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Forschungsteam für Medikamentenskandal

Die Psychiatriehistorikerin Marietta Meier von der Universität Zürich ist als Leiterin des Teams berufen worden, das den Thurgauer Medikamentenskandal aufarbeiten soll. Es geht um den ehemaligen Oberarzt und Direktor der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Roland Kuhn (1912-2005) und dessen Pharmaversuche.
Von  Harry Rosenbaum , 

Das Team, das jetzt ausgewählt worden ist und unter der Leitung von Marietta Meier steht, habe sich selbst aufgrund der Ausschreibung des Forschungsauftrages zu den Münsterlinger Medikamentenversuchen zusammengefunden und sei hochkarätig, sagt Staatsarchivar André Salathé. Salathé leitet die vom Thurgauer Regierungsrat im August eingesetzte Projektgruppe. Dem Forschungsteam gehören ferner Magaly Tornay und Mario König an. Tornay hat ihre Dissertation über einen Teilaspekt der Psychopharmakaforschung geschrieben und dabei ebenfalls auf Münsterlinger Quellenmaterial zurückgegriffen. Der Historiker König ist im Thurgau durch seine Studie über die Firma Saurer und die Huggenberger-Biografie, die er zusammen mit Rea Brändli verfasste, bekannt geworden. In das Team eingebunden ist auch Francesco Spöring, der über ein Spezialthema der Psychopharmakaforschung eine Habilitationsschrift verfasst hat.

Die Forschungsarbeiten, für die 750’000 Franken aus dem Lotteriefonds zur Verfügung stehen, sollen drei Jahre dauern und in Buchform veröffentlicht werden. Ausser der Hauptstudie werden durch das Forschungsprojekt zwei akademische Schriften entstehen.

Kuhn hat in den 1950er bis 1970er Jahren rund 1600 Patientinnen und Patienten, darunter auch Kinder, mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt, ohne dass sie darüber informiert worden sind. Die Tests waren als Psychopharmakaforschung deklariert und fanden in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie statt. Bei den Menschenversuchen soll es auch Todesfälle gegeben haben, und ein Teil der Patientinnen und Patienten hat mutmasslich bleibende Schäden erlitten.

Mit der Psychiatrie-Problematik vertraut

Forschungsteam-Leiterin Meier ist eine profunde Kennerin der Psychiatrie-Problematik. In ihrer Habilitationsschrift, die kürzlich im Wallstein Verlag unter dem Titel Spannungsherde erschienen ist, befasst sie sich mit der Lobotomie. Die Methode zur Behandlung psychischer Störungen mittels Hirnoperationen wurde 1935 entwickelt. Sie rief bei den Patienten starke Persönlichkeitsveränderungen hervor und fiel auch durch eine hohe Sterberate auf. Trotz harscher Kritik der Fachwelt setzte sich das psychiatriechirurgische Verfahren aber nach Ende des Zweiten Weltkrieges breit durch. Erst um 1970 wurden diese für die Patienten verheerenden Eingriffe eingestellt. Für ihre Publikation hat Meier auch Quellenmaterial aus dem Thurgauer Staatsarchiv ausgewertet.

Öffentlicher Druck

Die Vorgänge in Münsterlingen sind in den letzten Jahren durch verschiedene Medienberichte bekannt geworden. Der Skandal löste einen riesigen Wirbel aus und bewog die Kantonsregierung dazu, die Angelegenheit wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Staatsarchivar Salathé hat die Nachlässe von Kuhn und seiner Gattin, die ebenfalls in Münsterlingen Psychiatrieärztin war, für die Forschung gesichtet, geordnet und strukturiert sowie eine Projektskizze verfasst. Das Material, das von den Hinterbliebenen der Kuhns dem Staatsarchiv übergeben worden ist, misst etwa 50 Laufmeter und lagert in rund 800 Kisten.

Kuhn gilt als «Vater der Antidepressiva» und war ein international bekannter und geachteter Mediziner sowie im Thurgau eine hochgeschätzte Persönlichkeit. Das grosse Interesse an den Fragen, die durch die Psychopharmakaforschung in Münsterlingen aufgeworfen worden sind, ist unbestritten. Ihre Beantwortung wird ein wenig rühmliches Kapitel der Medizingeschichte ausleuchten.

 

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

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Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
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Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

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Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

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24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

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Spu­ren der Hei­mat

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Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez