Kategorie
Autor:innen
Jahr

Beliebte Bühne, geliebte Bar

Der Horst Klub in Kreuzlingen ist noch jung, hat aber bereits Kultstatus. Bekannt ist er für seine Live-Konzerte, vor allem für Garagen-Punk. Dieses Wochenende wird das zweijährige Bestehen mit einem Festival gefeiert. 

Von  Judith Schuck , 
Ravage Fix aus Basel spielten diesen Sommer im Horst. (Bilder: Tobias Hausmann)

Die Fotowand neben der Bar im Horst Klub weist inzwischen schon einige Liebesbriefe und Dankesschriften von Bands auf, die vor dem goldenen Lametta mit dem Publikum feierten. Musiker und Gäste stehen hier in engem Kontakt, nicht wie bei grossen Bühnen, bei denen eine klassische Hierarchie herrscht: Künstler, die zum Publikum herabschauen. Nach dem Konzert sitzt man gerne noch auf ein, zwei Biere zusammen und kann sich mit den Künstlern, die meist auf Tour einen Abstecher nach Kreuzlingen machen, austauschen. Natürlich gibt es auch mal Rockstars mit Allüren, aber in der Regel trifft man sich hier auf Augenhöhe.

Gruppen, die dort spielen, flüstern immer wieder in die Welt, dass sie hier eine tolle Zeit hatten. Manchmal schreien sie es auch einfach von der Bühne ins Publikum. Und so ist der Kreuzlinger Klub schon recht bekannt geworden. Stammgäste gibt es aus St.Gallen, Winterthur und dem nahen Konstanz.

Ein Laden mit Seele

Stefan Böker ist Aktuar des Vereins, Mitbegründer des Horst Klubs und spielt selbst in diversen Bands, mit denen er regelmässig Konzerte gibt oder auf Tour geht. «Dabei bin ich immer wieder auf richtige Kultlokale gestossen», sagt er. Perfektes Beispiel sei das «Pit’s» im belgischen Kortrijk: Unfassbar klein, mitten in einer Wohngegend gelegen und seit Jahren legendär, weil es sich allen ungünstigen Umständen zum Trotz immer noch mit Verve behauptet. «Oder das ‹Now that’s Class› in Cleveland, Ohio mitsamt seinem ruppigen Publikum. Und das ‹Rumah Api› in Kuala Lumpur, ein wichtiges Zentrum für die dortige Punk-Szene».

horst-bar

Nicht immer so sauber: die Horst-Bar.

Überall auf der Welt gebe es Läden, die allein von der Liebe zur Musik und leidenschaftlichem Einsatz am Laufen gehalten werden. An solchen Läden hätten sich die Horstbetreiber ein Beispiel genommen, sagt Böker. «Läden mit Seele eben. Und wenn man unseren Gästen und den Bands, die bei uns spielen, Glauben schenkt, dann haben wir das gut gemacht und ebenfalls etwas auf die Beine gestellt, was für viele Hunderte Menschen jetzt schon Kult ist.»

«An Zürich vorbei ins Mekka»

Begeistert vom Kreuzlinger Klub zeigt sich auch der «Konzertreisende» und Musiker Philipp Niederberger aka DJ Wicked Wiggler: «Schon beim Ein-Jahr-Horst-Jubiläum hatte ich das Gefühl, als würde ich ans Fünf-Jahr-Jubiläum reisen. Schliesslich sind wir damals aus Luzern bereits etliche Male nach Kreuzlingen gefahren, um ein Konzert zu gucken.» Er findet es «Wahnsinn, was das Horst-Team aus dem Boden gestampft hat: An Zürich vorbei ins Mekka.» Und so fühle sich das Zwei-Jahr-Jubiläum an «wie ein 10-Jahr-Dings. Immer rundum gut. Bitte weiter so».

Horst Fest II:
14. und 15. Oktober, Horst Klub Kreuzlingen

Infos und Line-Up: horstklub.ch

DJ Wicked Wiggler heisst der Luzerner, wenn er auflegt, doch Niederberger spielt auch in der Band Brain Tilt. Im Namen dieser fügt er hinzu, dass der Horst Klub noch einer der Klubs sei, die sich selber aktiv nach Bands umschauten, «anstatt nur auf die Löschen-Taste im Promo-Mail-Eingang zu drücken.» Bei ihrer dritten Anfrage habe es geklappt, und sie seien «gross geehrt auf Knien in den Horst gerobbt.» Hinter dem Klub stehe ein Team, «das nicht seinen ‹7 bis 5 Job› erledigt, weil es ein Kulturstudium hinter sich hat, sondern weil es den Rock’n’Roll lebt.» Und dann sei da ja noch die schönste Theke weit und breit. «Ein Traum. Ganz klar unser Lieblingsklub», sagen Brain Tilt. Das einzige, was die Band sich noch wünschen würde: längere Öffnungszeiten.

Good Nachbar, bad Nachbar

Ab 22 Uhr muss es mucksmäuschenstill sein im Revier. Vor allem Anfangs fühlte sich ein Nachbar öfters in seiner Nachtruhe gestört. Das finden viele Besucher schade, wo die Vereinsmitglieder doch gerade diesen Sommer den Garten mit Kies ausstreuten und Sitzbänke aus Holz montierten, das sie von einem anderen, wohlwollenderen Nachbarn geschenkt bekommen hatten. Er war auch Spender der wohl grössten Diskokugel der Region, die wie ein riesiger Planet über dem Barraum schwebt.

Stefan Böker zur Lärmthematik: «An einem runden Tisch mit Stadt und Nachbarschaft haben wir eine Lösung gefunden, um Lärmklagen, die sich im Sommer 2015 gehäuft hatten, vorzubeugen.» 2016 habe es nur noch vereinzelt Klagen gegeben. «Der Weg der friedlichen Koexistenz kann weiter begangen werden», sagt Böker, die Schallmauer zwischen Strasse und Garten dämpfe ganz gut und den Eingang hätte man weg von der Strasse und Wohngegend gelegt. Niederbergers Wunsch wird also vorerst unerfüllt bleiben, denn die Horst-Crew achtet streng auf die Sperrstunde. Aber die meisten Besucher haben ohnehin Verständnis dafür, dass man sich auf dem Nachhauseweg leise verhalten soll, um dem Klub nicht zu schaden.

benni-kreibich-und-stefan-boeker_horst

Horst-Präsident Benni Kreibich (links) und Aktuar Stefan Böker (Bild: Judith Schuck)

Les Marinellis, eine Garagenband aus Frankreich, sehen das ähnlich wie die Brain Tilts: «Wenn wir nach Kreuzlingen kommen, wissen wir, dass wir herzlich empfangen werden.» Im Horst Klub gehe es um Leidenschaft für Musik. Deshalb sei es für sie ein absolutes Muss, auf jeder Europa-Tour vorbeizuschauen. Und bisher sind sie auch die Rekordhalter: Viermal standen sie schon auf der Horst-Bühne.

Anlaufstelle und Proberaum

Im Klub wird aber nicht nur gefeiert. Gleich fünf lokale Bands nutzen die Infrastruktur, um zu proben. Marion Baumeister ist selbst Mitglied im Verein des Horst Klubs, den sogenannten B.A.D.K.I.D.S. (Bands, Abenteuer, Drinks und Kultur in der Steinhauerei), und spielt in zweien dieser Bands – am Schlagzeug oder mit Gitarre und Gesang. «Als die Stadt Konstanz vor etwa über einem Jahr unseren alten Proberaum ersatzlos umfunktionierte, standen wir mit vier weiteren Bands auf der Strasse», erinnert sie sich.

Einen neuen Proberaum zu finden, war auf die Schnelle nahezu aussichtslos; gerade in der deutschen Nachbarstadt muss man solch eine Räumlichkeit schon beinahe vererbt bekommen, so hart sind sie umkämpft. «Umso mehr haben wir uns darüber gefreut, im Konzertraum vom Horst vorübergehend proben zu können», sagt Baumeister. Klar seien die Bedingungen nicht optimal. Manchmal könne man nicht proben, weil reguläre Konzerte seien, und man müsse sich mit den anderen Bands immer absprechen. «Funktionieren tut das aber trotzdem ziemlich gut, nicht zuletzt, weil der Horst Klub für uns mehr ist, als ein reiner Proberaum. Der Horst ist eine Anlaufstelle von und für Musikfreunde und dafür lieben wir ihn – Happy Birthday Horst Klub, rock on!» ist ihre Botschaft zum Jubiläumsfest.

Neben all den Bands und Crew-Mitgliedern gibt es natürlich noch die «ganz normalen» ortsansässigen Gäste, die den Musik- und Kulturklub mit seinem Angebot schätzen. Julian Dengel ist einer davon und seit Beginn regelmässig im Horst: «Der Klub schafft, was lange niemand mehr angepackt hat: Ein vielseitiges Konzertlokal in Kreuzlingen zu betreiben, das als Alternative zum Z88 Bestand hat.» Gemütliches Ambiente paare sich hier mit punkartigem Skaterhinterhof, dazu ordentlich auf die Ohren für Jung und Alt. «Ich glaube, ich spreche für einige, wenn ich sage: ‹Eine echte Bereicherung für die Kulturlandschaft Kreuzlingen!›»

horst

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller