Schätzungen zufolge leben rund 800 Sans-Papiers im Kanton St.Gallen und weitere 2000 im Raum Ostschweiz; die Dunkelziffer kann jedoch weit höher beziffert werden. Ausgehend von der unbefriedigenden Situation, dass in der gesamten Region keine Anlauf- und Beratungsstelle für Sans-Papiers existiert, wurde der gemeinnützige Verein «Interessensgemeinschaft Sans-Papiers St.Gallen» gegründet. Der Verein vertritt die Haltung, dass kein Mensch strukturell ausgegrenzt werden soll und der Zugang zu elementaren Grundrechten nicht von einem illegalisierten Aufenthaltsstatus abhängig gemacht werden darf.
Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir Informationen zur Thematik recherchiert, uns mit Akteurinnen und Akteurinnen im Raum Ostschweiz vernetzt und mit Anlauf- und Beratungsstellen für Sans-Papiers in anderen Schweizer Städten ausgetauscht. Dieser Austausch zeigte, dass es nicht möglich sein wird, alle Informationen vorab aufzuarbeiten, sondern viele Handhabungen des Kantons und Problemstellungen erst in der konkreten Beratungspraxis deutlich werden. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, im Verlauf des nächsten Jahres für eine einjährige Pilotphase eine Anlauf- und Beratungsstelle für Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus in der Ostschweiz zu schaffen.
Die Anlauf- und Beratungsstelle soll sich dafür einsetzen, dass Menschen unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihre elementaren Grundrechte – Bildung, Gesundheit, rechtliches Gehör, Schutz vor Ausbeutung und soziale Sicherheit – wahrnehmen können. Die Adressatinnen und Adressaten werden über ihre Rechte informiert und unter anderem beim Abschluss einer Grundversicherung bei der Krankenkasse, bei der Einschulung von Kindern, beim Zugang zu medizinischer Grundversorgung oder bei der Regularisierung des Aufenthaltsstatus unterstützt. Mit der Anlauf- und Beratungsstelle soll ein sicherer Raum für einen Austausch der Sans-Papiers geschaffen werden, zudem wird die Sensibilisierung des Staates und der Öffentlichkeit angestrebt.
Um im Verlauf des nächsten Jahres eine Anlauf- und Beratungsstelle zu schaffen, sind wir auf finanzielle Ressourcen angewiesen, beispielsweise für Personal- wie auch Raumkosten. Ein Spannungsfeld. Denn einerseits ist es für uns klar, dass ein solches Pilotprojekt nicht mehr nur als ehrenamtliche Tätigkeit durchgeführt werden kann, andererseits ist es uns ein Anliegen, ideell unabhängig zu bleiben. Daher werden derzeit verschiedene Möglichkeiten für Kooperationen mit potenziellen Geldgeberinnen und Geldgebern in Betracht gezogen. Die einjährige Pilotphase soll von einer Evaluation begleitet werden, um das Angebot gegebenenfalls anzupassen.
Unser Ziel ist es, eine nachhaltige Anlauf- und Beratungsstelle im Raum Ostschweiz zu etablieren. Sie soll ein sicherer Ort für Sans-Papiers werden. Zurzeit beschäftigen wir uns auch mit Fragen der idealen Lage und Umgebung eines Raumes. Die Adressatinnen und Adressaten müssen sich sicher fühlen und nicht Gefahr laufen, im Umfeld der Beratungsstelle durch die Polizei kontrolliert zu werden. Um dies zu ermöglichen, sind wir natürlich auf gewisse Kooperationen seitens der behördlichen Stellen angewiesen. Ausserdem stehen wir im Kontakt mit verschiedenen Institutionen im Raum St.Gallen, um Informationen auszutauschen und eine allfällige Triage bewirken zu können. Des Weiteren sind Veranstaltungen geplant, um Öffentlichkeit für die häufig prekären Lebenssituationen von Sans- Papiers zu schaffen.
Wer Interesse an der Idee des Vereins hat, kann diesen durch eine Mitgliedschaft ideell wie materiell unterstützen. Weitere Informationen zum Projekt können auf unserer Homepage eingeholt werden. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich für den Newsletter anzumelden.
igsanspapierssg.ch
Ein Interview mit Gianluca Cavelti und Matthias Rickli von der IG Sans- Papiers erschien im Septemberheft 2019 von Saiten und online.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.