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Es braucht einen sicheren Ort

In St.Gallen ist seit einem Jahr die IG Sans-Papiers am Werk – Ziel ist der Aufbau einer Anlauf- und Beratungsstelle. Der Gastbeitrag aus unserem Januarheft von Laura Cutolo und Gianluca Cavelti von der IG Sans-Papiers St.Gallen.
Von  Gastbeitrag , 

Schätzungen zufolge leben rund 800 Sans-Papiers im Kanton St.Gallen und weitere 2000 im Raum Ostschweiz; die Dunkelziffer kann jedoch weit höher beziffert werden. Ausgehend von der unbefriedigenden Situation, dass in der gesamten Region keine Anlauf- und Beratungsstelle für Sans-Papiers existiert, wurde der gemeinnützige Verein «Interessensgemeinschaft Sans-Papiers St.Gallen» gegründet. Der Verein vertritt die Haltung, dass kein Mensch strukturell ausgegrenzt werden soll und der Zugang zu elementaren Grundrechten nicht von einem illegalisierten Aufenthaltsstatus abhängig gemacht werden darf.

Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir Informationen zur Thematik recherchiert, uns mit Akteurinnen und Akteurinnen im Raum Ostschweiz vernetzt und mit Anlauf- und Beratungsstellen für Sans-Papiers in anderen Schweizer Städten ausgetauscht. Dieser Austausch zeigte, dass es nicht möglich sein wird, alle Informationen vorab aufzuarbeiten, sondern viele Handhabungen des Kantons und Problemstellungen erst in der konkreten Beratungspraxis deutlich werden. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, im Verlauf des nächsten Jahres für eine einjährige Pilotphase eine Anlauf- und Beratungsstelle für Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus in der Ostschweiz zu schaffen.

Die Anlauf- und Beratungsstelle soll sich dafür einsetzen, dass Menschen unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihre elementaren Grundrechte – Bildung, Gesundheit, rechtliches Gehör, Schutz vor Ausbeutung und soziale Sicherheit – wahrnehmen können. Die Adressatinnen und Adressaten werden über ihre Rechte informiert und unter anderem beim Abschluss einer Grundversicherung bei der Krankenkasse, bei der Einschulung von Kindern, beim Zugang zu medizinischer Grundversorgung oder bei der Regularisierung des Aufenthaltsstatus unterstützt. Mit der Anlauf- und Beratungsstelle soll ein sicherer Raum für einen Austausch der Sans-Papiers geschaffen werden, zudem wird die Sensibilisierung des Staates und der Öffentlichkeit angestrebt.

Um im Verlauf des nächsten Jahres eine Anlauf- und Beratungsstelle zu schaffen, sind wir auf finanzielle Ressourcen angewiesen, beispielsweise für Personal- wie auch Raumkosten. Ein Spannungsfeld. Denn einerseits ist es für uns klar, dass ein solches Pilotprojekt nicht mehr nur als ehrenamtliche Tätigkeit durchgeführt werden kann, andererseits ist es uns ein Anliegen, ideell unabhängig zu bleiben. Daher werden derzeit verschiedene Möglichkeiten für Kooperationen mit potenziellen Geldgeberinnen und Geldgebern in Betracht gezogen. Die einjährige Pilotphase soll von einer Evaluation begleitet werden, um das Angebot gegebenenfalls anzupassen.

Unser Ziel ist es, eine nachhaltige Anlauf- und Beratungsstelle im Raum Ostschweiz zu etablieren. Sie soll ein sicherer Ort für Sans-Papiers werden. Zurzeit beschäftigen wir uns auch mit Fragen der idealen Lage und Umgebung eines Raumes. Die Adressatinnen und Adressaten müssen sich sicher fühlen und nicht Gefahr laufen, im Umfeld der Beratungsstelle durch die Polizei kontrolliert zu werden. Um dies zu ermöglichen, sind wir natürlich auf gewisse Kooperationen seitens der behördlichen Stellen angewiesen. Ausserdem stehen wir im Kontakt mit verschiedenen Institutionen im Raum St.Gallen, um Informationen auszutauschen und eine allfällige Triage bewirken zu können. Des Weiteren sind Veranstaltungen geplant, um Öffentlichkeit für die häufig prekären Lebenssituationen von Sans- Papiers zu schaffen.

Wer Interesse an der Idee des Vereins hat, kann diesen durch eine Mitgliedschaft ideell wie materiell unterstützen. Weitere Informationen zum Projekt können auf unserer Homepage eingeholt werden. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich für den Newsletter anzumelden.

igsanspapierssg.ch

Ein Interview mit Gianluca Cavelti und Matthias Rickli von der IG Sans- Papiers erschien im Septemberheft 2019 von Saiten und online.

Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter