Ruedi Zwissler ist ein Gestalter, der mit allem arbeitet, was sich in Form bringen lässt. Er entwirft Möbel, Logos, technische Verbindungselemente, Häuser, Schriften, soziale und wirtschaftliche Utopien. Oft ist er genial, immer phantasie- und meistens liebevoll, manchmal barsch und sowieso erfinderisch und grosszügig.
Schriftbild für die Baufirma Walo.
Konsequent statt marktgängig
Seine qualitativen und vor allem seine moralischen Ansprüche sind hoch. Sie sind so hoch, dass seine Mitmenschen und vor allem die real existierenden Märkte und Behörden sie in der Regel nicht erfüllen können. Ruedi Zwissler hinterlässt deshalb zwar überall Spuren. Oft beeindruckt er mit Geist, Stringenz, Hartnäckigkeit. Aber nicht immer erreicht er seine Ziele. Denn im Zweifelsfall schubladisiert Zwissler lieber eine Idee, als dass er sie jemandem überlässt, der sie kommerziell ausschlachtet und verhunzt.
Nun kommt es im Zeughaus Teufen zu einem brisanten Zusammentreffen. Kurator Ueli Vogt hat unter dem Titel «Werken, Wandeln, Wirken» eine Ausstellung über das Lebenswerk des 80-jährigen gestaltet. Allerdings stellt er dieses nicht einfach dar, sondern nimmt es als Anlass und Ausgangspunkt für assoziatives Machen und Sinnieren.
Dem minutiös planenden, systematisch vorgehenden Ruedi Zwissler steht ein Ausstellungsmacher gegenüber, der ebenso gründlich nachdenkt, aber Konzepte gerne aus der Situation heraus entwickelt und verändert. Zudem liebt Ueli Vogt Irritationen aller Art. Vielleicht konfrontiert er Zwissler deshalb mit künstlerischen «Ergänzungen» von Roman Signer, Michael Bodenmann & Barbara Signer oder Beni Bischof. Mitgestaltet wird die Ausstellung zudem vom Designbüro 2nd West, Grafikerlehrlingen der GBS und den Grafikern Rosario Florio & Samuel Bänziger.
VOLUMA-System
Zwei dieser Interventionen seien hier herausgegriffen.
Zum einen: Ein zentrales Projekt aus Ruedi Zwisslers Mappe ist das VOLUMA-System. Es war über Jahrzehnte prägend für Messe-, Ausstellungs- und Innenausbau. In einem VOLUMA-Labor gehen die Ausstellungsgestalter 2nd West (Michael Thurnherr und Johannes Stieger) dieser Geschichte nach.
Zum andern: Michael Bodenmann und Barbara Signer haben bei der kürzlich durchgeführten Sanierung des St. Galler Einkaufszentrums Neumarkt eine skulptural ausgebildete Werbetafel vor der Zerstörung gerettet. Diese war von Ruedi Zwissler zur Eröffnung des Neumarkts entwickelt worden. Nun hängt sie, von den Künstlern umgearbeitet, derzeit in Môtier, an der dort stattfindenden Skulpturenausstellung («Moodboard4Neumarkt»). Im Zeughaus lässt das Künstlerpaar die inhaltliche und formale Auseinandersetzung mit dem Neumarkt-Erscheinungsbild nachklingen.
Ordnung und Irritation
Es kommt also einiges zusammen, was nicht von vornherein zusammengehört, einiges auch, das dem anspruchsvollen Ruedi Zwissler wider den Strich gehen könnte. Denn das, was Ruedi Zwissler am meisten liebt, die Ordnung, die Klarheit, wird hier zunächst zerpflückt. Zugespitzt könnte man sagen: Während Ruedi Zwissler trotz der Systematik und Präzision seines Vorgehens vom Chaos und der Komplexität der Welt immer wieder überwältigt wird, findet die Ausstellung im Zeughaus Teufen im Chaos eines Lebenswerks die frappante Ordnung des genialen Eigenbrötlers und Vieldenkers Ruedi Zwissler.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein vielfältiges Begleitprogramm.
Ruedi Zwissler: Werken, Wandeln, Wirken, 28. Juni bis 22. November. Vernissage: So 28. Juni 14 Uhr, Infos: zeughausteufen.ch
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