Kategorie
Autor:innen
Jahr

In der Kreativ-Nische

Gemütliche Sofas, eine Bar, ein «Zitteri» auf dem WC, ein Glitzerkitzler und etliche andere Kunstwerke: Das Atolor in St.Gallens Osten lädt noch bis Mittwochabend zum Verweilen ein.
Von  Corinne Riedener , 
Etwa 80 Werke sind derzeit ausgestellt im Atolor. (Bilder: co)

Draussen steht eine Art Christbaum. Mit einer App kann man sein Licht steuern – ein kurzer Spass bei dieser Affenkälte, trotz Strobo und Regenbogenpalette. Sobald man aber durch die Tür kommt, schlägt einem Wärme entgegen: überall Lichter, Teppiche, Sofas und gute Leute. Mehrheitlich Junge, nicht wie sonst so oft wenn es um Kunst und Ausstellungen geht.

Das «Atolor» an der Brauerstrasse 25 in St.Gallen ist ein typischer Off-Raum: ohne Alarmanlagen und weisse Wände, dafür mit improvisierten Aschenbechern, Live-Musik und einem WC in der Dunkelkammer. Ein gemütlicher Estrich, der nach umtriebigem Gewusel riecht, und ein bisschen nach Acryl-Farbe. «Dä Scheiss hät verdammt vill mitem Läbä ztue», meinte ein guter Freund beim Ankommen.

Es gibt auch Häppchen im Atolor.

Noch bis Mittwochabend zeigen hier über 15 Kunstschaffende aus St.Gallen und Umgebung ihre Kunst, darunter Eruk T. Soñschein, Mariano Facci, Joel Roth, Rouven Lemon, Sugar Mirko, Nicola Hörler, Irina Rachel, Catharine Scheller, Christian Suter, Martin Meier, Phil Bischof, Patrick Jost und Benjamin Täschler. In Gedanken und mit einigen Arbeiten auch im Atolor omnipräsent: der 2014 verstorbene Künstler Stef Schwald.

Ein bisschen von allem

Was will dieser Ort im Osten der Stadt, der normalerweise als Atelier dient und dieser Tage ein bisschen an die «fünfstern»-Reihe erinnert? Ist das Atolor ein offenes Atelier? Eine Pop Up-Galerie? Ein eigenwilliges Museum?

«Ein bisschen von allem», sagen die Initianten Rouven Lemon und Sugar Mirko. «Wir wollten keine stiere Ausstellung machen, sondern die gängigen Formen durchbrechen. Es sieht hier jeden Tag anders aus: Die Werke werden von uns laufend auf-, um- und abgehängt, ständig kommt Neues hinzu.»

Zwei Grossformate von Rouven Lemon

Kein ganz einfaches Unterfangen angesichts der vielen Balken und Dachschrägen im Atolor. Bei insgesamt über 80 Werken wird jeder freie Zentimeter gebraucht – und in jeder noch so kleinen Lücke gibt es etwas zu entdecken, so auch einige der filigranen Marionettenfiguren von Eruk T. Soñschein, die auf Knopfdruck allerhand komische Verrenkungen und Knickse machen, zum Beispiel der grüne «Zitteri» im nahezu stockdunklen WC.

Tod auf dem Mittelmeer und ein willkommener Zeitfresser

In der hinteren Ecke, versteckt zwischen Farbtöpfen und Schneidmaschinen, befindet sich ein interaktives Buch von Patrick Jost, auch Elektromeier genannt – ein Zeitfresser im besten Sinn, denn einmal hineingeblättert, kann man fast nicht mehr aufhören, mit Licht Dinge abzuschiessen, Statistiken und Farbspektren zu verändern und den menschlichen Körper von oben bis unten zu röntgen.

Mauern einreissen auf Knopfdruck

In der Mitte des Raums hängen vier grossformatige Arbeiten von Sugar Mirko. Eine davon zeigt einen siebgedruckten Drachen, der die Festung Europa symbolisieren soll und wehrlose Menschen verschlingt – eine Anlehnung an das Projekt «Flüchtlinge Fressen» der Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit.

Kunst im Atolor: noch bis 11. Januar, jeweils 14 bis 20 Uhr, Brauerstrasse 25, St.Gallen.

Ein anderes Bild zeigt einen jungen Mann, der sich um einen Geflüchteten kümmert. Ausgangspunkt dafür war eine Fotografie dieser Szene auf einem Rettungsboot vor der libyschen Küste. Mirkos Freundin, Catharine Scheller, war letzten Oktober für zwei Wochen auf einem Seenotretter, wo sie mithalf, Schiffbrüchige in der Passage nach Italien aus dem Meer zu fischen.

Authentizität, Selbstreflexion und Geschlechterbilder

Ansonsten gibt es wenig explizit politische Werke im Atolor. Vieles sind Illustrationen, Portraits oder Körperstudien, so auch der Glitzerkitzler von Rouven Lemon, den man aber durchaus auch als Statement lesen kann.

«Wir wollten es allen selber überlassen, wie politisch sie sein wollen», erklärt er. «Ich zum Beispiel komme von der Grafik her, weniger von der Kunst. In meinen Arbeiten geht es vor allem um Authentizität, Selbstreflexion und alternative Geschlechterbilder – um Präsenz im Leben».

Rouven Lemons Glitzerkitzler

Die Ausstellung im Atolor ist die zweite grössere Zusammenarbeit von Rouven Lemon und Sugar Mirko. Im Sommer 2015 haben die zwei Brüder bereits das Meet and Paint auf dem St.Galler Kinderfestplatz organisiert, im Lauf dieses Jahres sollen weitere Projekte folgen. Ihr Ziel: Leute zusammenbringen, Kunstschaffende vernetzen und «die Kreativität in all ihren Facetten feiern».

«Am Mittwoch zur Finissage gibt es nochmal Mukke von Hamroy an den Tellern und von Bobby Moor am Keyboard. Cocktails & Bitters mixt giftige Drinks und zum Schluss sollten dann auch effektiv alle Kunstwerke gehängt sein – inklusive Werkliste!», sagen die Brüder lachend. Deren erste Fassung ist den beiden nämlich abhanden gekommen, Technik sei «Dank».

Oben links: eine von zwei Frida Kahlos in der Ausstellung.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz