Kategorie
Autor:innen
Jahr

FCSG-Niederlage: Das Stadion ist schuld!

Der FC St.Gallen konnte im neuen Wankdorf noch nie gewinnen. Auch letzten Samstag nicht. Das Senf-Kollektiv ist sich sicher: Schuld ist das Stadion!
Von  SENF Kollektiv
Gelb-schwarzes Herz trifft multifunktionale Eventarena: Blick ins Wankdorf. (Bild: Senf-Kollektiv)

Seit über zehn Jahren versucht der FC St.Gallen nun schon, in Bern einen Sieg einzufahren. Letztmals erfolgreich waren die St.Galler noch im Neufeld, dem Ausweichstadion der Berner Young Boys, als das Wankdorf gerade erst abgerissen und noch nicht neu gebaut worden war. Im neuen Wankdorf, das offiziell in Stade de Suisse umbenannt wurde, konnte der FC St.Gallen also noch nie als Sieger vom Platz gehen.

Die logische Schlussfolgerung: Die ewigen Niederlagen in Bern liegen nicht an den elf St.Gallern auf dem Platz. Und auch nicht an den elf Bernern. Die Chancenauswertung der Young Boys am vergangenen Samstag ist Beweis genug: Aus 30 Torschüssen nur zwei Treffer zu machen, spricht nicht für die Effizienz. Es muss folglich am einzigen konstanten Punkt liegen: am Stadion.

Ladies Night im Wankdorf

Zugegeben: So schlimm wie der Stimmungsmoloch Letzigrund ist das Wankdorf natürlich nicht. Aber einige Punkte stimmen in Bern halt auch nicht. Da wäre zum einen der Kunstrasen. Wir alle kennen die Vorteile: Mehrfachnutzung, Terrainbeständigkeit, Wartung. Trotzdem: Der Fussball lebt davon, nicht klinisch steril zu sein. Nicht vorhersehbare Richtungsänderungen des Balls, der Geruch des Rasens, die dreckigen Shorts der Spieler- Das alles gehört zum Fussball dazu – nur in Bern halt nicht. Nicht wegzudiskutierender «Vorteil»: In der Pause kann das Auto eines Sponsors seine Runde ums Feld drehen. Wo andernorts ein Acker zurückbleiben würde, hinterlässt diese Marketing-Aktion keine Spuren auf dem Kunstrasen – dafür in den Köpfen der immer wieder über diese Aktion irritierten Gästefans.

Obwohl der Rasen also künstlich ist und entsprechend eigentlich kein Sonnenlicht braucht, versucht man in Bern neustens, solches künstlich zu generieren. LED-Banden zwischen dem ersten und zweiten Rang der Tribünen an den Längsseiten überstrahlen selbst das Flutlicht. Der Stadionbesuch als Solarium-Ersatz? Wellness-Tag beim Fussball? Würde ja irgendwie passen, schliesslich ist in Bern immer ein spezieller Tag: Wir haben aufgehört zu zählen, wie oft wir schon bei einer Ladies Night oder einem Kids Day zu Gast waren. Dieses Mal wars – der Jahreszeit geschuldet – das X-Mas-Special.

Offenbar ist man bei den Verantwortlichen in Bern der Meinung, dass man nicht wegen dem Fussballspiel in ein Stadion pilgert, sondern wegen einem «Mehrwert». Kein Wunder wird das Stadion auf den Werbebanden mit dem Slogan «Stade de Suisse – die multifunktionale Eventarena» beworben.

Wankdorf? Stadion? Fussball?

Das ist offenbar nicht sexy genug, um im Marketingsprech zu bleiben.

Fettspritzer von der YB-Wurst

Vielleicht ist der Grund für den Sonnenlicht-Ersatz per LED-Bande aber auch ein ganz anderer: Das Wankdorf gleicht nämlich einem Kühlschrank sondergleichen. Gefühlt herrschen im Stadion immer einige Grad weniger als rund herum. Und gefühlt lässt uns die Liga auch immer an den kältesten Tagen nach Bern reisen. Wer sich dann aufwärmen will, greift zu kaum geniessbaren Heissgetränken oder zu einer YB-Wurst. Der Verkaufsschlager im Sortiment ist bei den Fans vor allem beliebt, weil man sämtliche weitere Personen in einem Umkreis von drei Metern bei jedem Biss am Genuss beteiligt.

Beim Geschmack gehen die Meinungen auseinander. Aber als St.Galler muss man sich in fremden Stadien ja mit schäbiger Wurstqualität zufrieden geben. Wer sich durch die Fettspritzer der YB-Wurst nicht das Augenlicht weggebrannt hat, darf sich in der Pause an der Videowand über das «vermutlich beste Bier der Welt» informieren und die Hausdruckerei der Young Boys kennenlernen.

Wir retten uns durch diese Dauer-Bewerbung, versuchen nicht einzufrieren und sind dann doch irgendwie froh, als die YB-«Viertu-Stung» eingeläutet wird: nur noch 15 Minuten (plus natürlich die 30 Minuten Blocksperre für Gästefans) in diesem Kühlschrank ausharren.

In diesem Sinne: Hebet näch am Bänkli, YB hät für euch äs Werbe-Gschänkli…

 

Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
SENF – Das St.Galler Fussballmagazin,  

… Beitrag erschien am 1. Dezember 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen …

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330

Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
P8262285

Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess