Kategorie
Autor:innen
Jahr

Der Grüne Ring braucht eine Grüne Lunge

Die Agenda steht schon lange fest, nur der Zeitplan ist noch offen. Die Familiengärten an der Ruckhalde in St.Gallen, die ein paar Hundert Menschen mit frischem Gemüse und Blumen versorgen, müssen einer Wohnüberbauung weichen. Widerstand ist angesagt.
Von  Harry Rosenbaum , 

Das Schicksal der seit 69 Jahren in leichter Hanglage zwischen der Hochwacht- und Oberstrasse angelegten Pflanzplätze ist besiegelt, seit die Appenzeller Bahnen (AB) zur Aufhebung der Zahnradstrecke den Bau eines Eisenbahntunnels beschlossen haben. Damit wird ein Top-Baugelände für schätzungsweise 100 Wohneinheiten in Zentrumsnähe nutzbar. Das rund 30’000 Quadratmeter grosse Areal ist in städtischem Besitz, 90 Prozent liegen in der dreigeschossigen Bauzone und 10 Prozent in der Grünzone.

«Es ist noch zu früh, etwas Konkretes über die Überbauung zu sagen», lässt Bausekretär Alfred Kömme verlauten. «Bis jetzt haben sich noch keine Interessenten für das Baugelände gemeldet, und es besteht auch keine Überbauungsplanung. Das wird erst relevant, wenn der Ruckhalde Tunnel gebaut und das Bahntrassee verschwunden ist.»

Familiengarten Ruckhalde Gemüse

Erntezeit im Familiengarten

20 Parzellen sind schon weg

Voraussichtlich starten die AB den Tunnelbau in diesem Herbst. Der Bauinstallationsplatz oberhalb der Oberstrasse ist eingerichtet. Dafür mussten 20 Gartenparzellen und das Vereinshaus des Familiengärtnervereins Ruckhalde abgeräumt werden. Frühestens 2018 wird der Tunnel eingerichtet sein. Die AB werden das nicht mehr benötigte Trassee an die Stadt abtreten.

Was damit geschehen soll, kann Kömme bereits etwas konkreter erläutern: Möglich sei eine Nutzung als Fuss-und Veloweg, für eine künftige Ruckhalde-Siedlung mit wenig Autoverkehr. Im Stadtparlament sei auch schon ein entsprechender Vorstoss für den Langsamverkehr gemacht worden. Damit meint der Bausekretär das Postulat der Stadtparlamentarierin Doris Königer (SP) und ihres Kollegen Robert Furrer von den Grünen, das an der Ruckhalde ein autoarmes oder autofreies Wohnen möglich machen soll.

Von 80 Gartenparzellen nur 10 ausserhalb der Bauzone

An der Ruckhalde kann die Stadt St.Gallen sicher als Wohnort punkten, aber kann sie es auch als Lebensraum? Gisela Bertoldo, Präsidentin des Familiengärtner-Vereins Ruckhalde, der beim Liegenschaftenamt Pächter ist, ist skeptisch: «Von den rund 80 Gartenparzellen sind etwa zehn nicht in der Bauzone. Wenn die Zuordnung so bleibt, verlieren wir ziemlich alles. Vor 2014 hatten wir 75 Vereinsmitglieder, heute noch 65.»

Realersatz gibt es für die Familiengärten laut der Präsidentin nicht: «Im Quartier existieren keine freien Flächen. Die Ruckhalde-Gärten sind ideal für die Menschen aus dem Quartier, weil sie zu Fuss erreichbar sind. Wir haben keine Parkplätze und der Verein will auch keine einrichten.» Die Familiengärtner überlegen sich jetzt eine politische Strategie für die Schadenbegrenzung. «Wir werden dafür kämpfen, dass die Bauzone verkleinert und die Grünzone vergrössert wird. Nur so können wir möglichst viele Gärten erhalten.»

Hälfte der Vereinsmitglieder sind Migranten

Die Familiengärten an der Ruckhalde sind sehr individuell gestaltet. Das zeigt eine Begehung. Der Verein gewährt seinen Mitgliedern viele Freiheiten. «Trotzdem haben wir auch Verhaltensregeln, die sich von anderen Gartenvereinen nicht unterscheiden“, sagt die Präsidentin. «Beispielsweise ist die Grösse der Gartenhäuschen vorgegeben. Das Gemüse muss aber nicht in Reih und Glied angepflanzt werden. Die Hauptwege auf dem Areal bestehen aus Wiesland und die Infrastruktur erschöpft sich in einem Kaltwasseranschluss. Unsere Gestaltungsfreiheiten sind unsere Qualität.»

Familiengarten Ruckhalde Reben

Reben in der Ruckhalde

Rund die Hälfte der Vereinsmitglieder sind heute Migranten. Viele von ihnen kommen aus ländlichen Gegenden und können hier einen Teil der gewohnten Selbstversorgung weiterpflegen. Das Miteinander der verschiedenen Kulturen funktioniert. Altersmässig ist der Verein gut durchmischt. Es gibt junge Familien und auch Renterinnen und Rentner. Wird eine Gartenparzelle frei, melden sich heute wieder vermehrt junge Schweizerinnen und Schweizer.

Ersatz kostet zwischen 500’000 und 700’000 Franken

Die Familiengärtner versuchen jetzt die politischen Verantwortungsträger und die Parteien für ihre Anliegen zu sensibilisieren. Mit Delegationen der SP und der EVP haben bereits Gartenbegehungen stattgefunden. Die CVP hat dazu eine Einladung erhalten, aber noch nicht reagiert. Bertoldo sagt: «Eine Stadt wie St.Gallen braucht neben dem Grünen Ring aussenherum auch eine Grüne Lunge im Inneren. Das sind die Familiengärten.»

Wenn eines der bestehenden Areale geschlossen würde und Ersatz bereitgestellt werden müsse, koste das auch mit einer einfachen Infrastruktur schnell zwischen 500’000 und 700’000 Franken. «Neben dem öffentlichen Haushalt sind aber auch Menschen betroffen», sagt die Präsidentin und rechnet vor, wie ein paar Hundert Leute durch die Ruckhalde-Gärten mit frischem Gemüse und Blumen versorgt werden. Denn neben den Pächterfamilien könnten auch ihre Verwandten und Bekannten in den Kreis der Nutzniesser miteinbezogen werden.

Vertretbare Lösung suchen und «Gartenkind» bleibt erhalten

«Die Stadt hat kein Interesse, an der Ruckhalde sämtliche Familiengärten aufzuheben», beschwichtigt Bausekretär Kömme. «Sie wird bei einer Überbauung nach einer vertretbaren Lösung suchen. Möglich ist in diesem Zusammenhang verdichtetes Bauen und die Ausarbeitung eines Gestaltungsplanes, der ausgezonte Flächen für die Familiengärten vorsieht. Im nördlichen Teil des Areals besteht bereits eine Grünzone.»

Am Ruckhaldenweg hat auch das Projekt «Gartenkind» sein Areal. Hier werden Kinder in speziellen Kursen mit der Pflege und dem bunten Leben der Gärten vertraut gemacht. Das Projekt ist ebenfalls Pächter bei der Stadt, aber von der geplanten Überbauung nicht betroffen.

Für das auf dem Bauinstallationsplatz abgebrochene Vereinshaus der Ruckhalde-Gärtner steht heute neben dem Gartenkind-Projekt ein Realersatz: Der Schopf des ehemaligen Schulgartens Tschudiwies. Auf bestem Weg ein Symbol der Ironie zu werden, denn im Gegensatz zu den meisten Gartenparzellen geniesst er den Schutz der Grünzone.

 

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2