Strub war fast 98, als er Mitte April in Basel starb. Die meisten kannten ihn als Maler und Illustrator. Der 1916 Geborene war aber auch ein politischer Aktivist und Mitbegründer der Partei der Arbeit.
Im Kalten Krieg musste er mit seiner Familie die Schweiz verlassen, weil er keine Existenz mehr fand. Er emigrierte nach Ostberlin und kehrte 1971 nach Basel zurück. Dann schrieb er zehn Jahre lang als Redaktor im «Vorwärts».
Hier ist Strubs Berührungspunkt zum Kanton St.Gallen. 1979 entdeckte er seine kommunistische Jugendgefährtin Anni Brunner (Bild oben: auf dem Velo) in der Psychiatrischen Klinik Pfäfers. Sie war dort seit 1943 interniert. Elektroschocks und eine Gehirnoperation im Spital Grabs hatten sie weitgehend ihrer Persönlichkeit beraubt.
Strubs Anklage im «Vorwärts» lautete auf «politische Psychiatrie»: Anni Brunner sei wegen ihrer kommunistischen Einstellung hinter Klinikmauern gesteckt und dort zerstört worden. Der «Fall Anni B.», wie er hiess, erregte landesweit Aufsehen und war Thema in vielen Medienberichten.
Brunner, die aus dem Rheintal stammte, hatte sich als junges Mädchen in Basel der kommunistischen Jugend angeschlossen. Sie war eine überzeugte Antifaschistin. 1936 ging sie als Freiwillige im Kampf gegen General Franco nach Spanien. Dort heiratete sie den St.Galler Spanienkämpfer Hans Thoma. Nach der Rückkehr machten sich Anzeichen einer Krankheit bemerkbar. So geriet Anni Brunner in die Mühlen der Psychiatrie, der sie nicht mehr entkommen sollte.
Strubs spektakuläre Enthüllung nötigte das St.Galler Gesundheitsdepartement zu einer Untersuchung. Die Regierung wies aber den Vorwurf der «politischen Psychiatrie» zurück: Brunner sei stets nach den modernsten Methoden behandelt worden. Genau diesen war sie freilich zum Opfer gefallen. Elektroschocks und Leukotomie heilten nicht, sondern zerstörten.
Es war zu spät für Anni Brunner. Obwohl sich Freunde noch um sie bemühten, war ein Leben ausserhalb der Klinik nicht mehr möglich. Brunner starb im Jahr 2000. Eine Kapelle spielte an ihrem Grab «Evviva España».
Mit Strubs Tod wird auch diese Geschichte endgültig zu Grabe getragen.
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