«Legalisieren!» heisst das jüngste, posthum erschienene Buch mit Plädoyers des grossen Drogen-Publizisten Günther Amendt. Grundtenor: Drogenprobleme lassen sich durch eine kontrollierte Legalisierung zwar nicht lösen, aber wesentlich entschärfen.
Legalisieren: Auch hierzulande kommt die Diskussion wieder in Gang. Für eine Entkriminalisierung von Cannabis setzen sich die Städte Genf, Basel, Zürich, Bern oder Winterthur ein. National ist ein Vorstoss der Wiler Nationalrätin in Barbara Gysi hängig, und in St.Gallen hat Stadtparlamentarier Etrit Hasler eine Motion eingereicht mit der Stossrichtung, «nach Lösungen für eine kontrollierte Cannabis-Abgabe zu suchen und entsprechende Pilotversuche durchzuführen». Höchste Zeit für ein «Kifferheft». also.
Es ist in Kooperation von Saiten mit der St.Galler Stiftung Suchthilfe entstanden. Die Stiftung und ihr Leiter Jürg Niggli plädieren seit langem für eine Wende in der Cannabis-Politik. Mit einigem Erfolg. Auf die Frage, wie es im Jahr 2020 um das Thema stehen werde, antwortet Niggli: «2020 ist in der Ostschweiz Cannabis auf Rezept erhältlich und bringt in der medizinischen Anwendung zahlreichen Menschen Hilfe. 2020 stehen wir zudem kurz vor der Einführung einer intelligenten Marktregulierung für den generellen Konsum von Cannabisprodukten. Das bedeutet keine schrankenlose Liberalisierung, aber eine Entkriminalisierung, begleitet von Standards bezüglich Produktqualität, Jugendschutz, Werbung und Vertriebskanälen.» Damit es allerdings so weit komme, brauche es den Druck von unten, von den Städten. Oder auch von oben: aus dem Berggebiet. Denn dort gilt der Hanfanbau als attraktive Zukunftsperspektive.
Vorerst aber fragen wir, mal polemisch, mal erinnerungstrunken, mal stocknüchtern: Kiffen – was war das einmal, was ist es heute? Was heisst Cannabis-Kultur? Rebellion? Flucht? Welche Rolle spielt Cannabis in der Medizin? Und ist Hasch und Co. überhaupt noch aktuell – im Vergleich zu den Aufputschmitteln, nach denen die Hochleistungsgesellschaft verlangt? Die Fotos zum Titel, eine Arbeit der niederländischen Fotografin Linda Voorwinde, erzählen eine klinisch-kühle Gegengeschichte zur einstigen Kifferromantik.
Was dieses Heft nur andeuten kann, ist die Grundsatz-Frage, was uns Einzelne und was unsere Gesellschaft überhaupt süchtig oder suchtanfällig macht. Eine grosse, eine persönliche Frage – wenn die Lektüre auch dazu Anstösse gibt: umso besser.
Corinne Riedener, Peter Surber
DER INHALT:
ReaktionenNachklang zum FestEinspruch von Bettina Dyttrich
PositionenRedeplatz mit Matthias PeterStadtpunkt von Dani FelsZeitgeist I und II
Blickwinkel von Sebastian Stadler
ÜBER HASCHISCH
Schrubä, mülä, wigglä und trüllä.Das Gras, das Leben und die Politik. von Corinne Riedener
Problemzone KiffenEine Schimpftirade. von Tom Combo
Die heisseste Stelle der StadtSzenen aus Tanger. von Florian Vetsch
Vom Heilmittel zur Droge – und der lange Weg zurückCannabis-Medizin: Auch in der Ostschweiz wird geforscht. von Cathrin Caprez
Drogen machen KarriereCannabis war gestern. Heute ist Crystal Meth. von Katharina Flieger
Ofenröhre wird KatzeHauptzüge der ersten Haschisch-Impressionen (1927). von Walter Benjamin
Mein Körper fühlte sich gläsern an und zersplitterteEine persönliche Zeitreise. von Andreas Fagetti
Die Bilder zum Titelthema fotografierte Linda Voorwinde.
Jonathan Németh zeichnet den September-Comic.
PerspektivenRapperswil-JonaSchaffhausenVorarlbergThurgauStimmrecht von Leyla KanyareFlaschenpost aus Ghana und Gabun von Roger Riedener
KULTUR
Geschichte: Graf Kapodistrias besucht die Landsgemeinde.von Peter Müller
Reithalle für die Kultur?Das Interview zur Abstimmung. Und Kommentare.von Peter Surber, Michael Felix Grieder, Corinne Riedener (Texte) und Hannes Thalmann (Bilder)
Theater: Rigolo spielt Wings In My Heart.von Stefan Späti
Musik: Peter Roths erste Oper Spinnen.von Bettina Kugler
Kunst: Das Paradies liegt in St.Peterzell.von Kristin Schmidt
Literatur: Solidaritätslesung für Edward Snowden.von Martin Amstutz
Weiss auf schwarz von Dani Fels
Artist in Residence von Georg Gatsas
AbgesangKellers GeschichtenBureau ElmigerCharles Pfahlbauer jr.Boulevard
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.