Collagiert aus Übersetzungen von Sappho, Zitaten aus Zeitungsartikeln von Josef Osterwalder und Roman Hertler, Auszügen aus der Kommunikation per Email und Handy zwischen Marina Widmer, Nadia Veronese, Wolfi Steiger und Martina Morger. Videostills von Lukas Zerbst.
Liebe Martina Wir haben ganz hoffnungsvoll die Performance projektiert. Sie möchten die Statue nicht verschieben, sondern dort lassen und nur die Farbe entfernen und das professionell. Die Patina der Witterung möchten sie belassen. Ein früherer Museumsdirektor hat die Statue ausgemustert, so wie ich es verstanden habe, möchten sie das so belassen. Es könnte aber eine neue Diskussion entstehen, ob diese Statue nicht besser erhalten bliebe, sie müsste dann aber an einem trockenen Ort untergebracht werden, so einen müssten wir suchen. Liebe Grüße, Marina
Sappho lebte um 600 v.Chr. in Mytilene auf Lesbos. Ihre Gedichte sind in Fragmenten erhalten. Hast du sie mal gesehen? Sie ist mittlerweile wieder stark verschmutzt und wurde von Unbekannt bemalt.
Aus unbekannten Gründen befand sich die Statue in den 1980er Jahren im öffentlichen Raum, in einer Pflanzenrabatte an der Rosenbergstrasse beim Abgang zur Bahnhofsunterführung Ost, wo sie Marina Widmer, die heutige Leiterin des Archivs für Frauenforschung Ostschweiz, nach Recherchen in Gebüschen eingewachsen fand.
Der Ort, an dem sie steht, könnte in St.Gallen nicht zentraler gelegen sein. Martina Morger hat Recht, wenn sie bemängelt, wie wenig künstlerische Positionen von Frauen im öffentlichen Raum vorkommen. Weshalb also die Sappho verschieben? Nicht berücksichtigt bei dieser Überlegung ist der Umstand, dass Adelaide Maraini-Pandiani die Skulptur aus Carrara-Marmor nicht für den Aussenraum geschaffen hat und schon gar nicht für das Klima in unserem Breitengrad. Verschiedene Abplatzungen am Marmor können eindeutig als Frostschäden definiert werden. Die unglaublich filigranen Stellen bei der Harfe mit dem Lorbeerlaub beim linken Fuss der Skulptur sind zwar noch gut erhalten, bedürfen aber Schutz.
Nightingale, herald of spring With a voice of longing…
You came, and I was mad for you And you cooled my mind that burned with longing…
…You burn me…
…Again and again…because those I care for best, do me
Most harm…
Lovely child: be kind now, Help me, as you helped them…
Die Statue zeigt sie, wie sie auf einer Klippe steht, den Körper leicht zurückgebogen, die Augen auf die Flut gerichtet, in der sie Ruhe sucht. Sie hat die Leier abgelegt, den Lorbeer zertritt sie mit dem Fuss.
1975 wurde ihr die Nase abgeschlagen, Verliebte haben ihren Rücken tätowiert. Eigentlich ist es aussergewöhnlich schön.
Nein danke, ich denke selbst! Aber ich sage! Als Philosophin vertritt sie eine Ethik, die zur königlichen, freien Frau aufruft, auch wenn stärkste Gefühle das Denken fast unmöglich machen. Ich bin keine, die lange ihren Zorn behält, sondern habe ein sanftes Gemüt, hat Sappho einmal geschrieben.
Stand up and look at me, face to face My friend, Unloose the beauty of your eyes…
Sie sieht aus als ob sie es sich anders überlegt… Sappho denkt und leidet. Das Standbild zerfällt.
Es würde ja nichts nützen wenn ich die Arbeit für dich übernehmen würde und sie performativ, aber nicht öffentlich und einfach zugänglich, sichtbar stattfindet. Vielleicht kannst du noch reinschreiben, dass wir zusammen mit dem Kunstmuseum dann eine geeignete Stelle suchen werden. Weibliche Kunst und weibliche Körper haben es nicht leicht im öffentlichen Raum. Ich werde dem allem nachgehen.
Die Skulptur teilt seither das Schicksal von Kunstwerken im öffentlichen Raum und wurde aktuell wieder drangsaliert und mit grüner Farbe verunstaltet.
Als erstes werden diese jüngsten Farbspuren von einem erfahrenen Restaurator wieder entfernt. Als zweiter Schritt gilt es zu entscheiden, wie mit dieser Skulptur weiter umgegangen werden soll. Die Künstlerin Martina Morger kann, quasi als symbolischen Akt, in einer Performance die Skulptur «reinigen». Die Frage, die mit dem Restaurator zeitnah geklärt wird, ist, in welcher Form dies möglich wäre, ohne der Sappho weiter und zusätzlich zu schaden, und ob die Figur anschliessend konserviert werden kann.
Es ist egal, ob schon restauriert oder nicht. Die Performance wird nächste Woche stattfinden.
Love shook my heart, Like the wind on the mountain Troubling the oak-trees.
Don’t shatter my heart with fierce Pain, goddess,
But come now, if ever before You heard my voice, far off, and listened
Die Statue aus Carrara-Marmor besitzt die Masse 200 x 60 x 60cm. Sie steht etwas versteckt und verwahrlost im Park der Stadtvilla an der Rosenbergstrasse 38, hinter Bahnhof und Rathaus. Sie ist mittlerweile wieder stark verschmutzt und wurde von Unbekannt bemalt. Die Vergänglichkeit alles Kunstschönen. Im Anhang finden Sie das Konzeptpapier «Sappho Wertschätzung.pdf».
Transport mit Lastwagen und Heckkran Fr. 460.00 Vorbereitungsarbeiten, Fundamentplatte 1 x 1 x 0,2 m Fr. 300.00 Konzept Fr. 500.00 Crashkurs Steinreinigung, Material Fr. 250.00 Performance, Video Fr. 3’000.00 Unvorhergesehenes Fr. 500.00 Total Fr. 5’010.00 Anteil von Fr. 3’000…
He’s equal with the Gods, that man Who sits across from you, Face to face, close enough, to sip Your voice’s sweetness,
And what excites my mind, Your laughter, glittering. So, When I see you, for a moment, My voice goes,
My tongue freezes. Fire, Delicate fire, in the flesh. Blind, stunned, the sound Of thunder, in my ears.
Shivering with sweat, cold Tremors over the skin, I turn the colour of dead grass, And I’m an inch from dying.
And below the apple branches, cold Clear water sounds, everything shadowed By roses, and sleep that falls from Bright shaking leaves.
And a pasture for horses blossoms With the flowers of spring, and breezes Are flowing here like honey: Come to me here.
Wir sind jetzt sehr sehr spät im Prozess. Es wäre gut gewesen, wenn Du mich vor ein paar Wochen informiert hättest, dass Du definitiv eine Performance machst, dort wo die Sappho jetzt steht, das hätte noch genügt von der Planung her. Irgendwie ist die Kommunikation nicht optimal gelaufen.
Der Prozess scheint langwieriger als gedacht, jedoch bin ich eher dafür, dass alles überlegt und nachhaltiger passiert. Von dem her ist es eine gute Sache, dann haben wir genug Zeit, um Sappho vielleicht einen guten Standort beim Frauenpavillon zu suchen. D.h., dass mich dieses Projekt noch länger begleitet und es vielleicht dann im Rahmen der Ausstellung des Kunstmuseums oder nebenbei weiter beschäftigt. Mit Nadia habe ich vor ein paar Wochen besprochen, dass ich eine oberflächliche, symbolische Pflege mit Wasser mache. Eine Videoperformance ohne Publikum, dann habe wir auch mehr filmischen Freiraum und das Konzept liegt sogar näher dran an der eigentlichen Arbeitsserie.
Yet I am not one who takes joy in wounding, Mine is a quiet mind…
And I say to you someone will remember us In time to come…
………but you have forgotten me…
Now my hair is white, and no longer dark. My heart’s heavy, my legs won’t support me, I grieve often for my state; what can I do? Being human, there’s no way not to grow old.
The moon is down, I lie, alone.
Die Ausstellung klug + kühn im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, wo auch Martina Morgers Videoarbeit Cleaning Sappho zu sehen ist, dauert noch bis 19. September 2021.
Die Rubrik Blackbox ist im März 2020 als Antwort auf die Corona-Krise entstanden, als der Kulturbetrieb stillgelegt worden ist. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs, Debatten und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sind hier zu sehen und zu hören, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.