Andreas Niedermann, 21. Februar 2014 um 17:58 Uhr Möge ich falsch liegen und du richtig, lieber Wolf, und vermutlich ist es diesem Fall gar so, und ich hab mir den Falschen herausgezerrt und geohrfeigt, stellvertretend, und als Prophylaxe gedacht. Man sollte sich nicht zuviel von der Lietratur erwarten, auch nicht von Spoken-Word, die ja keine Literatur ist, sondern eben Gesprochenes. Wie auch immer, ich reagiere allergisch auf forcierte Mundart, und ich habe kürzlich, als Juror des IBK eine Menge Spoken-Word in die Ohren gekriegt, tolle Dinger fast alle, bis auf einen Mundartvortrag. Ich bleibe dabei: Die Mundartisierung ist mehr als suspekt, ob sie jetzt antifaschistisch oder heimattümelnd daherkommt, sie ist in beiden Fällen ziemlich öd und langweilig, außer in den Songs von Polo Hofer und Mani Matter. Und da gehört sie auch hin. In die Songs. Schreiben tun Deutsch-Schweizer deutsch. Und zur Reminiszenz an die Verklärung von Typen die saufen, rauchen und alle anpumpen: Die Verehrung war damals Heuchelei und sie ist es noch. Das ist Kino. Oder Literatur.
Wolfi Steiger, 21. Februar 2014 um 10:16 Uhr Du wühlst in einer verdammt frischen Wunde, Andreas. Ich bin mit deiner Interpretation von Provinz und Mundart nicht einverstanden. Dr Goalie kommt aus der Spoken Word-Bewegung und hat nichts mit der heimattümelnden Mundartliteratur aus der Zeit der geistigen Landesverteidigung zu tun, wie du unterstellst. Es gab schon früher Schriftsteller, die in Mundart schrieben, die nicht in die rechte Ecke zu drängen sind. Etwa der Antifaschist C.A.Loosli aus Bern-Bümpliz oder aus Herisau Walter Rotach (1872 - 1926), dessen Roman "Vo Ärbet, Gsang und Liäbi" erst gerade wieder neu aufgelegt worden ist. Übrigens erinnert die Figur des Goalie an die Protagonisten deiner 80er Roman-Trilogie "Stern", "Stümper" und "Sauser". Das hast du auch gemerkt, spürt man deiner Reaktion an. Das mit der fortschreitenden Provinzialisierung nach der Abschottungsinitiative, die du uns blühen wird, könnte wohl zutreffen. Spoken Word-Literatur arbeitet dem aber eher entgegen.
Andreas Niedermann, 16. Februar 2014 um 15:19 Uhr Ja, Leute die saufen, alle anpumpen und keinen Job haben, die mag man eben, vor allem im Kino, wo sie ja auch hingehören. Und so eine pastorale Literatur isch au super, wo's so schö hämelig isch und man sich der Provinz richtig wohlig hingeben kann, ohne dieses lästige, fremde Deutsch. So wie Country auf Mundart, "Köntri womä västoht", und all das hat natürlich überhaupt nichts mit der fortschreitenden Provinzialisierung des Landes zu tun oder gar mit der letzten Wahl, überhaupt nicht das Geringste ...