Etwas gar still war es um Rorschach, seit Hafenbuffet und Mariaberg ihr Tore schlossen. Das «Treppenhaus» soll jetzt wieder Schwung in die Kulturszene der Hafenstadt bringen. Eröffnet wird das Lokal an der Kirchstrasse am 3. und 4. Januar.
Rorschach war einst ein berüchtigter Kultur-Pfuhl. Davon schwärmen zumindest jene, die Rorschach noch aus den Siebzigern und Achtzigern kennen.
Es heisst, dass die Leute damals von überall her kamen für ein unvergessliches Wochenende – schliesslich gab es dort ausser dem schönsten See der Schweiz auch besetzte Häuser, ein «uferloses Festival», Hafenkneipen oder das «Ursini», allerlei Konzerte, eine Rocker-Szene, Papa Joe’s Etablissement «Marabu» (das seine Türen an der Reitbahnstrasse im vergangenen Herbst geschlossen hat), eines der ältesten Kinos der Schweiz und eine ansehnliche «Liga» der damaligen In-Sportart schlechthin: dem Flitzen.
Doch Zeiten ändern sich. Rorschach kämpft seit langem gegen Vorurteile. Auch aufgrund des Ausländeranteils, der heute bei gut 44 Prozent liegt. Dabei geht leider gerne vergessen, dass die wunderbare Auswahl an Ausländerlokalen jenen 44 Prozent zu verdanken ist.
Trotzdem: «An Seee» ging seit den Neunzigern nur noch, wem der «Mannenweier» zu eng wurde oder wer im «Löwen-Pub» einen Joint rauchen wollte. Oder im Hasch-Fondue rühren.
Kulturelle Highlights gab es dennoch in den letzten zwanzig Jahren. Das Hafenbuffet beispielsweise. Ein grosszügiger und wilder Kulturschuppen, dessen Ruf bis weit über die Landesgrenzen hallte. 2006 war leider Schluss.
Die kurz darauf eröffnete kleine Schwester, das Kulturlokal Mariaberg, schaffte es ebenfalls, Leute von ausserhalb nach Rorschach zu locken. Doch der zuständige Verein «Kulturbrauerei» verwarf den Bettel 2011. Hauptgrund: Reklamationen aufgrund des Lärmpegels. Daran krankte bereits das Hafenbuffet.
Seither hat sich wenig getan in Rorschach. Die wenigen Lokale in der Stadt sind entweder meist schummrige Knellen oder schlicht «unbefugt», sich Kultur auf die Fahne zu schreiben – das gilt auch für die dekorierten, etwa die «Relax Bar», die auch nur im Februar einige Auswärtige anlockt.
Doch genug der Wehmut einer ehemaligen Rorschacherin. Wie gesagt, Zeiten ändern sich. Ab Anfang Jahr hat das ehemals heisse Kulturpflaster nämlich ein Trostpflaster: Das «Treppenhaus» an der Kirchgasse 3 nahe dem Rathaus. Kaffee, Konzert, Bar und Bühne gibts in den unteren zwei Stöcken des bald 500jährigen Hauses, darüber die Rorschach-Rorschacherbergische Gemeinschaftsbibliothek mit nahezu 10’000 Medien.
«Anders als Häfi und Maberg, haben wir bereits ab Mittwoch geöffnet», sagt Vereinspräsidentin Eleonora Farinello. «Der Umbau kostete zwar mehr Zeit als geplant, doch jetzt können wir loslegen. Schliesslich braucht es in Rorschach wieder ein Kulturlokal.»
Wie üblich, der Kultur-Kuchen ist klein: Unterstützer der ersten Stunde etwa ist Stadtrat Ronnie Ambauen, Painhead-Bassist und ehemaliger Mitbetreiber des Hafenbuffets. Inhaber der Liegenschaft an der Kirchgasse ist Urs Räbsamen. Er verpachtet auch die Mariaberg- und Hafenbuffetimmobilien. Zu guter Letzt: Vier der sieben «Treppenhaus»-Köpfe wurden im Verein «Kulturbrauerei» rekrutiert, zwei dieser vier waren im Hafenbuffet aktiv. Ein Netzwerk mit guten Voraussetzungen… Rorschach hätts jedenfalls verdient.
Das «Treppenhaus»-Team lädt am Freitag, 3. Januar ab 20 Uhr zur Eröffnung. Gefeiert wird mit Klassikern aus der Jukebox und DJ «Hans Casablanca» an den Plattentellern. Am Samstag, 4. Januar geht die Party weiter. Ab 9 Uhr mit Kaffe und Gipfel, abends mit DJ Sippi und Paul.
treppenhaus.ch
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