Kategorie
Autor:innen
Jahr

Mit Kopftuch für das Frauenstimmrecht

Mit Petra Volpes in der Ostschweiz gedrehtem Film «Die göttliche Ordnung» sind am Donnerstag die Solothurner Filmtage gestartet. Er zeichnet ein holzschnittartiges Schweiz-Bild von damals – mit Pointe für heute.
Von  Andreas Kneubühler
Marie Leuenberger und Max Simonischek vor dem Dorfbrunnen in Trogen.

Gedreht wurde fast nur in der Ostschweiz –  in Trogen, Appenzell, Gais, Herisau, Flawil oder in einem Coiffeursalon in St Gallen. Den Anfang aber machen Symbolbilder der 68er-Bewegung, wie sie auch von «10vor10» immer wieder gerne gezeigt werden. Sie sagen: Summer of Love. Peace. Happiness. Aber auch: Women’s Liberation.

Dann der harte Schnitt und wir sind unverkennbar im winterlichen Trogen. Aber eigentlich doch nicht. Denn Trogen dient nur dem Lokalkolorit und steht – eher unverdient – exemplarisch für ein rückständiges, ländlich-bäuerliches Dorf in der Deutschschweiz der 1970er-Jahre. Dort ist alles wie schon immer: Die Frauen gehören an den Herd, die Männer an die Arbeit. Die göttliche Ordnung eben. Der hässige Patriarch in seinen Finken liest den «Blick» und holt sich selber kein Bier aus dem Kühlschrank. Wofür hat er eine Schwiegertochter?

Die Bösen und die Guten

Es gibt viele Varianten, wie man den langen politischen Kampf der Frauen in der Schweiz um das Stimm- und Wahlrecht verfilmen könnte. Petra Volpe (Traumland, Drehbuch der erfolgreichen Heidi-Verfilmung) hat sich für eine Komödie nach skandinavischem Muster entschieden, die auch auf dem internationalen Filmmarkt  bestehen soll – und daraus ergibt sich alles weitere.

Beispielsweise, dass die Figuren eher holzschnittartig gezeichnet sind. Da gibt es den nicht unleidigen Ehemann, der aber zu angepasst ist. Ein anderer ist unglücklich, redet nicht darüber und schlägt seine Frau. Die sprücheklopfenden Frauenverachter kommen vor. Die Teenager-Tochter, die einen Rocker liebt, wird administrativ verwahrt. Die Gegnerin des Frauenstimmrechts hat einen verkniffenen Mund und steht der Vormundschaftsbehörde vor.

 

Auf der Seite der Guten steht die aufmüpfige Alte. Wenn Stephanie Glaser noch leben würde, wäre das ihre Rolle. Aber Sibylle Brunner (Marcel Gislers Rosie) machte das eher noch besser. Die Hauptfigur Nora Ruckstuhl, gespielt von Marie Leuenberger, holt in wenigen szenischen Einstellungen die ganze Emanzipationsgeschichte und die sexuelle Revolution nach. Sie liest Betty Friedan und das Eherecht, und schon bald nimmt sie an einer Frauen-Demo in Zürich teil.

Es gibt eine Szene am Anfang des Films, in der Nora gefilmt wird, wie sie mit dem Velo fährt, allem davonfährt. Die Kamera fängt für wenige Momente das Gefühl von Freiheit und Autonomie ein. Das dauert, bis sie ihr Ziel erreicht: den Hof, in dem die Grossfamilie im Unfrieden aufeinanderhockt und es keine andere Welt zu geben scheint als diejenige von gestern und vorgestern.

Vordergrund mit Hintersinn

Auch wenn Volpe die aufgebaute Beklemmung regelmässig und manchmal etwas gar routiniert mit einem Gag auflöst und so bei der Premiere in Solothurn immer wieder Lacher abholt, löst sich das Thema des Films dann doch nicht in Harmlosigkeit auf.

Haften bleibt das Bild einer Schweiz, in der die Frauen bis 1971 rechtlich Menschen zweiter Klasse waren. «Sie konnten nicht abstimmen oder wählen, sie konnten nicht einmal selber einen Kühlschrank kaufen»: Daran erinnerte Bundesrätin Simonetta Sommaruga in ihrer Eröffnungsrede kurz vor der Premiere.

Volpe zeigt Nora in Aussenaufnahmen, wie sie das damals durchaus übliche Kopftuch trägt. Einer ihrer ersten Emanzipationsschritte ist es, das Haar offen zu tragen. Ihr Gatte verbietet ihr, eine Teilzeitarbeit anzunehmen: Dann sei sie immer mit anderen Männern zusammen, argumentiert er unter anderem.

Den gedanklichen Sprung zu den aktuellen politischen Auseinandersetzungen um die Lebensweise einiger hier lebender konservativer Moslems überlässt die Regisseurin ihrem Publikum. Sie legt aber die Spuren so deutlich, dass man von geplantem Hintersinn ausgehen muss. Diese zweite Ebene, das angeschlagene Tempo und die stringente Handlung sind die Stärken des Films.

«Die göttliche Ordnung» kommt im März in die Kinos.

Frauenpower anno dazumal.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330

Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
P8262285

Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf