Dass GC kein Heimstadion hat, geistert in regelmässigen Abständen durch die Medien. Stadionprojekte werden entworfen, nur um dann aus verschiedenen Gründen doch nicht realisiert zu werden. Ungeschickte Kampagnen vor Abstimmungen und ein gewisser Hochmut haben mehrmals zu einem Abschmettern der Projekte an der Urne geführt.
Gegen den Zustand wird protestiert, wie unlängst durch die GC-Fans in Form eines Legendenspiels gegen Neuchâtel Xamax auf dem Ex-Hardturmareal. Ohne Erfolg. Darum hiess es auch für uns an diesem wunderbar herbstlichen Samstag wieder: auf zu einem Fussballspiel in einem Leichtathletikstadion.
Dieses Mal war nichts anders als sonst und gerade deshalb war es furchtbar desillusionierend.
Gekommen sind wenige
Bei den Ticketschaltern muss man in letzter Zeit nicht lange anstehen. Früh entsteht der Eindruck, dass die anströmenden Massen wie gewohnt ausbleiben werden.
Aber vielleicht liegt das auch an den nach wie vor hohen Preisen. GC hält sich nämlich nur im Vorverkauf an die schweizweit eingeführten Obergrenzen von 25 Franken (voller Preis) bzw. 20 Franken für ermässigte Tickets. An den Tageskassen kosten die Tickets immer noch 30 bzw. 25 Franken. Das könnte noch zu reden geben.
Kaum im Stadion erblicken wir die gewohnt trotzige Zaunfahne im GC-Heimsektor: «trotz Exil a jedem Spiel». Das wirkt seltsam, wenn man gleichzeitig die beiden mit einer grossen blauen Blache abgedeckten Teilsektoren der Heimkurve sieht.
Obwohl die Anspielzeit am frühen Samstagabend nicht allzu schlecht ist und die Platzierung der Grasshoppers im oberen Teil der Tabelle in der Regel zu einem erstaunlichen Anschwellen der bekennenden GC-Fans führt: Das weite Rund ist weitgehend leer. Nicht nur jeder zweite Platz ist leer, es sind ganze Sektoren, in die sich keine Menschenseele verirrt hat.
Für uns keine Überraschung: Wir verstehen jeden GC-Fan, der sich nach Jahren im Exil (!) in einem Leichtathletikstadion (!!), das noch dazu die Heimstätte des stadtinternen Erzfeindes (!!!) ist, nicht mehr in den Letzigrund bewegen mag.
Stimmung? Geht anders
Um das Geschehen auf dem Platz, ein für den FCSG glückliches Unentschieden, aus unserer Perspektive mitverfolgen zu können, braucht man fast einen Feldstecher – oder aber viel Fantasie. Bei Spielbeginn lässt sich knapp der Name des GC-Torhüters hinter der roten Tartanbahn entziffern. Joe Zinnbauer, der zeitweise seinen Trainerbereich um das Doppelte verlässt, erahnt man nur.
Während in anderen Stadien zwischenzeitlich eine laute Kulisse Anziehungspunkt ist und Zuschauer ins Stadion lockt, macht dieses Leichtathletikstadion nicht wirklich Laune. Es herrscht ein wortwörtliches Stimmungsloch – dies da das Letzigrund ja in den Boden hinein gebaut wurde –, die Akustik leidet stark. Die gegnerische Kurve hört man eigentlich nie. Als die Zuschauerzahl kommuniziert wird, ist niemand überrascht: offiziell haben sich 5’500 Fans eingefunden. Wie so oft erscheint selbst das zu hoch.
Fad und seelenlos
Beim Abpfiff bleibt vor allem eines: das Gefühl, heute kein «richtiges» Fussballspiel gesehen zu haben. Dass GC schon so lange keine eigene Heimstätte hat, ist an sich schon ein Armutszeugnis. Dass man aber in ein Leichtathletikstadion ausweichen muss, wird mit jedem erneuten Besuch ein bisschen trostloser. Für ein so emotionales Spiel wie Fussball, für einen solchen Verein – «d’Super League vum Rekordmeischter, än Institution, ey» – und in einer Grossstadt sollte es möglich sein, ein Stadionprojekt auf dem ehemaligen Hardturmareal zu realisieren.
Die jetzige Situation hinterlässt einen faden Beigeschmack, gerade auch wenn man sich an die Spiele im alten Hardturm und die Stimmung dort erinnert. Wir verlassen nach dem Spiel dieses seelenlose Leichtathletikstadion und sind uns ziemlich sicher: Wir werden wohl auch nächstes Mal, wenn St. Gallen gegen GC spielt, wiederkommen. Wenigstens müssen wir nicht jedes zweites Wochenende ins Letzi.
Und unser einziger Trost heute: Das GC-Siegeslied müssen wir, zur Abwechslung, auch nicht hören.
(Bild: Wikipedia/Raymond Lafourchette)
Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.
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