Einer Studie zufolge sind zwei Drittel von uns allen Eulen. Zwei Drittel. Mehr als die Hälfte. Und wenn man es aufrundet, sind das alle von uns. Und wenn man es abrundet, ist es immer noch die Hälfte. So viele sind das.
Und doch herrscht eine Diktatur der Lerchen und alle anderen werden als Morgenmuffel verschrien und in die Koffeinabhängigkeit getrieben. Ja, Koffeinabhängigkeit. Frühaufsteher haben es so gut. Die wissen gar nicht, wie scheisse Cornflakes mit Red Bull schmecken.
Man merkt es: Auch ich bin eine Eule, geboren im Sternzeichen des Faultiers mit Aszendent Schlafsack, und so denke ich jeden Morgen: Warum quälen wir uns vor sechs Uhr aus dem Bett rein in überfüllte Züge und zum Stehen gebrachte Blechlawinen, wenn das erste, was wir am Arbeitsplatz machen, eine Kaffeepause ist?
Also nichts gegen Kaffee. Ich liebe Kaffee. Ich liebe Kaffee so sehr, ich will nach meinem Tod nicht verbrannt werden, sondern nur geröstet.
Doch bis es zum Kaffee kommt, muss man eben zuerst mal aufstehen. Mein aktueller Wecker ist darum speziell auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. Er weckt mich mit personalisierten Motivationssprüchen. Sätze wie: «Nur no 35 Johr bis zur Rente.» Oder: «Nur wer ufstoht, chan sich au wieder hiilege.»
Ich brauche diesen Wecker. Gerade als Künstler ohne festen Tagesablauf stehe ich sonst nur auf, weil gleich die Migros zumacht. Denn als typische Eule bin ich tagsüber notorisch müde und drum auch motorisch prüde. Und so haben wir Eulen kein gutes Image, aber wie auch?
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Schon der Volksmund sagt: «Morgenstund hat Gold im Mund» und: «Der frühe Vogel fängt den Wurm». Darum denkt die Welt, dass Frühaufsteher die besseren Menschen seien. So proaktive Menschen: Die Sachen erledigen, bevor sie es müssten.
Wie soll ich da als Eule mithalten? Ich bin höchstens propassiv. Also ich sage Dinge ab, bevor ich eingeladen werde.
Was ich sagen möchte: Die Welt hat ein völlig falsches Bild von den Frühaufstehern. Und diese Lerchenverherrlichung wird so lange weitergehen, wie wir Eulen bei diesem Spiel mitmachen.
Darum: Langschläfer aller Länder, erhebt euch… nicht! Bleibt liegen. Zieht eurem Wecker den Stecker oder drückt nochmal die Snoozetaste. Aber mit einem Hammer. Und wenn man euch sagt: «Morgenstund hat Gold im Mund», dann antwortet mit: «Weisst du, wer auch Gold im Mund hat? Leute, denen man die Fresse poliert hat.»
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.