passen, denn gleich nebenan fahren die Züge durch, das Leben hier ist vom Takt der Barriere Mariabergstrasse mitbestimmt.

«1000 m2» heisst das Projekt simpel; so viel Fläche steht in den drei etwas ineinander verschachtelten Gebäuden an der Ecke Eisenbahnstrasse und Mariabergstrasse zur Verfügung. Hinter dem Plan steht die Architektin Isa Stürm, die Zwischennutzung hat sie zusammen mit der St.Galler Agentur Alltag entwickelt, Interessenten und Ideen sind gefragt, ab Juli sind die Räume frei, und die Formel heisst so simpel wie schlagend: «Je besser die Idee, desto günstiger die Miete.»

Gute Ideen: Das könne vieles heissen, sagt Isa Stürm. Künstlerische, handwerkliche, soziale Tätigkeiten sind denkbar, die Räume in den bisher gewerblich genutzten Bauten sind vielfältig, gefragt seien «Leute, die etwas probieren wollen». Wichtig ist ihr: Was in dem Haus passiert, soll möglichst der Rorschacher Bevölkerung zugute kommen und zur Identifikation mit dem Ort beitragen.

Isa Stürm ist mit dem Ort gleich dreifach verbunden, als Grundeigentümerin, als Architektin und als hier Aufgewachsene. Im angrenzenden klassizistischen Gebäude Mariabergstrasse 19 hat sie ihre Jugend verbracht, ihr Grossvater war als Eisenhändler hierher gezogen, der Vater machte die Stürm AG zum Eisenwarenkonzern und wichtigen Arbeitgeber in der Region. Sie kenne das Quartier also «wie ihre Hosentasche». Was hier passiere, interessiere sie professionell, als Architektin, und es betreffe sie biographisch.

Was hier passiert, geht denn auch über die aktuelle Zwischennutzung weit hinaus. Die Stadt hat zusammen mit der Architektin und weiteren Beteiligten eine Stadtteil-Entwicklung in Gang gesetzt. Sie nimmt das ganze Geviert zwischen Mariabergstrasse, Eisenbahnstrasse, Kirchstrasse und Kolumbankirche ins Visier. Isa Stürm lobt den planerischen Prozess als vorbildlich und partizipativ. Es gebe ein Gesamtkonzept, Grundeigentümerinnen, Nachbarn, Planer und auch der Kanton seien eingebunden, ihre Anliegen würden gehört. «Mit der Stadt kann man planen».

Auf dem heute der Gewerbezone zugehörigen Areal sollen Wohnungen entstehen, verdichtet, aber nicht in Hochhausmanier wie im «Stadtwald» oder als störende Querriegel, sondern mit Rücksicht auf die Baugeschichte des Quartiers. Um Seesicht, dieses Zauberwort des Rorschacher Standortmarketings, gehe es an diesem Standort weniger, sagt Isa Stürm. Sondern um Wohnraum an zentralster Lage, nah bei allen drei Bahnhöfen – den See habe man in der Stadt sowieso ständig bei sich, man schmecke ihn, man spüre ihn…

Rorschach und der See: Das Spezielle am Rorschacher Blick sei, dass er immer nach Norden gerichtet sei, nicht sonnenwärts, sondern mit der Sonne im Rücken über den Spiegel des Sees, eher diffus als mit scharfen Konturen, aber mit Blick ins Offene. Weitblick habe schon die Baugeschichte der Stadt und der ganzen Bodenseeregion geprägt; auf kleinem Raum lasse sich hier europäische Baukultur aus diversen Epochen studieren. Rorschach, als Transitort, Handelsstadt, Industriemetropole, Marktflecken und Badeort historisch vielfältig vernetzt, habe Stil und Klasse und eine «baukulturelle DNS», sagt Isa Stürm.

Grosses Lob von einer Architektin, die mit ihrem Büro unter anderem der St.Galler Lokremise und dem Kunstzeughaus Rapperswil neues Leben eingehaucht oder in Zürich die Grossüberbauung Röntgenareal der Sozialversicherungsanstalt SVA realisiert hat.

In Rorschach geht es vorerst um Kleineres: um gute Ideen für 1000 Quadratmeter.

Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover