Kategorie
Autor:innen
Jahr

Symbolpolitik ums Kunstmuseum?

Die Stadt St.Gallen hat zuviel Geld - beziehungsweise auf Vorrat gespart: 12 Millionen Überschuss aus der Rechnung 2016 sollen sinnvoll ausgegeben werden. Für Kinderbetreuung? Für den Bahnhof? Für das Kunstmuseum? Heute diskutiert das Stadtparlament darüber.
Von  Peter Surber

Das 12-Millionen-Glück steckt unscheinbar im Kapitel «Bau und Planung» der Liste der Nachtragskredite. Als «Einlage in Spezialfinanzierungen» schlägt der Stadtrat dort vor, 7 Millionen Franken als Rückstellung für den Umbau des Kunstmuseums und 5 Millionen zur Entlastung der Endabrechnung für den Umbau des Bahnhofplatzes auf die Seite zu legen.

Die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments hat aber eine noch bessere Idee. Ihr Antrag lautet, die beiden Beträge um je 2,5 Millionen Franken zu reduzieren und die dadurch frei werdenden 5 Millionen für die ausserschulische Kinderbetreuung in den Quartieren, genannt FSA plus einzusetzen. Eine Minderheit in der GPK lanciert eine weitere Variante: Kein Rückstellungs-Vorfinanzierungsgeld für den eh schon finanzierten Bahnhofsumbau, dafür die ganzen 7 Millionen für das Kunstmuseum und 5 Millionen für die ausserschulische Betreuung.

Kinderbetreuung: rundherum unbestritten

Mit den 5 Millionen könne, wie der Fraktionschef der SP, Daniel Kehl es nennt, ein «Notstand» zumindest gelindert werden. Bei den Freiwilligen Schulhausangeboten FSA gibt es gemäss einem Postulatsbericht von 2016 empfindliche Lücken. Und hintendrein hinken für einmal nicht die Talschulen, sondern die Quartiere auf den Hügeln, wie SP-Stadtparteipräsident Peter Olibet erläutert: In Rotmonten, St.Georgen und im Riethüsli sowie in Winkeln fehlt es an Raum und Angeboten für die familienergänzende Betreuung. Schon 2018 könnte dank den von der GPK vorgeschlagenen fünf Millionen zumindest provisorisch Abhilfe geschaffen werden.

So weit, so unbestritten. Voraussichtlich stimmt das Parlament dem GPK-Vorschlag (5, 4,5 und 2,5 Millionen) zu, wie eine Nachfrage bei den Fraktionen erwarten lässt. FDP-Fraktionsvize Felix Keller kündigt ebenso wie SVP-Chefin Karin Winter-Dubs an, diesen GPK-Verteilschlüssel zu unterstützen.

Gegen indirekte «Signale»

FDP und SVP betonen zugleich: Das sei kein negatives Signal gegenüber dem Kunstmuseum – obwohl damit der Betrag gegenüber dem stadträtlichen Vorschlag von 7 auf 4,5 Millionen gekürzt werde. Kinder gegen Kultur auszuspielen, wäre absurd, sagt Karin Winter-Dubs. Die bürgerliche Rechte will bei der nächsten Budgetdebatte im Herbst lieber über Steuersenkungen diskutieren.

Die Ausstellung «The Wondrous Museum of Nature» von Mark Dion im jetzt als Provisorium dienenden Untergeschoss des Kunstmuseums.

Kontroverser wird die Geldverteilung links der Mitte diskutiert.

Zum einen: Man könne in Frage stellen, ob es richtig sei, für das Kunstmuseum bereits jetzt Geld zu «parkieren», bevor eine Vorlage und damit eine klare Kostenvorstellung überhaupt da sei, sagt Peter Olibet. Bahnhof und Kinderbetreuung müssten zeitnah finanziert werden – das Museum hingegen erst nach circa 2020. Im Grundsatz sei aber klar, dass ein Umbau von Kunklerbau und Kirchhoferhaus notwendig ist.

Zum zweiten: Die Grünen hätten gemäss ihrem Fraktionschef Clemens Müller gern auch die Bibliothek ins Spiel gebracht – auch hier warte wie beim Kunstmuseum ein Provisorium auf eine endgültige Lösung, auch hier komme eine «grosse Kiste» auf Stadt und Kanton zu. Ein starkes Signal der Stadt für die Bibliothek wäre wichtig, sagt Müller. Aber eine Mehrheit sei für dieses Ansinnen nicht in Sicht.

Zum dritten: Ein GPK-Minderheitsantrag will die ganzen sieben Millionen für das Kunstmuseum «retten» und den Bahnhof aus der Vorfinanzierung ausschliessen. SP-Kulturpolitiker Etrit Hasler macht sich für diese Variante stark, weil er es falsch finde, bereits im jetzigen Zeitpunkt mit einer Beitragskürzung «Symbolpolitik» zu betreiben und so indirekte Kritik am Museum zu signalisieren. Solche Debatten, inklusive die Diskussion, ob die Betriebsbeiträge im dereinst umgebauten Museum nicht erhöht werden müssten, solle man dann führen, wenn Konzept und Projekt konkreter seien.

Gelegenheit dazu bietet möglicherweise auch das Kulturkonzept der Stadt: Es soll gemäss den Legislaturzielen 2017-20 in nächster Zeit überarbeitet werden. Die Legislaturziele sind ihrerseits für die heutige Sitzung des Stadtparlaments traktandiert.

 

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv