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Gemalte Prestigeobjekte

Das Kunstmuseum St.Gallen und das Zeughaus Teufen eröffnen zwei Ausstellungen zur Bauernkunst – mit und ohne Fragezeichen.  
Von  Peter Surber

So wird das Leben zur Kunst und das Schaffen zur Lust: Als die Zügelmänner im Januar die ersten Bauernkästen, allesamt Museumsstücke, in Teufen anliefern, entdeckt Zeughaus-Leiter Ueli Vogt die Tattoos auf ihren Unterarmen – und deren frappante Ähnlichkeit mit den Sujets auf den Kästen. Ornamente, Farben, sogar der Fraktur-Schriftschwung «Saint City 9000» scheinen aus den selben alten Zeiten zu stammen wie der Broger-Kasten von 1828 – oder vielmehr: Dieser ist unversehens in der Gegenwart angekommen.

Dass die alten Kästen nichts Älteliges an sich haben, davon ist Marcel Zünd überzeugt. Der St.Galler Kunsthistoriker und Volkskundler leitete 2010–13 das Projekt «Appenzeller Möbelmalerei 1700– 1860», hat mittlerweile über 400 Schränke dokumentiert und analysiert und gibt im Juni ein Buch heraus. Bereits jetzt, ab 26. März, ist eine Auswahl von rund 50 Schränken in Teufen zu sehen. Parallel dazu zeigt das Kunstmuseum St.Gallen eine Schau zur Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei von 1600 bis 1900, die Rudolf Hanhart, der heute 90-jährige frühere Leiter des Museums, kuratiert. Er betitelt sie «Bauernkunst».

Statussymbol statt bäuerliche Kunst?

In Teufen fügen Zünd und Vogt dem Begriff listig ein Fragezeichen hinzu. «Bauernkunst?» Dahinter steckt die alte Expertendiskussion, wie bäuerlich die «Bauernmalerei» sei. Zünd: «Meine Hypothese ist: Bei den Schränken handelt es sich weniger um bäuerliche Kunst, vielmehr um die einer ländlichen Oberschicht, deren Möbel nicht zuletzt dazu dienten, sich sozial von der bäuerlichen Welt abzugrenzen.»

Die Gesellschaft differenziert sich in diesen Jahrzehnten aus – und die Sujets erzählen davon. Die früheren Exemplare zeigen Barock- oder Rokoko-Ornamente, Szenen aus höfischen Gärten, Menschen, die wie Höflinge aussehen. Später werden die Sujets naturalistischer, die Motive überhöhen die Lebenswirklichkeit wie auf einem Schrank von 1823: Er zeigt die vier Lebensalter in Allegorien, die Menschen haben Freizeit (etwas, was die Bauern nicht kannten), und am Schrankrand lässt sich der Besitzer sogar mit Frau und Gespielin darstellen – eine Absonderlichkeit für die sonst so wertkonservative Biedermeierzeit, sagt Zünd.

KästenSozialgeschichtlicher Bilderfundus

Noch einmal konkreter wird es auf dem abgebildeten Schrank (Titelbild). «Gehört dem Franz Anton Broger 1828», steht oben geschrieben. In den Türkassetten ist eine Schreinerei abgebildet, daneben Viehtrieb und eine Dorfansicht: Kirche und Häuser sind appenzellisch, doch versetzt in eine idyllische Seenlandschaft. Wirklichkeit und arkadische Utopie prallen aufeinander.

Für Volkskundler Zünd sind die Schränke ein unerschöpflicher sozialgeschichtlicher Bilderfundus. Doch so minutiös er die Stil- und Motivgeschichte erforscht hat, so rätselhaft bleiben die lebensgeschichtlichen Hintergründe.

Zum Beispiel Kästen wie jener der «Jungferin Kathrina Tannerin auf Wies 1802»: War das die Morgengabe, welche die Frauen in die Ehe einbrachten? Oder: Wie konnten die Schränke ihre Repräsentierfunktion gegen aussen wahrnehmen – wenn sie doch in der Regel im Schlafzimmer der Eheleute, also im Privatissimum standen? Möbel als Medium zur Selbstvergewisserung? Oder pure Bilderlust in einer Zeit, die noch ohne laufende Bilder auskommen musste?

So viele Fragen da offen bleiben, so viele zusätzliche Anspielungen bringt Zeughaus-Leiter Vogt ein: Er lädt mehrere Kunstschaffende zu «Ergänzungen» ein: Stefan Inauen, das Künstlerduo Com&Com oder die bayrische Künstlerin Regina Baierl, die neue, irritierend umfunktionierte Möbel schafft. Zudem gibt es einen Trödelmarkt. Die Interventionen sollen, wie Vogt sagt, «den Blick weiten» – übers Möbel und über das Appenzellerland hinaus.

Bilder: Ueli Vogt

Bauernkunst? Appenzeller Möbelmalerei 1700 – 1860. Vernissage: 23. März 2014, 14 Uhr
26. März bis 7. September, Zeughaus Teufen. zeughausteufen.ch
Bauernkunst, Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei von 1600 – 1900.  Vernissage: 21.März, 19 Uhr
22. März bis 7. September, Kunstmuseum St.Gallen.  kunstmuseumsg.ch

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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