Offene Beine. War das nicht mal ein medizinischer Begriff? Ekzeme, nässende Wunden und söttigs? Meinetwegen, 50 Rappen in die Wortspielkasse.
Wieso? Der «Tag der offenen Beine» ist nicht etwa der Dienstag im Altersheim, sondern das neue Sonderangebot im Extravagant, jeden ersten Sonntag im Monat: Softdrinks und Flatrateficken von 17 bis 23 Uhr für 250 Stutz. Alt sind dort also höchstens die Herren.
Das Extravagant, für alle, dies nicht wissen, ist das mehrstöckige St.Galler «Edelpuff» am Blumenberg, befindet sich also gleich über dem unterirdischen Einfallsloch zur Gallusstadt, das kürzlich saniert wurde.
Vielleicht haben besagte Bauarbeiten die «Bohrungen» im oberen Betrieb behindert, könnte ja sein… Es scheint jedenfalls, als müsse der Betreiber neuerdings auch auf Kombiangebote setzen.
Bild: Facebook
Rechnen wir nach: Einmal «GV französisch pur» kostet im Extravagant normalerweise 150 Franken, «gemütliche 30 Minuten» gibts für 200 Franken und «sensationelle 60 Minuten» für 350 Franken – ohne Prosecco versteht sich.
Wenn dort einer also sechs sensationelle Stunden lang schnackseln wollte, würde ihn das 2100 Stutz kosten. Oder anders gesagt: Dank Flatrate spart er ganze 1850 Franken. Theoretisch. Denn welcher Mann kann schon sechsmal in sechs Stunden…
Ob das erniedrigend ist für die Frauen? Ich weiss es nicht. Das Extravagant geniesst eigentlich einen guten Ruf in der Branche, man müsste nachfragen. Ob es erniedrigend ist für die Männer? Gut möglich – «Sex so oft du kannst» klingt nach fucking Hochleistungssport!
Vielleicht habe ich das ganze ja auch völlig falsch verstanden, und der Slogan hat tatsächlich medizinische Hintergründe: Nach dem x-ten Koitus hat bestimmt der eine oder die andere offene Beine. Oder wunde Knie.
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.