Er ist gelb und prangt in einer Schablonenschrift auf Lastwagen und Strassenwalzen, der Schriftzug Walo. Der Gestalter Ruedi Zwissler hat ihn vor Jahrzehnten entworfen, und das Tiefbauunternehmen hat das Logo nur minim verändert.
Was machen heutige Grafiker und Künstler daraus? Die Antwort lässt sich im Zeughaus Teufen betrachten: Fahnen mit gelben Strichen und Zeichen hängen von der Decke. Schülerinnen und Schüler der Grafikklassen der Gewerblichen Berufsschule St.Gallen haben das Walo-Logo dekonstruiert. Der Künstler Beni Bischof hat in einem Baustellen-WC mit dem Firmenlogo einen gelben Farbkübel ausgekippt und eine Discoanlage montiert: «Walo Techno» heisst seine Installation (hier ein Filmchen vom Making-Of).
Von Ruedi Zwissler stammten auch die kubischen Werbetafeln, die vor der Renovation am St.Galler Einkaufszentrum Neumarkt hingen. Das Künstlerpaar Barbara Signer und Michael Bodenmann konnte einen dieser Kuben in letzter Minute retten und hat daraus eine Installation gemacht, die zurzeit an der Skulpturenausstellung in Môtiers im Val-de-Travers zu sehen ist. Im Zeughaus Teufen ist die Arbeit dokumentiert, und einige Original-Werbetafeln sind ausgestellt.
Berühmt geworden ist auch Ruedi Zwisslers Einsatz zur Rettung der Fabrik am Rotbach in Bühler – einer früheren Bleiche. Er konnte sie kaufen und hat sie mit neuem Leben erfüllt – auch immer wieder mit Kunst. Unter anderem Kunst von Roman Signer, auch dies dokumentiert die Ausstellung.
Legendäre Systeme
In Fachkreisen ist Ruedi Zwissler mit seinem Messe-Bausystem Voluma bekannt geworden. Seinem Möbelprogramm Dominorm 01 war weniger Erfolg beschieden. Zwissler ist nämlich auch konsequent. «Lieber begräbt er eine Idee, als dass er sie jemandem überlassen würde, der sie kommerziell ausschlachtet und verhunzt», schreibt Hanspeter Spörri in seiner Ausstellungsvorschau.
An der Vernissage machte der Geehrte selbst keinen Hehl aus seiner manchmal skeptischen Haltung. Er las aus dem Monate dauernden Mailwechsel mit Zeughaus-Kurator und Ausstellungsmacher Ueli Vogt vor. Zwissler hatte mehrmals gezögert und abgewunken, bis er schliesslich Ja sagte zur Ausstellung.
«Wer werkt, verbraucht seine Zeit, meistens auch Material und Energie»
Seit Ende Juni ist im Zeughaus Teufen eine Auswahl aus den vielen Arbeiten des manchmal strengen und konzeptuell denkenden Designers ausgestellt. Zum Beispiel die geometrischen Messestand-Teile, die sauber ausgelegt auf durchhängenden Gestellen liegen – ein weiterer Kontrast in dieser Ausstellung.
Der hohe Anspruch des Gestalters kommt nicht zuletzt in den Zitaten zum Ausdruck, die im zur Ausstellung erschienenen Leporello abgedruckt sind. Etwa zum Stichwort Werken: «Indem ich werke, schaffe ich ein mehr oder weniger gelungenes Werk. Gelungen sind Werke erst dann, wenn sie den zum Ziel gesetzten Zweck erfüllen. Wer werkt, verbraucht seine Zeit, meistens auch Material und Energie. Deshalb setzt Werken die präzise Definition vom Zweck voraus. Es entsteht also zuerst ein geistiges Werk. Dieser Sollvorstellung möglichst nahe zu kommen ist die Aufgabe jedes Werkenden.»
Werken – Wandeln – Wirken: Ruedi Zwissler, bis 22. November im Zeughaus Teufen AR. Mit Ergänzungen von Roman Signer, Michael Bodenmann & Barbara Signer, Beni Bischof, 2ndwest, Grafikerlehrlinge GBS, Rosario Florio & Samuel Bänziger. Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Dokumentation erschienen.
Sonntag, 12. Juli, 14 Uhr: Postfossil präsentiert die Resultate des Voluma-Workshops. Begleitprogramm und weitere Infos: zeughausteufen.ch.
Bilder: Ueli Vogt / René Hornung
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