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Angsthasenfussball statt Euphorie

Ganz St.Gallen hoffte darauf, dass sich die Aufbruchstimmung im Verein auf den Platz übertragen würde. Das geschah nicht. Vor allem, weil Trainer Giorgio Contini offenbar kein Interesse daran hatte, dass seine Mannschaft ein Tor schiesst.
Von  SENF Kollektiv , 

Dem ersten Spiel nach der Winterpause wohnt immer ein gewisser Zauber inne. Erstmals zeigt sich, woran die Teams über die spielfreien Wochen gearbeitet haben und wie die Neuverpflichtungen sich ins Kollektiv einfügen.

In St.Gallen wurde dieses Jahr das erste Spiel nach der Pause noch etwas gespannter erwartet. Die Aufbruchsstimmung im Club nach dem Wechsel an der Spitze liess die Fans von einem Fussball träumen, der vielleicht nicht immer erfolgreich, aber immer engagiert ist. Die neue Führung um Matthias Hüppi und auch Sportchef Alain Sutter haben wiederholt betont, dass sie den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Fussball präsentieren wollen, der sie unabhängig vom Resultat begeistert. Ein kämpfendes Kollektiv sollte die grün-weisse Euphorie endgültig entfachen.

Dass das für Chefcoach Giorgio Contini schwierig werden könnte, hat «Tagblatt»-Journalist Christian Brägger schon im Vorfeld der Auftaktpartie in Bern beschrieben: «Und dennoch muss der Coach plötzlich beginnen, auf andere zu hören, auf Sutter, Hüppi oder den Verwaltungsrat Stefan Wolf. Auf Leute also, denen der Sinn mehr nach Leidenschaft, Kampf und Unterhaltung steht und Resultate sekundär sind, solange der Auftritt stimmt, der die Leute anlockt. ‹Ich will mit dem FC St. Gallen Erfolg haben›, sagt Contini. Da zählen eben auch Resultate und Tabellenplatz, pragmatischer Fussball ist also nicht unbedingt der falsche Ansatz.» Am Samstag in Bern konnte man zum ersten Mal beobachten, wie Contini die Vorstellungen der neuen Führung umzusetzen gedenkt. Die Antwort war eindeutig: Gar nicht.

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Contini liess in Bern ein System spielen, das mit viel gutem Willen als 3-5-2 durchgegangen wäre. Faktisch zeigte es sich aber als 5-3-2. Rechts musste Marco Aratore den Aussenverteidigerposten einnehmen. Eine Rolle, die ihm sichtlich nicht behagte. Und vor allem eine Rolle, auf der seine Talente schlicht verloren sind. Auf links war Silvan Gönitzer, der sich immer mehr zur Entdeckung der Saison mausert, zwar nicht ganz so verloren, aber konnte auch keine Wirkung gegen vorne entwickeln. Zumal er immer mit einem Aussetzer von Yrondo Musavu-King rechnen musste. In der ersten Halbzeit hätte ein solcher – ein schwacher Rückpass zu Dejan Stojanovic – beinahe zu einem Tor geführt. Die angebliche Leistungssteigerung, die King über den Winter gezeigt haben soll, war zumindest in Bern nicht festzustellen.

Contini zog es also vor, mit einer geballten Defensive in Bern zu starten. Die Möglichkeit, ein Tor zu schiessen, hat der Chefcoach offenbar nie in Betracht gezogen. Alles war auf ein 0:0 ausgerichtet. Dabei hätte der FC St.Gallen nichts zu verlieren gehabt. Mit einem Sieg rechnet im Wankdorf niemand, warum also nicht einfach alles auf eine Karte setzen? Kein Wunder ging unter den im Berner Gästesektor anwesenden Fan vor allem ein Wort um: Angsthasenfussball. Kaum jemand dürfte glauben, was Nzuzi Toko nach dem Spiel in der Mixed Zone gesagt haben soll: «Wir sind nicht hierhergekommen, um nur einen Punkt mitzunehmen, wir wollten gewinnen.»

Es bleibt die Hoffnung, dass der FC St.Gallen im ersten Heimspiel des neuen Jahres ein anderes Gesicht zeigt. Die Veränderungen der letzten Wochen haben das Potenzial, eine Euphorie zu entfachen. Dafür brauchts aber auch die entsprechenden Leistungen auf dem Platz.

Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

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