Verdichten, nachhaltig bauen, sozial wohnen – das sind Stichworte, die im Moment auf den verschiedensten politischen «Baustellen» verhandelt werden. Der Kanton St.Gallen streitet um die Richtplanung, Ausserrhoden über den Ortsbildschutz (mehr dazu hier). Herisau, ein kommunales Beispiel unter vielen, ringt um einen Migros-Neubau im Konflikt mit dem Erhalt eines Bürgerhauses. Auf nationaler Ebene haben die Jungen Grünen soeben die Unterschriftensammlung für ihre Initiative «Zersiedelung stoppen» gestartet. Das Thema brennt.
Bauen mit Sozial-Standard
«Verdichtetes Bauen» heisst auch das Jahresthema 2015 der Interessengemeinschaft Baubiologie und Bauökologie SIB. Heute abend findet der zweite von sechs Anlässen statt: Im Architekturforum Ostschweiz geht es um «Soziale Nachhaltigkeit beim baulichen Verdichten», neben der SIB laden der Hausverein Ostschweiz und die Haus-Analyse Appenzell Ausserrhoden dazu ein.
Bauen, so die Überzeugung im Hintergrund, ist nicht nur ein wirtschaftliches und technisches, sondern auch ein soziales Tun. Dafür ist SNBS geschaffen worden, der «Standard Nachhaltig Bauen Schweiz». Die Planerin Joëlle Zimmerli stellt ihn anhand konkreter Ostschweizer Projekte vor, die das etwas spröde klingende Kürzel leibhaftig und fassbar machen – anschliessend diskutieren Vertreterinnen und Vertreter dieser Initiativen.
Zum Beispiel Trogen
Eine lebendige Mischung von Kindern und älteren Personen, Familien, Paaren und Singles, Männern und Frauen unterschiedlicher Nationalität: Das ist das Ideal des Fördervereins Mehrgenerationen-Ost. Er sucht seit mehreren Jahren einschlägige Gebäude. Ein erstes Projekt in Horn TG stagniert – jetzt ist die Alte Drogerie Trogen im Fokus des Vereins.
Der auffällige siebengeschossige Holz-Strickbau etwas unterhalb des Dorfkerns stammt aus dem 17. Jahrhundert. Er ist gut imstande, aber mit den damaligen kleinen Raumhöhen und der «ringhörigen» Bauweise eine Herausforderung, wenn es um eine zeitgemässe Neunutzung geht. Diese ist jedoch gemäss architektonischen Studien des Vereins möglich – unter anderem soll ein Lift die Erschliessung erleichtern, zugleich soll von der bauhistorisch wertvollen Substanz so viel wie möglich erhalten bleiben, und man plant baubiologisch.
Unterschiedlich grosse Wohnungen sollen die Durchmischung sichern, zudem gibt es Gemeinschaftsräume wie eine Werkstatt oder einen Mehrzweckraum. «Gemeinsam nutzen statt einsam besitzen oder verzichten» heisst die Devise der Initiantinnen – und gewohnt werden kann dank öV-Anschluss autofrei.
Neben der Alten Drogerie Trogen werden noch weitere Projekte vorgestellt und diskutiert: das Mehrfamilienhaus Kräzernstrasse, der Verein Selewie Herisau (für seine integrative Quartierarbeit mit dem Nachhaltigkeitspreis 2014 ausgezeichnet), und das Schulhaus Tschudiwies St.Gallen.
Soziale Nachhaltigkeit beim baulichen Verdichten: heute Montag, 27. April, 19.30 Uhr, Architektur Forum Ostschweiz, Davidstrasse 40, St.Gallen, mit Peter Wenig (SIB), Joëlle Zimmerli (Zimraum), Lucie Sauter (Mehrgenerationen-Projekt), Sabrina Jaggi (Verein Selewie), Dölf Biasotto (Hausanalyse AR), Leitung: Silvia Gemperli
Öffentliche Diskussion um die Ausserrhoder Ortsbildschutzzonen: heute Montag, 27. April, 19 Uhr, Zeughaus Teufen. mit Katrin Hilber (Präsidentin Heimatschutz SG/AI), Heinz Naef (Präsident Heimatschutz AR), Nik Sturzenegger (Gemeindepräsident Trogen), Jakob Brunnschweiler (Baudirektor AR), Moderation: Michael Genova.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.