Warum die Blockflöte?! Meine Blockflötenlehrerin pflegte zu sagen: «Du musst Düüüü denken, wenn Du bläst. Denk Düüüüüü! Dü Dü Dü!» Und ich schaute sie an und dachte darüber nach, was in ihrem Leben wohl falsch gelaufen war.
Mein bester Freund Julian nahm auch Blockflötenunterricht. Naja, vielmehr sass er im Blockflötenunterricht. Seine Blockflöte war nach dem ersten Unterrichtstag unter mysteriösen Umständen zerbrochen. Er hat aber keine neue Blockflöte gekriegt. Als «Strafe». In den Unterricht musste er trotzdem, seine Eltern meinten nämlich: «Zahlt isch zahlt!»
Und so verliefen die Leben von mir und Julian ganz unterschiedlich. Meine Hobbies im Laufe meines Lebens waren, in dieser Reihenfolge: Blockflöte, Pokemonsammelkarten und Tai Chi. Julians Hobbies im Laufe seines Lebens waren, in dieser Reihenfolge: Keine Blockflöte. Frauen.
Julian hatte sein erstes Mal mit 14. Ich hatte mein erstes Mal mit… Nun, das geht niemanden etwas an. Ich sage nur so viel: Wie oft hat schon jemand gesagt: «Eyyy, isch kann mich vor Bitches kaum retten, denn isch bin Blockflötenplaya!»? Genau so oft wie schon jemand gesagt hat: «Yeah, megacool äs Blockflötäsolo!» Richtig: Das hat noch nie jemand gesagt. Man kann die Blockflöte deswegen auch getrost als Feierabendsirene der Lust bezeichnen.
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Aber das ist noch nicht alles: Mit Dudelsäcken wurden früher die Feinde der Schotten vor einem Angriff akustisch eingeschüchtert. Ein Dudelsack ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kriegsinstrument. Und was ist ein Dudelsack anderes als die Möglichkeit, mehrere Blockflöten gleichzeitig zu spielen?
Unsere Blockflötenlehrerin hiess Frau Ingeborg, sah aus wie ein Dudelsack und war taub. Die Qualität des Unterrichts litt darunter nicht, denn wir lernten Blockflöte. Und Beethoven war ja schliesslich auch taub gewesen, das dachten sich auf jeden Fall die Eltern und schickten uns Kinder weiterhin zu ihr.
Zwanzig Jahre später segelt Julian mit Frau und Kind auf einem Schiff um die Welt, instagrammt darüber und kriegt dafür alles gesponsert. Zwanzig Jahre später verarbeite ich mein BFT (fachchinesisch für Blockflötentrauma), indem ich darüber schreibe und kriege dafür nichts gesponsert.
Hat das wirklich was mit der Blockflöte zu tun? Der Zusammenhang konnte bis jetzt nicht nachgewiesen werden, aber wer will dieses Risiko schon eingehen? Darum: Rette Leben, zerbrich eine Blockflöte!
Hier die Kolumne zum Nachhören:
Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater