Ein paar Dutzend Interessierte fanden den Weg ins Kornhaus. Obwohl es bereits eine organisierte Gegnerschaft zur angedachten Landesausstellung gibt und die Einladung eine Podiumsdiskussion versprach, gab es keine kontradiktorische Veranstaltung. Und dieses Konzept gilt auch für die kommenden Anlässe der Regio am 18. Mai in Rorschach und am 23. Mai in St. Gallen-Winkeln.
Noch zu viel Philosophie und zu wenig Happening
Die Öffentlichkeit hat die Expo 2027 noch nicht auf dem Radar, mit Ausnahmen. Die Befürworter scheinen sich darauf einzustellen und vermeiden es mit ihrer Abstimmungs-Taktik, mit den Gegnern vor Publikum über die Planungskredite von fünf Millionen Franken (St. Gallen) und drei Millionen Franken (Thurgau) zu streiten. In Appenzell Ausserrhoden hat das Kantonsparlament den Planungsbeitrag von 800.000 Franken ohne Urnenabstimmung beschlossen. Aus der Wirtschaft, vor allem von den Kantonalbanken, sollen zusätzliche 700.000 Franken kommen.
Der Propeller der Expo 2027 ist angeworfen. Projektsieger Markus Schaefer (Hosoya Schaefer Architects, Zürich) muss nun seine Vision «Expedition 27» aus der Stratosphäre in Bodennähe fliegen. Die drei Landschaften, zwei Welten und das Abenteuer, das ihm zwischen Bodensee und Alpstein vorschwebt, enthält noch zu viel Philosophie und zu wenig Happening.
Eine erfahrbare und befahrbare Vision
Nach der Expo der geistigen Landesverteidigung (1939), des Fortschritts (1964) und der Kreativität (2002) sei die «Expedition 27» eine Expo des Lebensraums, sagte Schaefer in Romanshorn. Zukunftsfähigkeit sei nicht nur Thema, sondern konkretes Ziel. Der Ausnahmezustand der «Expedition 27» ermögliche Mobilisierung, Transformation und Investition in die Zukunft – kollektiv und individuell, regional und lokal.
Schaefer instrumentiert seine Vision mit den Bergen des Appenzellerlandes, der Urbanität rund um das Kloster St. Gallen und mit der Küste des Bodensees. Der Projektsieger will seine Vision gleichermassen erfahrbar und befahrbar machen mit den SBB, den Appenzeller Bahnen und der Südostbahn. Die Verkehrsträger sollen als Eisenbahnringe die BesucherInnen der Expo 27 auf abenteuerlichem Weg an die dezentralen Orte der Ostschweizer Landesausstellung bringen.
Knallhartes Projektmanagement
In der Diskussion sagte die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag, dass die Expo 2002 in der Planungsphase nur sehr spät habe begeistern können. Die Expo 2027 werde dieses Problem nicht haben, weil die Planung schon elf Jahre vor der Durchführung einsetzen könne und so viel Zeit bleibe, die öffentliche Begeisterung aufzubauen. Haag machte aber auch deutlich, dass eine Expo in der Ostschweiz ein «knallhartes Projekt- und Finanzmanagement» benötige.
Nationalrat Hansjörg Walter, der bei der Expo 2002 im Finanzausschuss sass, erinnerte daran, dass durch Missmanagement x Millionen Franken in den Sand gesetzt worden seien. David H. Bon, Stadtpräsident von Romanshorn, rief dazu auf, sich an der Gründerzeit ein Beispiel zu nehmen. Sie habe seiner Stadt einen grossen Aufschwung gebracht. Damals hätten die Menschen etwas gewagt. Das müsse auch jetzt wieder so sein.
Diana Gutjahr, Mitinhaberin von Ernst Fischer AG, erwartet viele Impulse von einer Expo. Diese könnten Fachkräfte bewegen, in der Ostschweiz zu bleiben anstatt nach Zürich und Bern abzuwandern, wie das heute der Fall sei. Sonja Wiesmann, Gemeindepräsidentin von Wigoltingen, strich heraus, dass der westliche Thurgau viele Chancen biete, die aber brach lägen und durch eine Expo in der Ostschweiz aktiviert würden.
Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach, befasste sich mit den Gegnerinnen und Gegnern der Expo 27. Ihr einziges Argument seien die angeblich überrissenen Kosten der Landesausstellung. Interessanterweise stammten die meisten GegnerInnen, aber auch die meisten BefürworterInnen der Expo 27 aus seiner eigenen Partei, der SVP, sagte Götte.
Expo 2027 als Spaltpilz
Auch wenn noch nirgends festgeschrieben ist, dass 2027 in der Ostschweiz eine Landesausstellung stattfindet, sorgt allein schon die Idee davon für Zank in den Parteien – und nicht wie man sich das sonst gewohnt ist, unter den Parteien.
Mit Blick auf das Personal bei den Ja- und Nein-Komitees reibt man sich die Augen. Auf beiden Seiten ist die SVP anzutreffen. Bei den Ja-Sagern im Thurgau sind es eindeutig die prominenteren Köpfe: Ständerat Roland Eberle, Nationalrätin Verena Herzog, Nationalrat Hansjörg Walter, Regierungsrat Jakob Stark und ein ganzer Rattenschwanz von Kantons- und Gemeinde-Politikerinnen sowie der Unternehmer und alt Nationalrat Peter Spuhler. Bei den Nein-Sagern findet sich das anonymere Fussvolk, darunter 20 Mitglieder des Kantonsparlaments.
In St. Gallen sitzt SVP-Fraktionschef Michael Götte im Ja-Komitee und im Co-Präsidium «Chance Expo 2027», derweil die gescheiterte Regierungsratskandidatin Esther Friedli das Nein-Komitee St. Gallen aus dem Boden stampft. Auch hier sitzen vor allem SVP-Kantonsräte im Orchestergraben.
Die Ja- und Nein-Komitees sind gewissermassen die Task-Force für die Abstimmungen vom 5. Juni über die Expo-Planungskredite in den Kantonen St. Gallen und Thurgau. Bei einer Annahme kann der Expo-Traum weiter geträumt werden; bei einer Ablehnung, wenn auch nur in einem der beiden Kantone, ist Schluss damit.
Nachhaltig? Oder un-ökologisch?
Die Befürworterinnen der Expo 2027 erwarten von dem Grossanlass in vielen Bereichen eine nachhaltige Wirkung auf die Entwicklung der Ostschweiz. Die Gegner stören sich am finanziellen Aufwand und der ökologischen Belastung. Die Landesausstellung soll mindestens zwei Milliarden Franken kosten, von denen eine Milliarde vom Bund gedeckt würde.
Auch wenn es bei der Expo 2027 nicht um grundsätzliche parteipolitische Fragen geht, hat der Event jetzt doch den Charakter eines Spaltpilzes. Noch bevor die Expo 2027 beschlossene Sache ist, wirft sie die rhetorische Frage auf, soll dieser Landesteil weiterhin nur das Pflichtprogramm laufen, wie man es sich von ihm gewohnt ist, oder auch einmal eine Kür hinlegen?
Diese Vorstellung entzweit nicht nur die SVP, sondern auch die BDP und die GLP. Die St.Galler SVP-Delegierten stimmen am 11. Mai darüber ab, welche Expo-Parole die Partei ausgeben soll.
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