In St.Gallen gab es neben der Europameisterschaft wohl nur ein Thema in den letzten Wochen: das Openair St.Gallen. Diese vier Tage im Sittertobel sind ein Fixpunkt im Ostschweizer-Kalender der Partyfans, Musikinteressierten oder Borderline-Alkoholiker.
Während des Openairs rückt vieles in den Hintergrund, zum Beispiel Logik, Leberwerte, Körperhygiene. Ansonsten brave Bürger brüsten sich mit bierseligen Banalitäten vergangener Heldentaten und hoffen im Konsumparadies Sittertobel den ultimativen Rausch zu erleben. Da muss sogar der ansonsten unangefochtene König Fussball zurückstecken. Entsprechend wenig merkte man am Freitag im Sittertobel vom Viertelfinal zwischen Wales und Belgien, über das wir hier berichtet haben.
Ausziehn, ausziehn!
Die Partie Deutschland-Italien am Samstag hingegen vermochte im Sittertobel doch ein paar Emotionen zu wecken: Bereits am frühen Nachmittag waren die ersten mit Gummistiefeln und passendem Trikot auf dem Gelände anzutreffen und am frühen Abend konnten die ersten biergeschwängerten Aufforderungen zum Ausziehen des jeweils anderen Nationalmannschaftstrikots beobachtet werden. Wenig später waren die Trikots dann entweder (freiwillig) ausgezogen oder so dreckig, dass man nicht mehr zwischen Freund oder Feind unterscheiden konnte.
Das Tragen von Gummistiefeln erwies sich als weise Entscheidung, denn das Openair-OK hatte sich dazu entschieden, die Leinwand dort aufzustellen, wo laut Andi Rohrer nur jene zelten, die nicht aus St.Gallen stammen. Eine halbe Stunde vor Anpfiff machte man sich also auf den Weg, um diesen unsäglichen Ort zu finden.
Die Suche war einfach; man musste lediglich den vielen dreckigen Fussballtrikots und komischen Dialekten folgen. Während andere vor der Sitterbühne den Klängen von Caribou lauschten, versammelten sich mehrere hundert Fans vor der grossen LED-Leinwand am Abhang beim Viadukt. Dieser Übertragungsort erwies sich allerdings nicht wirklich als tauglich wegen der matschigen Unterlage.
Kurzbewertung:
Lage: 2 von 5 Croissants – zugegeben, einen besseren Platz auf dem durchkommerzialisierten Openair-Gelände zu finden, gleicht einer Herkulesaufgabe.
Stimmung: 3 von 5 Croissants – viele Leute, spannende Affiche und erhöhte Promillewerte. Trotzdem konnte der Funken nicht wirklich springen; die Stimmung war darum etwa gleich elektrisierend wie an einem GC-Heimspiel.
Verpflegung: 1 von 5 Croissants – kein Bierstand, keine Toilette und auch kein Essensstand in Sichtweite.
Kosten: 2 von 5 Croissants – zwar hat es keinen Eintritt gekostet, aber wenn man das Openair-Ticket einrechnet, war es bis jetzt locker das teuerste Public Viewing unserer Reihe.
Aufgrund eines fehlenden Bierstandes in Sichtweite wurde auf das mitgebrachte PET-Bier und vorgedrehte Sportzigaretten zurückgegriffen. Auch eine Toilette oder ein Verpflegungsstand konnten in der näheren Umgebung nicht ausgemacht werden.
Kein Bier, kein WC
Wirklich Stimmung kam vor der Leinwand nicht auf. Am lautesten waren noch die halbherzigen «Italia-Italia»-Rufe. Ob sich die miese Stimmung durch die eher unspektakuläre erste Halbzeit oder durch den fehlenden Bier-Nachschub erklären lässt, wissen wir nicht. Einige Fans nutzten die ersten 45 Minuten sowieso lieber zum temporären Ausschlafen des Rauschs.
Erst mit den beiden Toren in der zweiten Halbzeit wachten die Fans auf. Gebracht hat es jedoch wenig; nach 90 Minuten stand es 1:1. Aufgrund einer ähnlich ereignislosen Verlängerung musste der Sieger schliesslich im Penaltyschiessen erkoren werden. In Erinnerung geblieben ist davon vornehmlich der verschossene Elfmeter des Hobby-Tänzers Zaza und das tränenverschmierte Gesicht der italienischen Torwartlegende Gianluigi Buffon nach dem Ausscheiden gegen Deutschland.
Sittertobel-Rutschbahn
Mit dem Ende der Partie legte sich auch die Dunkelheit wieder über das Sittertobel. Einige Fans bekundeten in der Folge Mühe damit, den erklommenen Platz am Abhang wieder zu verlassen und rutschten nicht ganz freiwillig auf dem Allerwertesten hinunter. Nach einigen akrobatischen Einlagen hatten es jedoch auch die letzten Trinkfreudigen wieder auf den halbwegs begehbaren Weg geschafft. So übergab König Fussball das Zepter wieder an die Verlockungen des Openairs und die Fans verschwanden nach und nach wieder in Richtung der wummernden Bässe und Lichter.
#Platzverweis:
Seit kurzem können Schiedsrichter schon vor Anpfiff der Partie rote Karten verteilen. Wir haben schon vor Turnierbeginn zehn Herren eruiert, bei denen wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden.
Im ersten Test kam Roman Neustädter hinzu, im zweiten Stephan Lichtsteiner und im dritten der Schiri. Nachdem im vierten Test das W-LAN der Militärkantine vor Anpfiff vom Platz gestellt wurde, muss dieses Mal Petrus dran glauben. Literweise Regen und ein steiler Abhang sind eine schlechte Kombination für ein Public Viewing. Deshalb: #Platzverweis!
Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht