Fussball. Ach, wie bewegt er doch die Gemüter! Nicht nur, wenn es ums Gewinnen oder Verlieren geht, um ganz eindeutige Schwalben, verpasste Chancen oder vermeintlich unfähige Trainer. Auch das ewige Thema Geld sorgt für rote Köpfe, vor allem dann, wenn wiedermal eine WM fragwürdig vergeben wird, irgendein Goldfuss für dreistellige Millionensummen den Club wechselt oder beim Lieblingsverein Köpfe rollen, weil Macht und Aktienpakete neu verteilt werden.
«Trikotmillionen! Fernsehmilliarden! Immer wieder will man es uns weismachen: Der Fussball treibt die Weltwirtschaft an», schreibt das Fussballmagazin «Zwölf» im Mai 2015. «Wenn selbst der FC Basel die ‹100-Millionen-Schallmauer› durchbricht, klingt es ja tatsächlich danach. Doch die Relationen sind andere. Während Real Madrid und Manchester United von Big Business schwadronieren, lachen sich einige krumm: zum Beispiel der Volg.» Zur Erklärung lieferten die «Zwölf»-Macher um Mämä Sykora ein paar interessante Zahlen: Real Madrid zum Beispiel, der reichste Fussballclub der Welt, läge in der Liste der umsatzstärksten Schweizer Firmen mit 580 Millionen Franken Umsatz im Jahr 2014 «nur» auf Rang 256. Der Volg belegt mit 1,4 Milliarden Rang 124, Nestlé lag 2014 mit 92,9 Milliarden Umsatz auf Platz 6. Wollte man Manchester United kaufen, würde das 2,7 Milliarden Franken kosten, für den Schweizer Lifthersteller Schindler müsste man hingegen satte 18 Milliarden hinblättern. Zu guter Letzt: Der FC Basel hatte 2014 205 Angestellte, die Fifa 452, das Baudepartement des Kantons St.Gallen 600.
So viel zu den Relationen. Was natürlich nicht heisst, dass der Fussball kein Geldproblem hat, im Gegenteil. Oben gibt es vielfach zu viel davon, in den unteren Ligen zu wenig. Unser Ansatz: Verstaatlichen wir den Fussball! Oder zumindest den FCSG. Denn wenn, wie bei den jüngsten Krächen in der St.Galler Klubführung, den Fans nichts übrig bleibt, als die Faust im Sack zu machen, und die Öffentlichkeit auf die Loge starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, ist etwas faul am System.
Mehr demokratische Kontrolle? Laut darüber nachzudenken lohnt sich zumindest. Stürmer Hans Fässler greift in dieser Sache an, findet aber in Daniel Kehl einen abwehrstarken Gegenspieler. Chefcoach Etrit Hasler erklärt, was der Neymar-Transfer mit dem Kapitalismus zu tun hat, das Senf-Kollektiv blickt zurück auf die Anfänge des reichen Sports und liefert aus der Kurve Fakten zu den Kosten des Fan-Daseins. Claudio Bucher zeichnet die Chronik zum Investorendebakel beim FC Wil nach und Michèle Kalberer hat sich in den Zweikampf mit Ex-Fifa-Kommunikator Alexander Koch gestürzt. Die Preisklassen im Kybunpark hat Till Forrer fotografiert.
Ausserdem in der Oktober-Auswahl: neun Seiten Georg Gatsas, Isuf Sherifi, der neue Dokfilm von Laura Poitras und alles zum kulturell torreichen November.
Corinne Riedener
Reaktionen/PositionenRedeplatz mit Roland StiegerStimmrecht von Gülistan AslanIn eigener Sache: Du!Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard ThönyEvil Dad von Marcel MüllerBlickwinkel von huber.huber
Verstaatlichen wir den FC!Ein Plädoyer für die «Volkseigenen Ballbetriebe St.Gallen».von Hans Fässler
«Spitzenfussball ist kein Service public»Daniel Kehl will die Politik heraushalten – aber den Breitensport fördern.von Peter Surber
Zum Beispiel NeymarWas der Sport mit dem Kapitalismus zu tun hat.von Etrit Hasler
Das grosse GeldDer FC Wil neun Monate nach Günal – eine Chronik.von Claudio Bucher
Vom Sport der Reichen zum reichen Sport«Senf» über die Anfänge der Professionalisierung.vom Senf-Kollektiv
Cashcow FussballfanGeht oft vergessen: Wie viel das Fan-Dasein kostet.von Curdin Capol
«Wie wäre es, wenn die Fifa-Räte auf ihre 250’000 Dollar Lohn verzichten würden?»Ex-Fifa-Kommunikator Alexander Koch im Interview.von Michèle Kalberer
Die Stadion-Bilder zum Titelthema hat Till Forrer fotografiert.
Flaschenpost aus Iranvon Niklaus Reichle
Dogo: künstlerische Nachwuchsförderung im Rathaus Lichtensteig. von Marcel Hörler
Manor-Kunstpreis-Träger Georg Gatsas im Gespräch.von Dorothee Elmiger
Manthe Ribane & Co.: Südafrikas Anti-Virus-Programm.von Claudio Bucher
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club in Schweizerdeutsch.von Tobias Gerosa
Isuf Sherifi und sein Gedichtband Die weisse Filzkappe von Fred Kurer
RISK: Laura Poitras’ neuer Film über Julian Assange.von Corinne Riedener
Kulturparcours – quer durch die Ostschweiz
Mixologievon Niklaus Reichle und Philipp Grob
Am Schalter im November: Dario Forlin, Illustrator
Kehl buchstabiert die OstschweizKellers GeschichtenKreuzweiseworteBoulevard
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.