Bernard Tagwerker erhält den alle vier Jahre vergebenen Kulturpreis der Stadt St.Gallen – grosse Ehre für einen eigenwilligen Kunsttüftler.
Seine Preis-Vorgänger waren unter anderen Niklaus Meienberg, Roman Signer, Eveline Hasler, Clown Pic, Silvie Defraoui und Peter Liechti. Mit Bernard Tagwerker erhält nun ein Künstler den grossen, mit 30000 Franken dotierten Kulturpreis der Stadt, der weniger stark im Rampenlicht steht. Das mag an seinem Temperament liegen – aber auch an der Arbeitsweise: Tagwerker misstraut dem schöpferischen Ego, seine Werke entstehen per Zufallsgenerator und am Flachbettplotter.
«Aus dem Chaos zufälliger Formverteilung lässt er neue Ordnungen entstehen», schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung zur Vergabe des Kulturpreises. Prominentes Beispiel: die Fassadengestaltung des Geschäftshauses St.Leonhard, das dank Tagwerkers Zufalls-Musterung zum St.Leopard mutierte. Und inzwischen, nach zehn Jahren, schon fast Kult ist.
Was ihn aktuell beschäftigt? Wie seit langem: die Auseinandersetzung mit künstlichen neuronalen Netzen, antwortet Bernard Tagwerker am Telefon. Die selbstlernenden Programme versuche er «gegen den Strich», gleichsam rückwärts umzupolen, damit sie «entlernen statt lernen». «Aber i weiss nöd, öbs glingt.»
Das ist typisch für Bernard Tagwerker – die Bescheidenheit ebenso wie die Radikalität der Fragestellung. Seit Jahrzehnten arbeitet der 1942 in Speicher geborene Künstler an computergenerierten Methoden des Zufalls und deren Umsetzung ins Kunstwerk. «Mit seiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber tradierten Vorstellungen von Autorschaft und Gestaltung leistet Bernard Tagwerker wichtige künstlerische Forschungsarbeit», schreibt die Stadt in ihrer Würdigung.
Woher diese Skepsis? Sie gelte dem Prozess des Entscheidens grundsätzlich – sie gelte aber auch einer Kunst, die die Subjektivität, das «Malen aus dem Bauch» und aus der eigenen Befindlichkeit, über alles stelle. «Natürlich ist es verwegen, <objektive> Bilder machen zu wollen. Aber meine Hoffnung ist, dank dem Zufall auf Ideen und Formfindungen zu kommen, die es sonst nicht gäbe.»
Sich etwas vorzustellen, was sich bisher noch niemand vorgestellt hat, einen «Schritt weiter» zu gehen als andere: Darin sieht Tagwerker die Wissenschaft mit der Kunst verwandt. Sein Privileg dabei sei es, ein Dilettant im besten Sinn des Wortes zu sein. «Für die Kunst ist eine solche Haltung nicht so schlecht – zu schauen, wohin ein Prozess führt und das Ergebnis nicht im voraus zu kennen.»
Diese künstlerischen Ergebnisse, so die städtische Kunstkommission, zeichneten sich trotz ihrer computergenerierten Entstehung durch eine grosse sinnliche Qualität aus. Davon konnte man sich etwa 2009 beim «Heimspiel» (von dort stammt das Titelbild) oder 2012 in der Ausstellung «To whom it may concern» im Architekturforum und im gleichnamigen Buch (Vexer Verlag) überzeugen.
Verliehen wird der Kulturpreis im Herbst 2014.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.