Der Endspurt um die Marktplatz-Vorlage läuft auf Hochtouren. Das Stärkenverhältnis ist weiterhin äusserst ungleich: Es lautet FDP, CVP, Tagblatt, SVP, SP, Grüne, TCS/VCS gegen den Rest der Welt.
Es ist ein Abstimmungskampf…
…in dem drei Typen mit einem zusammengebastelten Leiterwagen und selbst gebackenem Kuchen lange als einzige gegen ein umstrittenes 70 Mio. Franken Projekt mitten in der St.Galler Altstadt angetreten sind.
…in dem gestandene SP-Parlamentarier Sätze wie folgt schreiben: «Wer also Nein sagen will zu noch mehr Parkgaragen muss am 15. Mai Ja sagen zur Marktplatzvorlage, wer hingegen Nein sagt zur Marktplatzvorlage hat noch gar nichts unternommen gegen die Parkgarage Schibenertor, die danach bekanntlich ohne Volksentscheid trotzdem gebaut werden könnte – zweifellos eine nicht-triviale Sache, die schwer zu vermitteln ist.» Zweifellos.
…in dem es selbst den klarsten Befürwortern an Begeisterung mangelt und sie einem ungefragt mindestens zwölf «aber», «allerdings» und «trotzdem» an den Kopf werfen.
…in dem die Gegner einen Abstimmungskampf zwar auf Facebook begonnen haben, aber nun jeden Samstag persönlich auf dem Marktplatz hinstehen und Werbung für ein Nein machen.
…in dem die Gewerbepolizei wieder einmal etwas für ihren Ruf tut und den Jusos verbietet, mit Kreide Parolen auf den Boden zu schreiben – natürlich wegen gesteigertem Gemeingebrauch – und im Gegenzug all die Wagen mit TG– und AR-Kennzeichen widerstandslos auf dem Grüningerplatz wild parkieren lässt.
…in dem ein SP-Stadtparlamentarier allen Ernstes behauptet, der Stadtrat werde nach einem Nein trotzdem die Parkgarage bauen und einen, wenn man die entschieden bezweifelt, (fast) im gleichen Zusammenhang fragt: «Hast du ein Demokratieproblem?»
…in dem ausgerechnet der Klipp-Klapp-Marktstand mit FDP-gelben Plakaten zugekleistert wird. Klipp-Klapp, der am ganzen Schlamassel schuld war – bzw. diejenigen, die ihn als Prototyp ausgewählt hatten. (In der Jury sassen übrigens auch die FDP-Vertreter Fredy Brunner und Hubertus Schlegel.)
…in dem sich die FDP so sicher ist, dass sie den Abstimmungskampf gewinnt, dass sie erst gestern Dienstag die Parole dazu fasste. Dafür ist ja das links-grüne Nein-Ja-Komitee der Krötenschlucker mehr als aktiv.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.