«Mangiare!» ruft es aus der Küche, und sofort ist sämtliches Interesse fürs Spielen bei mir und meiner kleinen Schwester wie weggeblasen. Wer zuerst am Esstisch sitzt, hat gewonnen. Es gibt Tagliatelle, dazu eine Salsa di pomodoro mit Vongole.
Oh, wie wir dieses Essen geliebt haben. Doch nicht nur das, auch das ganze Prozedere drum herum. Sei es der Besuch beim Italiener Aldo und seiner Frau Anna in ihrer Cantina in der Arboner Altstadt mit Papa, weil wir dort zu unserem Vongole-Einkauf immer eine Gratisscheibe Mortadella bekamen. Oder das Herumgealbere und Limbospielen unter dem Besenstiel hindurch, wenn unsere Mutter darüber die selbstgemachte Pasta in der Küche zum Trocknen aufhängte und dabei Lucio Battistis Arrivederci a questa sera zum Besten gab. Sie gehören mit zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen: die Cantina, unsere alte Wohnung in Arbon, der mit Pasta behängte Besenstiel, italienische Musik und natürlich die Pastamaschine mit ihrem unverkennbaren Klackern.
Die Pastamaschine – so erzählt meine Mamma – hat sie seit ihrer Hochzeit. «Damals, zu unserer Zeit, haben wir noch von Hand einen Wunschzettel geschrieben und diesen mit einer Kordel zusammengeschnürt. Meist hat man sich exklusivere Küchenartikel oder Haushaltsgeräte gewünscht».
Neben einem Chromstahl-Pfannenset, einer Glasbowle und einem Wallholz aus Marmor hat meine Mutter also auch die Pastamaschine zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Italienisches Original, versteht sich. Kein Schnick-Schnack. Kein Plastik. Kein Motor. Lediglich drei verschiedene Walzen – eine für Linguine, eine für Tagliatelle und eine verstellbare mit sechs Stufen, um den Pastateig dünn genug hinzubekommen. Mehr brauchts nicht.
Ausser vielleicht den Pastateig selbst. Und der soll ja bekanntlich il segreto – das Geheimnis – einer jeden guten Pasta sein. Das weiss auch meine Mamma. Schliesslich macht sie Pasta wie keine Zweite, und das schon seit jeher. «Nicht ganz», korrigiert sie mich. Auch sie hätte zuerst lernen müssen, Eier, Mehl, Wasser, Salz und Olivenöl im richtigen Verhältnis zusammenzubringen.
In diesem Punkt habe ich etwas mehr Glück als sie, denn als mir meine Eltern zu Beginn dieses Jahres eine Pastamaschine schenkten, lag da auch ein handgeschriebener Zettel mit dabei. Darauf das Rezept für den Pastateig, verfasst von meiner Mutter. Che fortuna! Wenige Tage später war die Macchina per la pasta bereits im Einsatz, meine Küche gefüllt mit Freunden, und aus dem Lautsprecher erklang Ricchi e Poveris Mamma Maria – mehr brauchts nicht. Grazie Mamma per questo cimelio.
Dieser Text ist ein Erbstück. Noch mehr davon gibts in der Septemberausgabe von Saiten. Valérie Hug ist Redaktorin und Studentin der Kulturpublizistik an der ZHdK.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.