Unverzichtbare Begegnungsstätte
Das Zeughaus Teufen hat sich zu einem Ort überraschender Begegnungen und aussergewöhnlicher Sichtweisen entwickelt. Dies scheint mir in Ueli Vogts unbändiger Neugier und seinem bewussten Verzicht auf jegliche Berührungsängste zu wurzeln. Als Besucherin kann man sicher sein, Entdeckungen zu machen und erfrischende Konstellationen von Architektur, Design, bildender Kunst, Musik, Literatur sowie von Tradition und Zeitgenössischem zu erleben. Die vielen Kooperationen mit anderen Institutionen, Bildungsstätten und Kultursparten erweitern den Ort in die Schweiz hinaus. Zugleich bietet das Zeughaus ein Zuhause und eine Begegnungsstätte für das Regionale und Lokale. Es ist dieser Mut zur Nah- und Fernsicht, die zu Weitsicht und Tiefsinn führen und das Zeughaus für die Ostschweiz unverzichtbar machen.
Corinne Schatz, Kunsthistorikerin
Ueli Vogt im Treppenhaus des Zeughauses Teufen. (Bild: Katalin Deér)
Irgendwie anders
Ich denk an Ueli Vogt. Er ist ein spannender Typ. So war auch seine Arbeit im Zeughaus Teufen. 4 Worte, die mein Gefühl dafür beschreiben:– irgendwie anders– unerschrocken– talentiertHabe auch noch ein isländisches Sprichwort gefunden, das passt. Im langweiligen Alltag waren Uelis Ideen und Ausstellung jeweils… die Rosine am Ende des Hotdogs.
Beni Bischof, Künstler
Gleitmittel und Gehstock
Nach Teufen gehen heisst ins Zeughaus gehen. Ins Zeughaus gehen heisst ein Zuhause sehen. Hier wuchern und winken die Spuren jener, die durchs Haus gegangen und fürs Haus etwas angestellt haben. Manchmal verschwindet etwas und etwas Neues kommt, etwas anderes entsteht oder wird durch die Veränderung neu gesehen. Die Überlagerungen sind Teil der Erinnerung. Ich bin Teil davon. Ich darf auch übersehen, verpassen, blöd finden. Kunst ist Trost. Gleitmittel und Gehstock, Sand im Getriebe und Widerspruch im Denken. Hier bin ich aufgehoben, herausgefordert, willkommen. Hier finde ich Austausch, Gespräch, Bereicherung, Glücksgefühl.
Ursula Badrutt, Kunsthistorikerin
Zeughaus-Jubiläumsfeier:30. September ab 17 Uhr (17.30 Uhr Kinderkonzert mit Marius Tschirky, 19 Uhr Festakt, ab 20 Uhr Kurzführungen)
zeughausteufen.ch
Frisch und frech
Jedes Mal, wenn ich mit Kamera- und Stativtasche über den Zeughausplatz ging, fragte ich mich, welche Ausstellung, welche Einbauten, welche Installationen und Objekte ich antreffen werde. Und es war immer anders! Auch wenn einige Werke ein halbes, ein ganzes oder mehrere Jahre im Ausstellungsraum verblieben und so Teil dessen wurden, auch wenn hin und wieder ein Werk bei der nächsten Ausstellung ganz oder in Teilen vorhanden war, empfand ich das nie als Akt der Faulheit des Kurators, weitere Künstler und ihre Werke auszusuchen, sondern als ein Suchen, Prüfen, wie das Werk in einem anderen künstlerischen Umfeld oder sogar in einer ganz anderen Ausstellung, in einer Ingenieur-Ausstellung über Werkstücke oder Holzverbindungen wirkt und im besten Fall interagiert. Diese 10 Jahre Zeughaus waren einmalig in der Schweizer Museumslandschaft: in dieser frischen und auch mal frechen (darf man das?), manchmal lustigen, aber nie belustigten Art von Ausstellungen mit und über bildende Kunst. Und diese oft in einer überraschenden örtlichen Nachbarschaft oder Verbindung mit ingenieurtechnischen Objekten und Modellen. Kurz und gut, es waren 10 spannende und erfrischende Ausstellungsjahre. Danke!
Christian Schwager, Fotograf
Die Hütte der Fragen
Wie ein Schloss steht das Museum auf dem Hügel. Elegant und herausgeputzt mit Fähnchen, von weitem sichtbar und aus der Nähe auch ein wenig trutzburgig-wehrhaft. Vor den Toren campieren manchmal wie bei einem mitteralterlichen Dorf Marktfahrer:innen. Meistens ist der grosse Kiesplatz jedoch vollparkiert. Wo die Besitzer:innen dieser Autos wohl alle sind? Anfangs habe ich sie dicht gedrängt im Innern des Zeughauses erwartet. Aber wie auch für das Rätsel des Parkplatzes sind an diesem Ort selten glasklare Antworten zu finden; vielmehr sind Fragen und geplante Lücken die Queens und Kings dieses Schlosses. Oder eben passender: dieser Hütte, wo der schon fast absurd hochflorige graue Teppich für alle ausgerollt wird.
Johannes Stieger, Ausstellungsmacher
Uelis Pesto
Eine der vielen erfreulichen Erinnerungen datiert auf den Sommer 2018. Zum Saiten-Sommerheft über allerhand, was «ins Kraut schiesst», steuerte Ueli einen Beitrag über Peterli bei. Im Zentrum: sein Pesto-Rezept. Selten machte ein Text beim Redigieren so viel Appetit. Er verknüpfte Vergangenheit und Gegenwart, bezog alle Sinne mit ein, war persönlich und informativ, eigen und kollektiv – denn Uelis Peterli-Pesto, das schmeckte man dem Text an, würde natürlich nicht solo, sondern an einem möglichst grossen Tisch genossen werden. Die zehn Jahre Ueli Vogt in Teufen kommen mir vor wie jenes Pesto: auserlesene Zutaten, überzeugend kombiniert, ein Rezept aus Experimentierlust, Intuition und Erfahrung, sorgsame Zubereitung und ein sicheres Gespür für Qualität. So soll es weitergehen.
Peter Surber, Saitenredaktor
Die hier abgedruckten Stimmen und zahlreiche weitere Texte erscheinen im Jubiläumsbuch des Zeughauses Teufen, das im November publiziert wird.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.