An der Garderobe hängen Pelze, aber auch elegante Kostüme. Im Lauf des Stücks kommen beide wechselnd zur Geltung. Animalisch und kultiviert, archaisch und künstlich: Beide Seiten hat der Mensch in sich, je nachdem bricht im Stück wie im wahren Leben die eine oder andere durch, mit je nachdem wunderlichen, grossartigen oder fatalen Konsequenzen.
Die menschliche Doppelnatur bietet reichlich Material für eine Produktion, die sich zwischen Pelz und Kleid bewegt und den Wildwechsel schon im Titel trägt. Entwickelt wurden die Szenen unter Leitung von Choreographin Gisa Frank aus Improvisationen des elfköpfigen Tanzensembles und der vier Musikerinnen und Musiker.
Von amöbenhaften Zuckungen bis zum wilden Tango, vom bärigen Tapsen zu luftigen Drehungen, von der Vereinzelung bis zur kollektiven Entpelzung bewegt sich das Rudel der Tänzerinnen. Wildwechsel folgt dabei einer ungefähren Entwicklungschronologie des homo sapiens, baut aber immer wieder Brüche ein und huldigt keinem blinden Fortschrittsglauben – so ist das pelzig-archische Tun und Treiben virtuos, witzig und manchmal gar elegant. Und damit mindestens so anziehend wie die Szenen in Abendrobe, bei denen es umgekehrt auch mal wüst zu und her gehen kann.
Wildwechsel beruft sich auf mythische Figuren wie die Wilden Mannli oder die Perchten, die gerade jetzt in den Rauhnächten ihr Unwesen treiben. Das Stück knüpft aber auch an Gisa Franks persönliche «Mythologie» an: In einer Reihe von Produktionen forscht die in Rehetobel lebende Choreographin seit Jahren im Grenzbereich von Natur und Kultur, Mensch und Tier. Und wagt sich damit immer wieder in die Landschaft hinaus.
28. und 29. Dezember, Lokremise St.Gallen 2. und 3. Januar, Theater am Gleis Winterthur 12. Januar, Theater Rigiblick Zürich
frank-tanz.ch
So ging sie mit einem Bewegungsensemble 2008 auf Bärenjagd im Rahmen eines Performancereihe im Thurgau, eroberte in alpsegeln und alptrachten tänzerisch den Alpsigel und unternahm im Zusammenhang des Appenzeller Kantonsjubiläums 2013 eine Reihe von winterlichen Grenzwanderungen mit dick vermummtem Personal.
Videos solcher winterlicher Pelzexpeditionen bilden auch die Kulisse des Stücks und schaffen eine zauberische Stimmung – besonders in einem schneelosen Winter wie dem aktuellen. Vor knapp einem Jahr hatte Wildwechsel Premiere – jetzt geht eine überarbeitete Fassung mit leicht veränderter Besetzung auf Tour, nach St.Gallen folgen Winterthur, Brig und Zürich als weitere Stationen.
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
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Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
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